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Bad Oldesloe : Neue Büros – aber keiner will rein

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Stormarnhaus ist für zwei Millionen Euro aufgestockt worden, die offenen Büros sind bei den Kreis-Mitarbeitern aber unbeliebt.

Da hat der Kreis neue Büros gebaut – aber niemand will dort hinein. Nicht weil die Räume nicht schön oder der Ausblick aus dem neuen Dachgeschoss des Stormarnhauses nicht sogar besser wäre – die Mitarbeiter möchten einfach nicht in einem Großraumbüro sitzen. Sie wollen ihre kleinen Zimmer behalten.

2013 klang der mehr als zwei Millionen Euro teure Plan überzeugend. Der Kreis hatte die IT ausgelagert und zusammen mit mehreren Gemeinden den IT-Verbund Stormarn gegründet (ITV) gegründet. Damit sollte alles besser werden, zunächst wurde es aber kompliziert und teurer. Hard und Software musste angeglichen werden, es wurde ein zweites Rechenzentrum gebaut, damit auch bei einem Komplett-Crash noch weiter gearbeitet werden kann. Auch auch bei Stromausfall, weil der Kreis ein neues Notstromaggregat anschaffte.

Mit 24 Stellen kam der ITV auch nicht aus, mittlerweile sind es 34 Mitarbeiter auf 29 Planstellen, und an Sachmittel werden allein beim Kreis mehr als zwei Millionen Euro im Jahr aufgerufen. Auf die „digital unterstützten Arbeitsumfelder“ im neuen Dachgeschoss wollte der IT-Verbund dann aber doch nicht einziehen. Erstens war der Südflügel für nun 34 Mitarbeiter nicht mehr groß genug, zweitens wollte man weder Großraumbüros noch Arbeitsplatz-Sharing. ITV-Geschäftsführerin Christiane Clobes: „Es ist nicht organisierbar. Wie haben Teilzeit- und Telearbeit, aber bei einem Crash müssen möglichst alle da sein.“ Man brauche Besprechungsräume sowie Einzelbüros, da die Mitarbeiter 50 Prozent des Tages telefonieren müssten.

„Die IT-Verbund wollte das ganze Stockwerk haben. Da habe ich sie dann rausgeschmissen“, sagt Landrat Klaus Plöger. Damit hatte er aber ein neues Problem: Wer geht dann ins Dachgeschoss? Bereiche wie Sozial- oder Ausländeramt schieden schon aus Datenschutzgründen aus, also wurde die anderen Abteilungen gefragt: Es wollte niemand.

Der Verwaltungschef ordnete an, hatte aber wohl Widerstand und Beharrungsvermögen unterschätzt, zumal Büros und Einrichtungen auch mitbestimmungspflichtig sind. Nach vielen Gesprächen lag zum Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschuss ein Kompromiss vor: Die Fachdienste 43 und 45, Wasserwirtschaft, Abfall, Boden- und Grundwasserschutz sowie Teile des Fachdiensts 13 (Zentrale Steuerung und Organisation) sollten in das ausgebaute Dachgeschoss ziehen.

Teil des Kompromisses waren allerdings Einzel- oder Gruppenbüros. Um trotzdem den offenen Charakter beizubehalten, hatte Bauamtsleiter Klaus Kucinski Glaswände vorgeschlagen, die dann mit Folie beklebt werden sollten. Eine Idee, die bei den Politikern nicht gut ankam, schließlich hatten sie der Aufstockung einst mit der Maßgabe zugestimmt, dass dort moderne Büros entstehen.

Und günstig sind Glaswände mit 500 Euro je Quadratmeter auch nicht gerade. 80  000 Euro zusätzlich kostet der lichte Durchblick. Kucinski: „Wir haben den Ansatz für die Aufstockung um 180  000 Euro unterschritten so dass wir weniger sparen würden.“ Ausschussvorsitzender Detlev Hinselmann, (CDU) fand Trennwände dennoch „gruselig“. Er und seine Kollegen bezweifelten auch die Darstellung des Personalratsvorsitzenden Joachim Sauer, dass die Wände aus Datenschutzgründen notwendig wären. Hans-Werner Harmuth (CDU): „Die kann man weglassen, wenn man zwei oder drei Besprechunsgräume baut.“

Landrat Klaus Plöger argumentierte zwar ebenfalls mit dem Datenschutz, machte aber auch klar, dass er nicht wie ein freier Unternehmer handeln könne und selbst das Ergebnis mit den Glaswänden „nur nach intensiver Betreuung“ zustande gekommen sei: „Ich bin heilfroh, wenn alle umgezogen sind und alles funktioniert.“

So verhallte Hinselmanns Appell „Transparenz wagen“ am Ende fast ungehört. Die Politik gab ein grundsätzliches Okay für Glaswände, die Folie soll aber nicht großflächig, sondern nur in einer Höhe von 1,50 bis 1,90 Meter aufgeklebt werden. Kucinski: „Ich bewege mich gern, aber ich brauche auch die Zustimmung der Mitarbeiter.“

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