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Bad Oldesloe macht Theater : Nähen zwischen Tüten und Töpfen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für seinen großen Kostüm- und Requisitenfundus sucht der Verein Badomat innenstadtnahe und kostenlose Räume

„Eigentlich ist das ja hier ein Vollzeitjob, aber es macht mir einfach sehr viel Spaß. Ich sitze hier täglich bis zu zehn Stunden an der Nähmaschine. Und wenn es mal sehr spät wird, dann ruft mein Mann an und sagt mir, dass er schon mal ins Bett geht“, erzählt Roswitha Sack.

Die Oldesloerin ist seit acht Jahren Mitglied beim Verein Badomat (Bad Oldesloe macht Theater), wo sie mit viel Begeisterung Kostüme schneidert. Das habe sie sich selbst beigebracht, betont die gelernte Bürokauffrau, die als Autodidaktin auch nicht vor einem aufwendigen Biedermeierkleid zurückschreckt. Dafür brauche sie dann auch schon mal bis zu drei Wochen, gesteht die 64-Jährige, deren Arbeitsplatz seit Anfang des Jahres nicht nur sehr beengt, sondern obendrein auch noch ziemlich kalt und staubig ist.

Zwei kleine Räume im ersten Stock eines Altbauhauses am Marktplatz kann der Verein zurzeit provisorisch nutzen. Hier lagern derzeit rund 200 Kostüme, darunter 12 Brautkleider und 15 Smokings. Es stapeln sich Stoffe in Schubladen, Garnrollen in Tüten und allerhand Requisiten – vom Zylinderhut über Bierkrüge bis zu alten Schultornistern und Kochtöpfen.

Zehn Jahre lang konnte der Theaterverein zwei große Räume im ersten Stock im Friseursalon Führmann belegen, doch nachdem Annette Führmann kürzlich in kleinere Geschäftsräume gleich nebenan umzog, musste Badomat sein Kostümlager räumen und kam nun kurzfristig und nur bis Mitte des Jahres in den beiden staubigen Zimmerchen am Marktplatz unter. Das große Haus gehört dem Bargteheider Klaus Dohrendorf, der es seit vielen Jahren selbst renoviert. „Deshalb müssen wir hier bis spätestens Ende Juni wieder raus“, bedauert Ilona Rehme, die nun auf der Suche nach einem neuen Domizil für die vielen Kostüme und Requisiten ist. Die Räume sollten etwa 50 Quadratmeter groß, zentrumsnah, gut erreichbar und natürlich kostenlos sein, denn der Verein kann keine Miete dafür bezahlen. „Der Besitzer müsste also ein Theaterfan sein“, sagt Ilona Rehme, die sich über jedes Angebot sehr freuen würde.

Zunächst aber stehen jetzt natürlich die intensiven Proben auf dem Programm, denn in drei Monaten wird das Stück „1848 – Freiheit für Oldesloe“ seine Premiere feiern, und bis dahin gibt es für das Ensemble und die Crew noch mehr als genug zu tun. 13 Kostüme für die Hauptdarsteller müssen geschneidert und die Soldaten mit Uniformen eingekleidet werden. Jede Menge Schnittmuster sollen die Arbeit unterstützen, ebenso wie die fünf bis sechs fleißigen Helferinnen des Schneiderteams, in dem noch ein Herrenschneider fehlt. Ein Problem ist dabei der eklatante Platzmangel, denn mehr als zwei Leute können in dem kleinen Raum nicht gleichzeitig sitzen und arbeiten. „Ich habe keinen Zuschneidetisch, das ist hier alles etwas schwierig, denn die Kostüme sind sehr opulent und ausladend“, betont Roswitha Sack, die sich aber durch die räumliche Enge nicht entmutigen lässt. Eine besondere Herausforderung ist das Zuschneiden und Nähen des Kostüms für Gerd-Günter Finck, der einen Quacksalber und Betrüger spielt und in einem grellvioletten Anzug auftritt. „Das tut richtig weh in den Augen“, lacht die fleißige Schneiderin. Manche Schnittanleitungen müsse sie allerdings zehnmal lesen, bevor es endlich klappt. „Das Nähen ist mein Ding“, sagt Roswitha Sack und lässt ihre 50 Jahre alte Nähmaschine rattern.

Wer dem Verein Badomat geeignete Räumlichkeiten als Lager für Kostüme und Requisiten anbieten möchte, melde sich bitte bei Ilona Rehme, Tel. 04534/210501.



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erstellt am 05.Feb.2015 | 09:40 Uhr

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