Bad Oldesloe : Müll: Es dauert noch Wochen

Hoffen auf Besserung bei der Müllabfuhr: Olaf Stötefalke (l.) und Dennis Kissel (r.) von der AWSH mit den Landräten Christoph Mager und Henning Görtz.
Hoffen auf Besserung bei der Müllabfuhr: Olaf Stötefalke (l.) und Dennis Kissel (r.) von der AWSH mit den Landräten Christoph Mager und Henning Görtz.

Laster aus Hamburg und Lübeck sollen die Situation wenigstens etwas entschärfen.

shz.de von
15. Juni 2018, 06:00 Uhr

Das Problem der verspäten abgeholten Müll- und Biotonnen wird sich auch in den nächsten Wochen nicht lösen. „Zurzeit müssen unsere Kunden mit mindestens drei Arbeitstagen Verzögerung rechnen“, sagt Dennis Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH). Vor einer Woche hieß es noch, dass 90 Prozent der Tonnen maximal zwei Arbeitstage später abgeholt würden. Über das Wochenende werden daraus bereits vier bis fünf Tage.

„Die Option einer Kündigung wegen schlechter Leistungen liegt lauf dem Tisch“, sagt Kissel. Man habe die Grabau Entsorgung Geesthacht (GEG) bereits mehrfach abgemahnt, aber eine neue Ausschreibung würde anderthalb Jahre dauern, so Kissel, der auf den Kreis Steinburg verweist. Dort herrschte sechs Wochen Chaos bei der Abfuhr, nachdem die abfahrende Firma Insolvenz angemeldet hatte.

Die AWSH, die für den Müll von 420 000 Menschen in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg zuständig ist, setzt bereits eigene Mitarbeiter mit Lkw-Führerschein ein und hat sich jetzt Unterstützung aus den Hansestädten geholt. Sowohl die Stadtreinigung Hamburg als wohl auch der Lübecker Entsorgungsbetrieb, stellen der AWSH ab Montag je drei Fahrzeuge samt Besatzung zu Verfügung.

Zudem habe man drei weitere Fahrzeuge angemietet, was man noch auf vier bis fünf aufstocken wolle, so Kissel. Die Leerungen würden aber wohl etwas langsamer erfolgen, weil es sich bei der Besatzung um Leiharbeiter handele, die sich in der Region nicht so gut auskennen.

Ursachen des eigentlichen Problems seien die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt, die Lohnentwicklung, das Bevölkerungswachstum in den beiden Kreisen und ein ungewöhnlich hoher Krankenstand im Frühjahr bei der GEG. Im leergefegten Arbeitsmarkt würden Lkw-Fahrer mit Wechselprämien abgeworben. Kissel: „Es werden bis zu 1500 Euro für einen Fahrer und den Werber gezahlt.“

„Die Arbeitsbelastung bei der Müllentsorgung ist hoch“, sagt Stormarns Landrat Dr. Henning Görtz. Es sei nicht verwunderlich, dass die Arbeitnehmer sich bequemere Jobs suchten. Berichte über eine zu niedrige Entlohnung seien aber „schlicht falsch“, sagt AWSH-Sprecher Olaf Stötefalke: „Nach Angaben des Entsorgers werden jetzt 2700 Euro brutto an die Fahrer und 2500 Euro für Müllwerker bezahlt.“ Das sei ein Plus von etwa 200 Euro.

Zurzeit seien 19 von 25 Fahrzeugen bei der GEG wieder besetzt, sagt der Lauenburger Landrat Christoph Mager. Er hält eine Verbesserung „in nächster Zeit für erreichbar, auch wenn es immer noch Krankmeldungen gibt.“

Kein Verständnis haben die Verantwortlichen für Wutausbrüche der Kunden am Telefon. „Das demotiviert und belastet unsere Mitarbeiter am Servicetelefon, die nichts dafür können“, sagt Kissel. In den vergangenen Monaten seien es 63 000 Anrufe gewesen, bis zu 1800 am Tag. Für die Mitarbeiter seien drei Anrufe hintereinander ohne Anbrüllerei oder persönliche Beleidigungen mittlerweile schon die Ausnahme. Gipfel sei ein Todeswunsch gewesen. Stötefalke: „Ein Kunde hat mir einen schönen Unfalltod auf dem Heimweg gewünscht.“

Bis die Termine eingehalten werden können, werde es noch einige Wochen dauern, sagt Görtz: „Die Mitarbeiter tun bis an die Grenze ihr Möglichstes, hier dreht keiner Däumchen.“ Es würden auch Sonderschichten gefahren. Der Umweltausschuss des Kreises Stormarn werde sich am Mittwoch zwar mit dem Thema befassen, die Sitzung sei aber nicht öffentlich, sagt Görtz.

Auf der Internetseite www.awsh.de oder www.awsh.de/stoerungsmeldungen/ werden die Kunden über die Termine informiert. Sie wurde dafür umprogrammiert. Auch eine App mit Erinnerungsfunktion kann heruntergeladen werden. „Dann können die Kunden reagieren und die Behälter müssen nicht tagelang am Straßenrand stehen“, sagt Stötefalke. Telefonisch ist die AWSH unter (0800) 2974001 erreichbar.

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