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Stormarner Tageblatt

15. Dezember 2017 | 21:16 Uhr

Ahrensburg : Neuer Geist in der Gemeinde

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der neuer Kirchengemeinderat zieht nach den ersten 100 Tagen eine positive Zwischenbilanz seiner bisherigen Arbeit.

In die Ahrensburger Kirchengemeinde ist mit dem neuen Kirchengemeinderat ein neuer Geist eingezogen. Die durch die Missbrauchsfälle aus der Vergangenheit und die Debatte um die Schließung der Johanniskirche arg gebeutelte Gemeinde scheint wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen zu sein.

Ende 2014 hatte der Kirchenkreis Hamburg-Ost den Kirchengemeinderat aufgelöst und ein Beauftragtengremium berufen. Der alte Kirchenvorstand war nicht mehr beschlussfähig, nachdem mehr als der Hälfte der Mitglieder zurückgetreten war. Im November 2016 wurde ein neuer Kirchengemeinderat gewählt. 30 Frauen und Männer hatten sich auf die 13 Laienplätze beworben. In den meisten anderen Gemeinde gab es gerade mal so viele Kandidaten wie Plätze.

Die Wahlbeteiligung blieb dann mit knapp elf Prozent aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Im Januar konstituierte sich der neue KGR, in dem natürlich auch die Pastoren und Mitarbeiter vertreten sind. „Wir sind fast alle neu in dem Gremium und mussten uns erstmal kennenlernen“, sagt Vorsitzenden Herbert Meißner, der allen Mitgliedern eine „hohe Einsatzbereitschaft“ bestätigt.

„Ein Gremium mit so vielen Neuen ist Herausforderung und Chance zugleich. Wir Neuen wollten transparenter sein und mehr erklären als wir es in der Vergangenheit erlebt hatten“, sagt Florian Lemberg. Er leitet den neu gegründeten PR-Ausschuss, der sich um die Kommunikation mit der Gemeinde und der Öffentlichkeit kümmert.

Die ersten Sitzungen waren lang, dauerten bis kurz vor Mitternacht. „Wir mussten gegenseitiges Vertrauen aufbauen und andere Meinungen verstehen lernen“, sagt Lemberg. Das ist gelungen. „Es geht allen um die Sache“, sagt Margit Kreß. „Das gemeinsame Ziel verbindet uns“, so Susanne Geißler-Schön. Die Kennenlern-Phase ist nach 100 Tagten beendet, zu den Sommerferien soll der Kirchengemeinderat wie angekündigt öffentlich tagen. Auch das soll dazu beitragen, verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen und „die Menschen wieder für die Kirche zu gewinnen.“ Personal- und Grundstücksangelegenheiten sind allerdings aufgrund des Kirchengesetzes vertraulich.

Mit dem heiklen Punkt Zukunft der St. Johanneskirche hat sich der neue Gemeinderat noch nicht befasst. „Dazu hatten wir noch keine Zeit. Ich bin erstaunt, was es alles an Arbeit gibt“, sagt Meißner. Dass Pastor Oliver Okun, der nach Ahrensburg kommen soll, seinen Vorstellungsgottesdienst in der St. Johanneskirche hielt, sieht Meißner als gutes Zeichen.

Zudem möchte man einen Vikar als fünften Pastor einstellen. Dass der Kirchenkreis das mitträgt, obwohl der Kirchengemeinde Ahrensburg mit rund 11  000 Mitgliedern nach dem Verteilungsschlüssel nur viereinhalb Pastoren zustehen, sehen Meißner und seine Stellvertreterin, Pastorin Ursula Sieg, als ein Zeichen von Propst Hans-Jürgen Buhl. „Wir sind nicht immer einer Meinung, aber er sieht, dass hier keine Chaotentruppe am Werk ist.“

Die Zwischenbilanz nach 100 Tagen fällt also äußerst positiv aus. Die Bewährungsprobe steht aber noch bevor. Der Haushalt der Kirchengemeinde, der noch vom eingesetzten Gremium verabschiedet wurde, ist ausgeglichen. Zurzeit sind die Steuereinnahmen hoch, und die Kosten wurden gesenkt. Das Haus der Kirche ist keines mehr, das Erdgeschoss wird an die Stadt vermietet, die es zu einer Kita umbaut. Und bei den evangelischen Kindergärten, deren Verwaltung an den Verband abgegeben, wurde, werden die Gebäudekosten wie bei den anderen Kitas gegengerechnet, was etwa 47  000 Euro im Jahr ausmacht.

Bei der Johanniskirche läuft der Vertrag mit dem Förderverein noch bis 2019, der die Unterhaltskosten von etwa 30  000 Euro trägt. „Wir hoffen, dass wir drei Predigtstellen erhalten können“, sagt Meißner, der natürlich den Schlüssel des Kirchenkreises kennt: Je 5000 Kirchenmitglieder ist eine Predigtstätte vorgesehen: Das wären für Ahrensburg zwei.

Bislang hat sich der Bauausschuss, den Architekt Hans-Peter Hansen leitet, mehr mit der Schlosskirche befasst. Im Mauerwerk gibt es Schäden, „wie an fast jeder alten Kirche, die saniert wurde, weil dafür Zement genommen wurde“, so Ursula Sieg. Zurzeit werde getestet, welches Bindemittel geeignet ist.

Im Glockenstuhl sind die Balken so geschädigt, dass aus Sicherheitsgründen schon seit November die Glocken nicht mehr läuten dürfen. Wenn Kostenschätzungen vorliegen, will man Zuschussanträge stellen.

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