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Kirchensanierung : Neuer Glanz für die Hamberger Kirche

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für 150 000 Euro wird die 1327 als Wegekapelle errichtete alte Kirche im Innenbereich aufwändig saniert. Es herrscht in diesen Wochen Hochbetrieb in der kleinen, schmucken Hamberger Kirche, die vor knapp 800 Jahren in ihren heutigen Umrissen errichtet wurde

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 08:30 Uhr

Hoch oben auf dem Baugerüst arbeitet die Restauratorin Christiane Maier aus Lübeck. Mit feinen Geräten bearbeitet sie den Schriftzug am oberen Rand der Wand. Er soll für die Nachwelt erhalten bleiben - ein historisches Kleinod aus dem Jahre 1723. Die erfahrene Restauratorin hatte richtig vermutet: Oberhalb des alten Mauerbogens, der jetzt im Zuge der Sanierungsarbeiten wieder freigelegt wurde, befindet sich eine Wandmalerei, die jetzt gesichert wird. Die alte Tür wurde 1962 zugemauert und wird bald wieder frei zugänglich sein.

Es herrscht in diesen Wochen Hochbetrieb in der kleinen, schmucken Hamberger Kirche, die vor knapp 800 Jahren in ihren heutigen Umrissen errichtet wurde. „Seit rund 50 Jahren wurde hier nichts mehr an der Kirche gemacht“, weiß Pastor Erhard Graf. 1957 wurde nach einem Brand ein neuer Kirchturm gebaut, Anfang der 60er Jahre neue Bänke und Fußböden eingesetzt. Seitdem ist nichts mehr passiert - höchste Zeit für eine Grundsanierung.

Die Kirchengemeinde finanziert die 150 000 Euro teure Restaurierung aus Baurücklagen und einer minimalen Förderung durch den Denkmalschutz. „Die Spendengelder für die Orgel werden durch dieses Bauvorhaben nicht berührt“, betont der Pastor. Erst müsse das Gebäude auf den neusten Stand gebracht werden, dann könne man man an die Restaurierung der Orgel denken. In der Kirche sind Altar, Taufbecken und Bänke gut verpackt, damit sie während der Arbeiten nicht einstauben und Schaden nehmen. Handwerker sind dabei, den Altarsockel zu entfernen, damit dieser auf gleicher Höhe mit dem Fußboden liegt.

Die Empore, die zuvor nur durch den Turm zu erreichen war, soll künftig auch vom Innenraum der Kirche durch eine Treppe begehbar sein. Restauriert werden auch die sechs Glasfenster, auf denen die Gefallenen des Ersten Weltkrieges verewigt sind. Zwei Fenster werden zur besseren Lüftung mit einer automatischen Öffnung versehen. „Die komplette Elektrik und die Blitzschutzanlage werden nach den neuesten Sicherheitsstandards erneuert“, so Graf.

Ein umfangreiches Bauvorhaben, das, so hofft es der engagierte Pastor, bis Weihnachten abgeschlossen sein wird. Denn den Weihnachtsgottesdienst wollen die Hamberger gern in ihrer frisch renovierten Kirche feiern.

Erst wenn der alte Türbogen wieder offen ist, kann mit den Pflasterarbeiten vor dem Haupteingang begonnen werden. Dort sacken die Steine nämlich verdächtig ab. Im Budget nicht enthalten sind Dacharbeiten und der Innenanstrich. Ein Wunsch der Gemeinde sei es, den bisher ungenutzten Raum im Kirchturm sinnvoll zu gestalten, sagt Graf. Eine Toilette und ein kleiner Gemeinderaum hätten dort Platz. Der Gemeinde fehle jedoch das Geld dafür. Man müsse auch Kosten und Nutzen abwägen, denn für ein Mal im Monat Kaffeetrinken lohne ein solcher Aufwand leider nicht.

Pastor Graf sieht die Zukunft der kleinen Dorfgemeinden eher pessimistisch. Überall schrumpften die Mitgliederzahlen, das werde sich innerhalb der nächsten 50 Jahre noch verschärfen, Kirchen würden geschlossen oder verkauft, denn zu den Gottesdiensten kämen immer weniger Menschen. Natürlich sei die Hamberger Kirche als historisches Gebäude absolut erhaltenswert, aber ob sie in Zukunft tatsächlich ausschließlich von Gläubigen genutzt werde, sei fraglich. Hamberge habe unter 700 Gemeindemitglieder. Davon würden ein Drittel Kirchensteuern zahlen - da bleibe nicht viel Geld zum Erhalt der Kirche übrig.

Einen Lichtblick am Horizont sieht Graf jedoch. Nach seiner Restaurierung könne das kleine, wunderschöne und unter Denkmalschutz stehende Gotteshaus, das bereits 1327 als Wegekapelle am Handelsweg zwischen Lübeck und Hamburg errichtet wurde, mit seinen 150 Sitzplätzen ideal als Traukirche genutzt werden. Dann mache auch eine Toilette und ein Gemeinderaum im Turmtrakt einen Sinn. Erhard Graf: „Dafür müsste man zum Beispiel Brautpaare aus Lübeck und der weiteren Umgebung werben und für die Nutzung natürlich auch Geld verlangen.“

 

 

> Die Hamberger Kirche bleibt voraussichtlich bis kurz vor Weihnachten geschlossen. In dieser Zeit können die Nachbarkirchen in Klein Wesenberg, Zarpen, Reinfeld und Lübeck besucht werden. Zwei Gottesdienste werden im Kindergarten stattfinden: der zu St. Martin und der Adventsgottesdienst

 

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