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Stormarner Tageblatt

15. Dezember 2017 | 02:33 Uhr

Ammersbek : Nest der Bundestags-Abgeordneten

vom

150. Geburtstag des "Allgemeinen Arbeitervereins" / SPD-Geschichte in Ammersbek aufgearbeitet

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 09:38 Uhr

Ammersbek | Ammersbek gibt es in dieser Form zwar erst seit 1978, das heutige Gemeindegebiet hat aber eine wohl deutschlandweit einzigartige Dichte von Bundestagsabgeordneten aus Flächenländern aufzuweisen, vor allem aus der SPD. Bereits zur Kaiserzeit gab es einen Reichstags-Abgeordneten: Karl Frohme errang im Wahlkreis Altona-Stormarn das erste SPD-Mandat im Land nach dem Ende der Sozialistenverfolgung. Bekanntester Sozialdemokrat zwischen den Weltkriegen war Louis Biester, der gegen den Kapp-Putsch ebenso marschierte wie gegen den Bargteheider Aufstand der Kommunisten.

So verwundert es auch nicht, dass mit Eckart Kuhlwein ein ehemaliger Bundestagsabordneter zum 150. Geburtstag des "Allgemeinen Arbeitervereins" die Geschichte der Sozialdemokratie in Ammersbek aufarbeitete. Kuhlwein forschte auch in Hamburger Archiven, denn "die Quellenlage ist nicht ganz einfach". In Hoisbüttel gab es bereits 1920 einen Ortsverein, der sich in "Clasens Gasthof" traf. Aus der Kaiserzeit - Karl Frohme verteidigte sein Mandat über 30 Jahre - sind nur einige Anekdoten bekannt.

Kaufmann Blöhse wickelte seine Waren in Flugblätter ein, Müllergeselle Olsen, ein Migrant aus Schweden, zeigte seinen Genossen gern ein rotes Taschentuch, und viele "Sozis" wohnten im Wulfsdorfer Weg, der im Volksmund auch "August-Bebel-Allee" genannt wurde.

Louis Biester war Lehrer zeitweise Amtsvorsteher, saß im Stormarner Kreistag und war SPD-Vorsitzender in Stormarn. Seine bewaffnete "Heimwehr" aus Soldatenräten stoppte im Jahr 1920 ohne Blutvergießen den rechtsradikalen Kapp-Putsch in Hamburg und Stormarn. Drei Jahre später riefen die Kommunisten in Bargteheide die "Sowjet-Republik" aus, setzten den Amtsvorsteher fest und blockierten Straßen. Biesters Leute aus Hoisbüttel rückten an und bereiteten diesem Spuk nach vier Tagen ein Ende.

1933 begann die totalitäre Herrschaft der Nazis, die mit einem Land in Trümmern und überfüllt mit Flüchtlingen, Hunger und Not endete. Neben dem Aufbau demokratischer Strukturen ging es nach 1945 um elementare Aufgaben wie Wohnraum, Lebensmittel und Brennstoff zum Heizen. Bei der Gründung des Bünningstedter Ortsvereins diskutierten die Genossen über Stromsperren oder eine Ablieferungspflicht für Eier.

Auch die Klage über das "geringe Engagement der Jugend gab es schon damals", sagt Kuhlwein. Um Nachwuchs zu gewinnen, wurde unter anderem ein Fahrradclub ins Leben gerufen.

Der erste Stormarner SPD-Bundestagsabgeordnete nach dem Krieg war der Kreisvorsitzende Hans Ekstrand aus Ahrensburg. 1972 zog wieder ein Ammersbeker ins Parlament ein, allerdings von der FDP: Werner Zywietz. 1976 folgte Eckart Kuhlwein. Er gehörte dem Bundestag bis 1998 an, war Vorsitzender der Enquête-Kommission Bildungspolitik und 1981/82 Parlamentarischer Staatssekretär in der Bundesregierung von Helmut Schmidt.

Als Zywietz 1994 den Wiedereinzug verpasste, zog mit Franz Thönnes der nächste Ammersbeker in den Bundestag, dem er bis heute angehört. Als Parlamentarischer Staatssekretär war er viele Jahre das einzige Regierungsmitglied aus dem nördlichsten Bundesland.

Seine Frau Rita ist Gemeindevertreterin in Ammersbek, Vorsitzende des Ortsvereins und des Sozialausschusses und sieht die politische Kultur im Ort "auf einem guten Weg.

Ihren Geburtstag wollen die Genossen beim Sommerfest am 11. August feiern.

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