zur Navigation springen

Bad Oldesloe : Nähwettbewerb – Tageblatt-Mode auf der großen Stadtfestbühne

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Stormarner Tageblatt und de Markt rufen zum Zeitungs-Schneidern mit anschließender Modenschau auf. Die Werke werden beim Stadtfest vorgeführt.

Die Nähmaschine schnurrt vor sich hin. Mit geschickten Fingern näht Astrid Janßen-Schadwill das Material zusammen. Mit dem Fuß steuert sie die Geschwindigkeit. Ein paar Stiche noch, dann ist sie fertig: Ein kleines Bolero-Jäckchen aus Zeitungspapier. Das Stormarner Tageblatt zu einer Weste verarbeitet. Shakespeare auf dem Rücken, der Karpfenteich auf der Vorderseite – das kann sich sehen lassen.

Am letzten Maiwochenende wird in Oldesloe Stadtfest gefeiert. Dafür rufen Tageblatt und Markt zum großen Nähwettbewerb auf: Schneidern mit Tageblättern. Bei einer Modenschau auf der Marktbühne werden die Zeitungs-Werke dann vor großem Publikum am Sonnabend präsentiert. Auf die Gewinner warten attraktive Preise. Also nichts wie ran an die Nähmaschinen. Kleidung aus Zeitungspapier – geht das überhaupt? „Das geht super!“, bestätigt Astrid Janßen-Schadwill. Die Oldesloerin ist gelernte Direktrice, hat jahrelang in der Mode-Industrie gearbeitet, war in der Erwachsenenbildung tätig, hilft heute als Se-


nior-Expertin in ausländischen Betrieben und schreibt Fachbücher über das Nähen. Wenn jemand weiß, wie es geht, dann sie. Vor ihr ist kein Material sicher. Sie zaubert nicht nur aus alten Oberhemden Schürzen oder Klammerbeutel. Sie recycelt unter ihrer Nähmaschine auch leere Kaffeepackungen oder Einkaufstüten. Mit gekonnten Schnitten und Stichen haucht sie ihnen neues Leben als Etuis oder Schlamper ein.

Vlieseline lautet das Zauberwort, um aus einem Stormarner Tageblatt im Handumdrehen einen Stoff zu machen, der sich wunderbar verarbeiten lässt. „Ohne hätte ich das gar nicht angefasst“, verrät die Schneiderin: „Ich habe mit verschiedenen Stärken rumexperimentiert – die Zeitung wird tatsächlich fest und reißt nicht mehr.“ Beste Voraussetzungen, um sie weiter zu verarbeiten.

Vlieseline ist ein zarter Stoff. Die Klebeseite wird einfach nur auf die Zeitungsseite aufgebügelt. Genau acht Sekunden muss das heiße Eisen aufgedrückt werden. Und nächste Stelle, wieder acht Sekunden ... Vlieseline gibt es in weiß und schwarz. Für die Verarbeitung macht das keinen Unterschied, das weiße Material lässt den Zeitungsdruck durchschimmern, das schwarze nicht. Eine Bahn ist genau so breit wie eine Doppelseite des Tageblatts.
„So bekommt man laufende Meter Zeitungsstoff“, er-



klärt die Fachfrau. Sie gibt noch einen Tipp. An der Stelle, wo zwei Zeitungsbahnen auf der Vlieseline aneinander stoßen, knickt das Material leicht. „Das hat mich gestört“, so Astrid Janßen-Schadwill. Die Lösung für dieses Problem: Mit einer Zickzack-Naht darüber nähen und schon bleibt das Material stabil. Ohne viel Aufwand lässt sich so auch ein fast bodenlanger Kimono schneidern. „Mann muss es behandeln wie Stoff“, sagt




die Schneiderin. Allerdings räumt sie ein, dass es etwas „brettig“ ist und deshalb nicht so schön locker um die Maschine fällt. Für das „Verstauen“ der Stoffbahnen ist etwas Geschicklichkeit erforderlich. Möglichst kurze Nähte vereinfachen das Arbeiten. Säume müssen nicht genäht werden, die lassen sich auch hervorragend kleben. Allerdings nicht mit irgendeinem Kleister. „Uhu wird steif, das ist natürlich nicht gut“, hat sie herausgefunden. Stattdessen empfiehlt sie speziellen Stoffkleber, der seine Geschmeidigkeit behält.

Astrid Janßen-Schadwill kommt aus dem Handwerk. „Es muss sitzen, die Nähte müssen gerade sein und es sollte chic aussehen“, gibt sie als Devise aus. Deshalb hat sie bei ihren Test-Kleidungsstücken auf Abnäher verzichtet. „Das bildet Tüten und sieht albern aus“, findet sie. Dafür erntet sie Widerspruch von ihrer Freundin Megi Balzer, die als Modell die Zeitungskleider vorführen musste. „Dann wird es eben ein Lady-Gaga-Kleid“, findet die Reinfelder Künstlerin. Sie entwickelt spontan Ideen wie mit Pappmaché, Materialmix und Applikationen eine ganz andere Art von Kleidungsstücken entstehen könnte. Der Fantasie sind für den Auftritt bei der Tageblatt-Modenschau keine Grenzen gesetzt. Zwei-, Drei- oder Vierlochmodel, modische Clutch, fesches Hütchen oder eleganter Binder – alles ist zulässig. Handwerkliche Vorgaben gibt es keine. Hobbyschneiderin, Teilnehmer eines Kurses an der Familienbildungsstätte, Künstler oder Kindergartengruppe – wer Lust und Ideen hat, ist aufgerufen mitzumachen.

Für den Wettbewerb stellt die Firma Freudenberg Vlieseline zur Verfügung. Interessenten können sich in der Redaktion (04531/1631651 oder ol@shz.de) melden und sich ein Stück sichern (so lange der Vorrat reicht). Wer zum Schneidern Tageblätter benötigt, kann diese ebenfalls zur Verfügung gestellt bekommen.

Astrid Janßen-Schadwill ist Autorin des Buchs „Mode schneidern für absolute Anfänger“ im Frech-Verlag, 128 Seiten für 22 Euro

zur Startseite

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 29.Apr.2016 | 17:40 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen