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Urteil : Nach Schlägen endet Beziehung mit Knast

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Amtsgericht verurteilt Ex-Freund zu Haft- und Geldstrafe. Die Mutter und ihr Lebensgefährte müssen außerdem Geldstrafe wegen unterlassener Hilfeleistung zahlen.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2013 | 18:00 Uhr

Es war nicht schön, was sich am 29. Mai vergangenen Jahres in Ahrensburg abspielte. Nach der Trennung von ihrem Freund wollte Marie C. (Namen geändert) noch ihre Habe bei Ex-Freund Kevin D. in der Lübecker Straße abholen. Doch dabei entspann sich eine wüste Rangelei. Am Ende musste die Polizei die 20-Jährige aus der Gewalt ihres Verflossenen befreien. Über das Geschehen verhandelte jetzt das Ahrensburger Amtsgericht.

Kevin D.s Mutter und ihr Lebensgefährte reagierten nicht auf die Hilferufe der Frau. Erst ein Nachbar alarmierte die Beamten. „Die junge Frau war sehr aufgelöst und stark verletzt“, sagte eine Polizistin aus, „er wirkte gefasst“. Die Frau habe Schwellungen im Gesicht gehabt. „Ich wurde gewürgt, getreten und er verpasste mir einen Faustschlag ins Gesicht“, so Marie C. im Zeugenstand.

Ganz anders sah es der 24-jährige Angeklagte. „Sie hat angefangen zu rangeln und wurde handgreiflich.“ Das sei häufiger geschehen. An diesem Abend habe sich Marie D. auf ihn gesetzt, ihn gewürgt und ihr Knie in seine Weichteile gerammt. Er habe sich lediglich gegen ihre Angriffe gewehrt. Beim Gerangel sei sie dann mit dem Rücken auf seinen Glastisch gefallen.

Er war eifersüchtig, und musste an diesem Tag lange auf sie warten. Der Streit entbrannte zunächst um ihr Handy, das Kevin D. an sich nahm, um ihre Nachrichten las. Dann nahm er ihren Autoschlüssel. „Ich wollte meine Endstufe aus ihrem Auto ausbauen.“

Sie habe keine Hilferufe gehört, sondern lediglich ein Poltern, verteidigte sich seine Mutter. Es habe in der Doppelhaushälfte häufig lautstarke Streitereien gegeben, sagte der Nachbar aus: „Als es diesmal immer heftiger wurde, habe ich die Polizei angerufen.“

Es war von Anfang an eine konfliktreiche Beziehung, mehrfach trennte sich das Paar. Ihre wohlhabende Familie sah den Freund der Tochter nicht gern. „Er hatte bei uns Hausverbot“, so Marie C. Ihr Ex habe versucht, einen Keil in ihre Familie zu treiben. „Er hat fast täglich Drogen konsumiert und mein Auto kaputt gefahren.“ Sie habe lange versucht, diesen Spagat auszuhalten.

Die Mutter des Angeklagten wies ironisch auf die soziale Dimension des Konflikts hin: „Hier die superreiche Familie, auf der anderen Seite wir als Asoziale.“ Marie C. habe bei ihr Schutz gesucht, weil sie zuhause geschlagen worden sei.

Verteidigerin Sophia Lamp kritisierte: „Auch der Angeklagte hatte blaue Flecke und wochenlang Schmerzen im Intimbereich.“ Er sei aber nicht zum Arzt gegangen, um das zu dokumentieren. Marie C. sei nicht automatisch deshalb Opfer, weil sie eine Frau sei. Der Angeklagte stehe allein da, gegen ihn sprächen nur Indizien. Sie forderte Freispruch, die Staatsanwältin sechs Monate Haft zur Bewährung.

Das Strafregister von Kevin D. weist fünf Verurteilungen auf. Viermal wurde er ohne Führerschein am Lenkrad erwischt. Das Langgericht Lübeck verurteilte ihn zudem wegen Handels mit Betäubungsmitteln zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung sowie 160 Tagessätzen.

Das Gericht bezog dieses Urteil ein, das nach der in Ahrensburg verhandelten Tat gefällt wurde. „Ein Jahr und fünf Monate verhängte der Richter schließlich, dazu eine Geldstrafe. Marie C.s Aussage und ihr Verhalten seien glaubwürdig.

Die Mutter und ihr Lebensgefährte wurden wegen unterlassener Hilfeleistung zu Geldstrafen veruteilt.

 

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