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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 18:08 Uhr

Bad Oldesloe : Neue Häuser am Tegelkamp

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Anlieger sind wegen der Pläne der S-Immobilien-Gesellschaft alarmiert. Auf einer Wiese hinter ihrem Quartier soll Bauland ausgewiesen werden.

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erstellt am 11.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Kaum soll in der Nachbarschaft gebaut werden, ist die Aufregung groß. Bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses reichte der Platz im Sitzungszimmer nicht aus. Bis auf den Flur standen die Besucher, um zu erfahren, was aus dem geplanten Baugebiet im Bereich
Tegelkamp/Am Tegel wird.

„Der Ausschuss wird instrumentalisiert und einseitig beeinflusst“, warnte Anlieger-Sprecher Ludwig Lutter. Denn die Pläne seien nicht neu. Bereits im Dezember 2004 gab es Absichten, den Bereich Tegelkamp um ein Baugebiet zu erweitern. Sie wurden seinerzeit aber abgelehnt – vordergründiges Argument waren wegen der Eigentumsverhältnisse unlösbare Probleme der Zuwegung über die Lily-Braun-Straße.

Jetzt also ein neuer Anlauf. „Bad Oldesloe ist ein Bevölkerungszuwachs prognostiziert, der weit über das hinaus geht, was über Innenverdichtung realisierbar wäre“, erklärte Bauamtsleiter Thilo Scheuber. In dem jetzt wieder ins Auge gefassten Areal sei „eine Siedlungsentwicklung denkbar“. Diese Erkenntnis fußt aber nicht auf einer geplanten Stadtentwicklung, vielmehr möchte die Sparkassen-Immobilien-Gesellschaft das Gelände erschließen, führt bereits Kaufgespräche und hat deshalb die Aufstellung eines Bebauungsplans beantragt. Den hat die Verwaltung zur Beschlussfassung in die Politik gegeben.

Ludwig Lutter, hat einige Ungereimtheiten in der Sitzungsvorlage entdeckt. So habe beispielsweise das Verkehrsgutachten nur für zwei Tage im Internet gestanden, dann war es plötzlich weg. Im Gutachten werde von einer „erheblichen“ Mehrbelastung gesprochen, die als „störend empfunden werden wird“. In der Vorlage ist dann aber nur noch von einer Belastung die Rede, die negativ empfunden „werden kann“. Für die Anlieger ist klar: „Die Kernbotschaften des maßgeblichen Verkehrsgutachtens wurden verfälscht.“ Zudem habe die Verkehrszählung die Berufsschüler nicht erfasst.

Bürgermeister Tassilo von Bary versuchte die Vorwürfe zu entkräften. Das Gutachten sei vermutlich nur verschwunden, weil der Server gewechselt wurde. „Da sind uns noch mehr Dateien abhanden gekommen“, erklärte er. Der Zeitpunkt der Zählung sei bewusst gewählt worden. Ohne Berufsschüler sei der Ausgangswert geringer und die Verschlechterung für die Anlieger prozentual höher, so die Argumentation. Gutachter Gorden Rumpff hat errechnet, dass für den Fall, dass 42 neue Wohneinheiten realisiert werden, die Anlieger am Tegel statt bisher 70 Fahrzeuge täglich 280 zusätzliche Fahrten erdulden müssten. In Spitzenzeiten wäre das alle zwei bis drei Minuten ein Wagen. An den Einmündung des Pahls in die Ratzeburger Straße werde sich der Zuwachs um rund 1600 Fahrzeuge auf gut 16  000 Kfz täglich summieren. Werden 88 Wohneinheiten realisiert, steigt das Verkehrsaufkommen am Tegel um 600 Kfz täglich. Trotz dieser Steigerung kommt der Experte zu der Erkenntnis, dass die Verkehrsqualität zumindest ausreichend sei und die Belastung für ein Wohngebiet immer noch typisch. Auf Basis objektiver Kriterien könnten sogar 110 Wohneinheiten gebaut werden. Davon rät Gutachter Rumpff ab. Die Verwaltung kommt in der Vorlage zu dem Schluss, dass 50 Wohneinheiten als verträglich angesehen werden können.

Die Ausschussmitglieder stiegen öffentlich nicht weiter in eine inhaltliche Diskussion ein. Jede Fraktion formulierte mehr oder weniger deutlich ihre momentan ablehnende Haltung. Eine Entscheidung wurde einstimmig vertagt und der Bürgerworthalter aufgefordert, eine Einwohnerversammlung zu dem Thema einzuberufen.

Hinter verschlossenen Türen wurden später ganz andere Zahlen aufgerufen. Bei Anbindung über ein Gewerbegrundstück an der Lily-Braun-Straße und Ankauf landwirtschaftlicher Flächen könnten bis zu 130 Wohneinheiten ausgewiesen werden. Gegen die Stimmen von CDU und FBO wurde mit Rot-Grüner Mehrheit ein Antrag auf sogenannte Bodenbevorratung aber vorerst abgelehnt.

 

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