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Familienkonflikt vor Gericht : Nach Erbstreit Hartz IV

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Diebstahl, Sachbeschädigung Beleidigung - 38-jährige Trittauerin zu Geldstrafe verurteilt. Von den Vorwürfen blieb am Ende nicht viel.

13 Straftaten wurden der Angeklagten vorgeworfen, am Ende blieben nur zwei übrig. Dafür verurteilte das Amtsgericht Ahrensburg die 38-jährige Trittauerin zu 15 Tagessätzen Geldstrafe. Da sie fast mittellos ist, wurde der Tagessatz auf 8 Euro festgelegt. Auch den muss sie nicht bezahlen, wenn sie sich 18 Monate straffrei verhält. Hintergrund ist ein „Deal“ zwischen allen am Verfahren Beteiligten, den die Strafprozessordnung neuerdings möglich macht.

Betrug, Beleidigung und Urkundenfälschung wurden der Angeklagten Susanne G. (Name geändert) vorgeworfen. Es geht dabei um einen Erbstreit, der seit vier Jahren schwelt. Sie lebte mit ihren Großeltern in einem Doppelhaus, „meine Familie oben, die anderen unten.“ Die Wohnungen waren räumlich nicht getrennt. Schließlich musste sie das Haus nach einer Räumungsklage verlassen. Geklagt hatte ihre Tante, die schließlich auch als Alleinerbin eingesetzt wurde.

Zunächst war Sabine G.s verstorbener Vater und damit letztlich sie selbst als Alleinerbin von Haus und Vermögen im Testament vorgesehen. Doch das alte Testament wurde nach dem Tod ihrer Großmutter 2009 handschriftlich geändert, was Richter Dr. Barbiz und Staatsanwalt verwunderte. „Sie wurde praktisch enterbt“, stellte der Richter fest.

„Vorher war alles harmonisch, aber zwei Wochen nach dem Tod meiner Oma kam die erste Anzeige gegen mich“, so Susanne G. Dann habe sich auch ihr Verhältnis zum Großvater verschlechtert. Der Familienkonflikt schwelte weiter. So wurde eifrig Belastungsmaterial gegen Susanne G. gesammelt.

Sie habe ihren Großvater bestohlen, Banküberweisungen gefälscht und sein Konto so um insgesamt 1100 Euro erleichtert. Ein Großteil der Summe erstattete die Bank später. Außerdem habe sie auch ihrer Tante Geld aus dem Portmonee gestohlen und Stromkabel zum Kühlschrank zerschnitten, nachdem dort ein Schloss angebracht wurde. Zudem soll sie ihre Tante und deren Sohn beleidigt haben – per SMS als „dusselige alte Schrumpfkuh“.

Im Gegenzug sagte die Angeklagte aus, auch ihr seien Dinge abhanden gekommen, das Zimmer ihrer Tochter sei durchwühlt worden. So wurde die gespannte Atmosphäre in dieser Familie nachvollziehbar. Mai 2011 musste Sabine G. zwangsweise die Wohnung räumen. „Danach war Ruhe“, stellte ihre Tante als Zeugin fest.

Da das Meiste nur vom Hörensagen oder durch Vermutungen bekannt war, sieht das Amtsgericht die Vorwürfe als nicht nachweisbar an. Es blieb schließlich eine Beleidigung des gegnerischen Anwalts im Erbstreit und eine unbezahlte Tankstellenrechnung. Das hatte die Angeklagte gestanden, und dafür erhielt sie die Geldstrafe unter Vorbehalt. „Es besteht kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung“, zog der Richter Bilanz und verwies auf eine Privatklage. Das Gericht mache sich die Absprache der beteiligten Anwältin und des Staatsanwalts zu eigen. „Solche Deals werden eigentlich nur in großen Verfahren gemacht, etwa bei Wirtschaftsstrafsachen“, so der Richter. Weitere Straftaten seien von der Angeklagten nicht zu erwarten.

Sabine G. lebt heute vom Kindergeld und trägt Zeitungen aus, sie hat Leistungen nach Hartz IV beantragt. „Allein durch ihre Enterbung ist sie schon ziemlich bestraft“, sagte der Richter, „ich hoffe, dieser Erbstreit wird irgendwann zu Ende gehen.“





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erstellt am 29.Aug.2013 | 12:15 Uhr

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