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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 06:43 Uhr

Bad Oldesloe : Neue Filmreihe: Propaganda

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Am Donnerstag macht das Kub den legendären Film „Triumph des Willens“ der Öffentlichkiet zugänglich.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 15:47 Uhr

Dieser Film ist legendär und hat neue Maßstäbe gesetzt: „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl aus dem Jahr 1935 ist ein imposant inszenierter Dokumentarfilm mit Szenen vom Reichsparteitag 1934 in Nürnberg mit Paraden und Aufzügen sowie zahlreichen Auszügen aus Reden von NS-Funktionären, unter anderem auch von Adolf Hitler. Es ist einer der bekanntesten Propagandafilme mit einer ganz besonderen Ästhetik, der auch heute noch Filmemacher beeinflusst. Am kommenden Donnerstag, 27. April, um 19 Uhr wird er in voller Länge im Kultur- und Bildungszentrum gezeigt. „Es ist eine seltene Gelegenheit, diese Filme zu sehen, weil sie öffentlich nicht zugänglich sind“, betont Kub-Managerin Inken Kautter.

„Triumph des Willens“ macht den Anfang der neuen Filmreihe im Kub, die mit „Propaganda“ betitelt wurde. Am 1. Juni folgt der Film „Jud Süß“ von 1940 und am 21. September wird „Hitlerjunge Quex“ von 1933 mit gezeigt. Alle drei Filme gehören zu den rund 40 so genannten „Vorbehaltsfilmen“ aus der NS-Zeit, die von der Murnau-Stiftung in Wiesbaden quasi unter Verschluss liegen. „Diese Filme dürfen nur mit einer filmwissenschaftlichen Begleitung öffentlich gezeigt werden. Deshalb haben wir den Filmwissenschaftler und -vermittler Felix Arnold von der Uni Kiel eingeladen“, sagt Inken Kautter, die die neue Filmreihe in Zusammenarbeit mit der Oldesloer Volkshochschule organisiert hat. Der Medienlotse Felix Arnold wird die Filme jeweils kurz vorstellen und nach der Vorführung mit den Zuschauern diskutieren. „Er wird die Grundlage dafür schaffen, die Filme mit anderen Augen zu sehen. Es geht darum, seine eigenen Seheindrücke zu schildern, was nicht immer ganz einfach ist“, so Inken Kautter. In den Filmen gebe es superspannende Aspekte, die unbedingt diskutiert werden müssten, betont Karin Linnemann, Leiterin der VHS.

„Triumph des Willens“ ist ein bombastischer Propagandafilm, der die Rückkehr Deutschlands als Großmacht mit Hitler als heilbringendem Führer präsentiert. Der Titel ist eine Anlehnung an Friedrich Nietzsches Schlagwort vom „Willen zur Macht“. Riefenstahl verwendete relativ neuartige Techniken wie bewegte Kameras, Teleobjektive, eine dynamische Schnitttechnik sowie neuartige Kameraperspektiven und eine Untermalung mit suggestiver Musik. „Der Film bietet gigantische Bilder“ weiß Inken Kautter. Diese raffinierten technischen Mittel greifen auch moderne Filmen, wie „Herr der Ringe“ und „Star Wars“ wieder auf.

Während „Triumph des Willens“ als Propagandafilm gilt, wurde „Jud Süß“ als reiner Unterhaltungsfilm gedreht, den bis 1943 mehr als 20 Millionen Zuschauer sahen. „Es ist ein klassischer antisemitischer Film, der das Opfer zum Täter macht“, sagt Inken Kautter. „Hitlerjunge Quex“ war ein reiner Propagandafilm, um die Jugend für den Krieg mobil zu machen.

Europaweit werde zurzeit mit Hilfe der Kultur wieder Stimmung und Propaganda gemacht. Das gelte es zu diskutieren, so Kautter.

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