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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 23:09 Uhr

Siek : Nabel der Spirituosen-Welt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Von Hamburg nach Stormarn: Der Familienbetrieb Lühmann hat viele edle Tropfen und Raritäten zu bieten.

von
erstellt am 07.Aug.2015 | 18:23 Uhr

Das Geschäft heißt „Weinquelle“, und Reben zieren das Firmenlogo. Mehr als 700 Weine sind im Angebot, aber der gegorene Traubenmost ist schon lange nicht mehr das Hauptprodukt. Spirituosen, vor allem Whisky und Rum, machen den Großteil der 5500 Produkte aus, den der Familienbetrieb Lühmann verkauft. Via Internet, aber auch im alteingesessenen Hamburger Geschäft am U-Bahnhof Wartenau.

1919 hatte Helmut Lühmann die Weinwelt gegründet, seit Januar ist Siek der Hauptsitz. „Wir sind am alten Standort aus allen Nähten geplatzt. Wenn die Ware mit Lkw geliefert wurde, war der halbe Stadtteil gesperrt“, so Uwe Lühmann. Fünf Jahre bemühte sich die Firma um eine Erweiterung, „aber Hamburg konnte sich nicht entscheiden, und wir haben 80  000 Euro versenkt. Jetzt wird dort eine Asylunterkunft gebaut. Das ging ganz schnell.“

In Stormarn war die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft zuvorkommender. „Das haben wir mit der WAS innerhalb einer halben Stunden geregelt, und am nächsten Tag hatten wir die Papiere auf dem Tisch“, sagt Uwe Lühmann, der auch die „unbürokratische Amtsverwaltung in Siek“ lobt. Dass sein Sohn Jens in Hoisdorf gebaut hat, war das Tüpfelchen auf dem Umzugs-i. Der hatte eigentlich Banker werden wollen und sich auch auch kunsthandwerklich versucht, „aber dann habe ich hier mitgeholfen und wurde wieder vom Virus gepackt“, so der 32-Jährige.

Er ist jetzt Mitgeschäftsführer und beileibe nicht das einzige Familienmitglied, das im Betrieb mitarbeitet. Seine ein Jahr jüngere Schwester leitet das Geschäft in Hamburg. Die gelernte Gärtnermeisterin hatte zuvor mehrere Jahre in einem Gartenbetrieb in Bad Oldesloe gearbeitet. Und natürlich ist seit Jahrzehnten auch Sabine Lühmann, die Ehefrau von Uwe Lühmann, dabei.

Hinzu kommen 18 Mitarbeiter in Siek und Hamburg, wo weiterhin 40 Prozent der Ware lagert, um den Kunden möglichst alle Produkte sofort anbieten zu können. „Alle, die packen, sind auch Bediener und können zu jedem Produkt etwas sagen“, sind die Geschäftsführer stolz auf ihre Belegschaft.

Sachkunde und Beratung sind schließlich ein wesentliches Element der Weinquelle, bei der die Flasche Hochprozentiges durchaus zwischen 1000 und 2000 Euro kosten darf. Der teuerste Single Malt ist ein Glen Rothes. 5000 Euro kostet die Flasche. „Es wurde davon auch nur ein Fass hergestellt, aus dem 179 Flaschen abgefüllt wurden“, sagt Sabine Lühmann.

Unverkäuflich ist ein Black Bowmore von 1964, gereift im Sherryfass, den sich Uwe Lühmann für ein besonderes Ereignis aufhebt. Die Flasche 575 von 827 war die letzte, die noch in Deutschland erhältlich war. Uwe Lühmann hatte den Whisky auf einer Messe gekostet und sofort gekauft, „schon damals für weit über 1000 Euro“.

Bei so edlen Tropfen gibt es nur in seltenen Ausnahmefällen die Möglichkeit, sie vorab zu probieren, generell gilt aber: „Bei uns kommt kein Artikel ins Sortiment, den wir nicht probiert haben.“ Das wissen die Kunden zu schätzen, die „zu über 95 Prozent Stammkunden sind.“ Im Netz verkauft das Unternehmen bereits seit 1998, und „das Internet beflügelt das Ladengeschäft“, sagt Lühmann. Das merkt er auch daran, dass Chinesen, die in Hamburg sind, oft gezielt die Weinwelt ansteuern, um sich mit besonderen Spirituosen einzudecken. Auch aus Skandinavien kommen viele Kunden. „Die finden es jetzt besser, dass sie die Ware in Siek abholen können und nicht in die Stadt müssen.“

Genießer und Sammler sind die wichtigsten Kunden. 80 Prozent Weine und Spirituosen gehen an Endverbraucher. Zwar sind auch bekannte Marken im Angebot, aber auch da nur das Besondere wie die Magnum-Flasche, die im Handel nicht zu bekommen ist.

Wieviel Umsatz die Firma macht, wird nicht verraten, man kann es sich jedenfalls leisten, auch Geschäfte auszuschlagen. „Einige bekannte Bars in Hamburg beliefern wir gar nicht mehr, weil sie sich sechs Wochen Zeit mit dem Bezahlen lassen.“

Lühman hat sich den guten Ruf über Jahrzehnte erarbeitet und gehört zu den deutschen Top-Ten-Händlern, die von den Premium-Herstellern mit Ware beliefert werden, die andere überhaupt nicht bekommen. „Manches kann man nur einmal kaufen und dann nie wieder“, sagt der 58-Jährige, bei dem man Jahrgangs-Armagnacs aus jedem Jahrgang der letzten 100 Jahre ebenso bekommen kann wie Whiskys aus Japan. Im Trend ist Gin. „Da gibt es gerade den großen Hype. In den 1990er Jahren war es der Wodka, jetzt ist es Gin, der aber wesentlich vielseitiger ist“, so Jens Lühmann. Beim Wein sind deutsche Winzer im Trend. Lühmann: „Es gibt Burgunder aus dem Rheingau, die Weltklasse sind, aber nur den Bruchteil eines französischen Burgunders kosten.“

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