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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 06:42 Uhr

Mutter Weihnachtsmann

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine wahre Geschichte aus der Kinderzeit: Es war einmal ... ein kleiner Junge in einem kleinen Dorf ...

Es war einmal ..., ja, so beginnen viele Geschichten – vor allem in der Weihnachtszeit. Diese Geschichte beginnt so – und sie ist wahr.

 Es war einmal ein kleiner Junge in einem kleinen Dorf in der Nähe eines großen Waldes, der freute sich – wie alle Kinder – ganz besonders auf Weihnachten. Nicht nur, weil es dann etwas Neues für die Eisenbahn gab und die alten hauchdünnen Christbaumkugeln und die gläsernen Eiszapfen aus den kleinen papiergestopften Fächern der verstaubten Kartons vom Dachboden geholt und an den Christbaum gehängt wurden. Überall roch es so schön nach Kuchen, Kerzenwachs und Tannenbaum.

 Aber, bei aller Vorfreude hatte der kleine Junge auch Herzklopfen. Nicht nur wegen der selbstgebastelten Geschenke für die Eltern. Nein, diese Herzklopfen wurden ganz besonders stark, wenn es gegen Abend unten an der Haustür pochte und der Vater mit ernstem Gesicht sagte: „Jetzt kommt er zu Dir.“ Der Weihnachtsmann kam!

 Er polterte die Treppe hinauf und musste oben erst einmal verschnaufen. Ganz schüchtern stand der Junge dann immer vor dem Mann im langen roten Mantel und dem langen weißen Bart und der roten Zipfelmütze und wartete mit glänzenden Augen darauf, dass er in den weißen Sack greifen durfte, um ein Spielzeug herauszuholen. Vorher aber musste der Junge ein Gedicht aufsagen. Ein kleines Gedicht genügte schon, denn der Weihnachtsmann hatte es ja eilig – noch viele Kinder





warteten auf seinen Besuch. Das ging ein paar Jahre so. Doch, irgendwann kam der Weihnachtsmann nicht mehr.

  Stattdessen durfte der Junge, der ja inzwischen auch etwas älter geworden war, beim Erklingen der kleinen roten Spieluhr in das Wohnzimmer. Aus den Wachskerzen waren längst elektrische Lichter geworden – aber schön waren sie immer noch, die Weihnachtsabende.

 Alles war irgendwie festlich und geheimnisvoll – doch, es war anders als sonst. „Warum kommt der Weihnachtsmann nicht mehr?“, fragte er. „Weil der Weihnachtsmann auch älter wird und nicht mehr überall hingehen kann“, sagte der Vater





zu ihm – und der Junge glaubte es.

  Manchmal ging der Vater mit dem Jungen am Heiligen ‚Abend, wenn die Dämmerung kam, hinaus auf die Straße. „Vielleicht sehen wir ihn ja“, lockte er den Jungen aus dem Haus. Wenn der Junge dann traurig wieder ins Haus kam, weil er den Weihnachtsmann nicht gesehen hatte, dann lagen die Geschenke unter dem geschmückten Tannenbaum. „Er hat auf Dich gewartet, aber dann musste er weiter“, lächelte die Mutter tröstend.

 Der Junge wurde älter – und natürlich wusste er inzwischen, dass es den Weihnachtsmann nicht wirklich gab. Irgendwann in der Vorweihnachtszeit, der Junge war längst erwachsen und besuchte seine Mutter, kam das Gespräch an einem Winterabend auf die Kindheitserinnerungen vom Heiligen Abend. „Weißt Du eigentlich noch, wie der Weihnachtsmann immer zu Dir kam?“, fragte die Mutter. Er wusste es noch ganz genau.

  „Wer war denn eigentlich der Weihnachtsmann?“, fragte er. Die Augen der Mutter leuchteten, „ich war doch der Weihnachtsmann. Du hast es nie gemerkt,“ sagte die Mutter ein wenig stolz. „Du warst viel zu aufgeregt.“

Da setzte er sich ganz still in eine Ecke des Zimmers und erlebte diese wunderbaren Erinnerungen längst vergangener Jahre in dem alten Haus in dem kleinen Dorf in der Nähe des großen Waldes noch einmal in Gedanken – und sie wurden für ihn zum schönsten Weihnachtsgeschenk der Welt. Diese Geschichte ist wahr – und vielleicht haben andere Kinder, die längst erwachsen sind, ähnliche Erlebnisse. In diesem Sinne: Allen Müttern Weihnachtsmann von einst und jetzt ein frohes Fest.

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