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Bad Oldesloe : Neue Brücke ist nicht barrierefrei

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nein, kein Planungsfehler, das gehört so: Auf beiden Seiten fehlte nämlich der Platz um für Rollstuhlfahrer eine normgerechte Rampe anlegen zu können.

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erstellt am 04.Jan.2016 | 18:00 Uhr

Das Stormarner Tageblatt hatte Oldesloer Lokalpolitiker vergangenen Monat zu einem besonderen Stadtrundgang eingeladen. Im Rollstuhl und mit anderen Mobilitätshilfen ging es vom Traveparkplatz durch die Innenstadt bis zum Marktplatz (wir berichteten). Die Problemstellen sind weitgehend bekannt, aber den Probanden wurde bei der Gelegenheit sehr eindrücklich bewusst, wie anstrengend es ist, gewisse Bereiche in der Stadt zu passieren.

Auf dem Wochenmarkt wurde die Truppe von einer Passantin angesprochen, die die fehlende Barrierefreiheit der neuen Brücke von der Stormarnhalle über den Ring zum Schwimmbad kritisierte. Erste, spontane Reaktion von der Bauausschussvorsitzenden Maria Herrmann (SPD): „Verdammt, wie konnte uns das durch die Lappen gehen?“ Bei genauem Hinsehen stellt sich dann aber heraus, dem Ausschuss und ihr ist gar nichts durchgeflutscht, die Verwaltung hat auch nicht geschlampt – es ging schlicht nicht anders.

Bauamtsleiter Thilo Scheuber bestätigt auf Nachfrage: „Ohne Zweifel ist die Brücke nicht barrierefrei.“ Früher konnten Rollstuhlfahrer vom Exer aus, durch einen unterführungsähnlichen Gang an der Stormarnhalle vorbei fahren, wenden und dann eine Rampe hochrollen. So kamen sie immerhin noch vor den Eingang der großen zentralen Sporthalle. Thilo Scheuber winkt ab: „Das war auch nicht barrierefrei, weil die Rampe viel zu steil war.“ Die entsprechende Norm sehe eine Steigung von zwei Prozent vor – pro Meter Länge darf es zwei Zentimeter hoch gehen. „Um das hinzukriegen, wären wir hinten auf der Kreuzung gelandet“, ist der Bauamtsleiter überzeugt.

Auf der anderen Straßenseite sieht es nicht viel besser aus. Die Brücke endet auf der Hochebene vor dem ehemaligen Schwimmbadeingang. Von dort führen Stufen zum neuen Eingang runter. Keine Chance für Rollstuhlfahrer. Scheuber: „Wir hätten den Brückenverlauf abknicken können. Dann wäre mindestens der halbe Parkplatz weg gewesen, um das mit der Neigung hin zu bekommen. Oder wir hätten was serpentinenartiges machen müssen.“

Viel sinnvoller ist es für Behinderte, direkt an der Schwimmhalle zu parken beziehungsweise den Übergang an der Kreuzung Schützenstraße zu nutzen und dann den barrierefreien neuen Zugang zum Bad zu nehmen. Da er tiefer liegt als der Parkplatz, müssen Rollifahrer die längere „Serpentinen-Zufahrt“ benutzen. Fußgänger gehen einige Treppen hinab.

„Hier war es technisch einfach nicht anders möglich“, ist der Bauexperte überzeugt: „Was hätten wir denn auch gewonnen?“ Deshalb sei dem Bauausschuss das so auch kommuniziert und von ihm beschlossen worden. Thilo Scheuber legt Wert auf die Feststellung, dass es keine Frage des Geldes war.

Theoretisch ist auf der Exerseite ein Fahrstuhl an der Stormarnhalle denkbar. Ob der Rollifahrer wirklich weiter bringt, ist fraglich. Thilo Scheuber: „Wir wissen doch alle, wie es um Fahrstühle im öffentlichen Raum steht.“ Da müsse man doch nur mal auf den Bahnhof schauen.

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