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Zoff um Neubau : Nachbarn sind für ein Hochhaus

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Niedrigerer und längerer Neubau am Stoltenrieden würde Nachbarwohnungen verschatten und die Aussicht zerstören.

Was ist denn da los: Menschen sprechen sich allen Ernstes noch für Hochhäuser aus, sind bereit, dafür auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren? Es geht um den Stoltenrieden, konkret das Gebäude mit der Hausnummer 14 - 16, „Arista Wohnpark“ steht über den Briefkästen. Der achtstöckige gelbe Klotz steht seit Jahren leer, gammelt vor sich hin. Investor Amir Djabbari hatte das Objekt 2011 in einer Zwangsversteigerung für 475 000 Euro erstanden. Die anderen drei Blöcke gleicher Bauart sind saniert und bewohnt, haben aber andere Eigentümer.

Der Investor plant den Abriss. Stattdessen soll ein Neubau entstehen – mit nur fünf Etagen plus einem Staffelgeschoss. Zusätzlich soll aber nach hinten noch ein zweiter Komplex mit drei Etagen plus Staffelgeschoss entstehen. Und genau dagegen regt sich Widerstand der Nachbarn mit der Hausnummer 18. Die Bewohner im vorderen Bereich würden statt ins Grüne zukünftig gegen eine Hauswand gucken, ihre Wohnungen lägen im Schatten. Deswegen sprechen sie sich für das Hochhaus aus. „Als unser Haus 1994 hier gebaut wurde, da stand das Hochhaus schon. Also können wir uns nicht beklagen, wenn da etwas mit gleichen Ausmaßen hinkommt“, erklärt Manfred Lieder vom Verwaltungsbeirat. „Wir sind die Kellerasseln“, ruft eine Frau von ihrer Terrasse, die zukünftig ums Sonnenlicht fürchtet.

Vermutlich ist es um den Altbau nicht sonderlich schade, wenn auch die Substanz im Kern mal gut gewesen sein soll. „Das sind schöne Wohnungen“, erzählt Manfred Lieder: „Da ist mit wenig Quadratmetern was geschafft worden.“

Doch das ist lange her. Bei dem nördlichen Block wurde nur mit der Sanierung begonnen. Von außen belegen das halbfertige Balkone ohne Brüstung. Beiratskollege Gerd Manzel weiß zu berichten, dass das Gebäude „bewusst baufällig gemacht“ worden sein soll. „Es heißt, es seien zu viele tragende Wände weggerissen worden“, sagt er: „Aber die könnte man ja wieder aufbauen.“ Die Zufahrt zur Tiefgarage ist durch ein Gitter versperrt. „Die ist total rott“, so Manzel. Deswegen gibt es in der Nachbarschaft auch ein grundsätzliches Verständnis für Abriss und Neubau.

„Die Bewohner von Hausnummer 18 werden regelrecht zugemauert“, kritisiert Manfred Lieder den Vorschlag, der Montagabend ab 19 Uhr im Bauausschuss zur Debatte steht. „Da geht die Sonne komplett weg“, ist er überzeugt.

Die Mehrfamilienhaus-Reihen bestehen aus Eigentumswohnungen. Etwa zur Hälfte sind sie vermietet. Beiratsmitglied Renate Iwan befürchtet, dass die Besitzer einen Wertverlust für ihre Objekte hinnehmen müssen, wenn die Neubaupläne wie vorgeschlagen umgesetzt werden sollten. Manfred Lieder: „Mir tun die Mieter natürlich genau so leid, aber die könnten wegziehen.“

Für die Anlieger im Stoltenrieden ist besonders ärgerlich, dass in ihrer Nachbarschaft kurzerhand der Bebauungsplan zugunsten eines Investors geändert werden soll. Manfred Lieder: „Da hat doch keiner mit gerechnet, dass ihm mal eine Hauswand vor die Nase gesetzt wird.“ Laut Sitzungsvorlage der Verwaltung ist mit der B-Plan-Änderung „eine städtebauliche Verdichtung im Plangebiet“ angestrebt. „Die Argumentation der Stadt überzeugt nicht“, meint Manfred Lieder. Eine Verdichtung könne auch erreicht werden, wenn das Haus auf der jetzigen Grundfläche neu errichtet wird.

Gerüchteweise verlautete, dass der Investor damit gedroht habe, bei einer Ablehnung seiner Pläne in dem Gebäude Aylbewerber unterzubringen.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 08.Feb.2014 | 08:00 Uhr

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