Bargteheide : „Nein zu alten Nazis“

DGB-Chef Heiko Winckel-Rienhoff, Bürgervorsteherin Cornelia Harmuth und Uwe Polkaehn (v. l.)
DGB-Chef Heiko Winckel-Rienhoff, Bürgervorsteherin Cornelia Harmuth und Uwe Polkaehn (v. l.)

Die Redner bei der traditionellen Mai-Kundgebung prangerten Rechtspopulismus und die vielen prekären Arbeitsverhältnisse an.

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01. Mai 2016, 14:24 Uhr

„Stormarn ist der reichste Kreis im Land mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit“, sagt Uwe Polkaehn. Der Vorsitzende des DGB Nord gießt aber gleich einen Wermutstropfen nach: „Fast 40 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten zu prekären Bedingungen in atypischer Beschäftigung!“ Er spricht auf der zentralen Mai-Kundgebung der Stormarner Gewerkschaften in Bargteheide.

„Zeit für mehr Solidarität“ lautet das Motto, Darauf nimmt er Bezug und fordert dazu auf, in die Gewerkschaften einzutreten. Viele Tausende hätten das seit dem vergangenen Jahr bereits getan. „Der Mindestlohn ist ein Erfolgsmodell“, ist Polkaehn überzeugt, „das zeigen alle Zahlen.“ Denn auch die Arbeitslosigkeit sei zurückgegangen. Das sei ein Erfolg der Gewerkschaften und die größte sozialpolitische Leistung der vergangenen Jahrzehnte.

Auch auf Landesebene sei ein trauriger „Erfolg“ zu beklagen: „Hier gibt es die meisten Teilzeitstellen, Mini-Jobs und Leiharbeit.“ 43 Prozent der Beschäftigten seien betroffen, zwei Drittel der Mini-Jobber seien Frauen. „Nach 45 Beitragsjahren haben sie dann Anspruch auf 150 Euro Rente im Monat“, klagt Polkaehn

Nur ein Prozent der Deutschen besäßen die Hälfte des Nettovermögens. „Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit“, so Polkaehn. Und es sei ein Grund für den Aufstieg der AfD: „Die Menschen folgen diesen Rattenfängern, weil sie für sich keine Perspektive sehen.“ Doch die Angstmacher und Aufhetzer stellten nicht die Mehrheit im Land. „Wir sagen nein zu alten Nazis und neuen Rechtspopulisten.“

Bargteheides Bürgervorsteherin Cornelia Harmuth hebt das Engagement für die Flüchtlingshilfe hervor: „Über 300 ehrenamtliche Helfer unterstützen hier das Hauptamt.“ Das habe Vorzeigecharakter. Die Stadt bemühe sich, eine zentrale Forderung der Gewerkschaften zu erfüllen, nämlich die nach bezahlbarem Wohnraum: „Ein Projekt ist in wenigen Wochen fertig, die Weichen für ein weiteres werden jetzt gestellt.“

Der DGB sei zwar überparteilich, sagt dessen Stormarner Vorsitzender Heiko Winckel-Rienhoff. Dennoch fordere er, nicht an die populistischen Parolen von AfD und Pegida zu glauben, die nur Hass verbreiteten.

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