Mr. Stormarn-Kultur sagt Tschüss

<dick>Viel Herzblut hat Johannes Spallek</dick> in seine Arbeit als Kulturreferent beim Kreis Stormarn investiert. Zum Jahresende geht er in den Ruhestand. Am morgigen Freitag wird er in der Trittauer Wassermühle feierlich verabschiedet. Foto: st
Viel Herzblut hat Johannes Spallek in seine Arbeit als Kulturreferent beim Kreis Stormarn investiert. Zum Jahresende geht er in den Ruhestand. Am morgigen Freitag wird er in der Trittauer Wassermühle feierlich verabschiedet. Foto: st

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16. September 2010, 07:35 Uhr

Bad Oldesloe | Na gut, die "Stormarner Hefte" gab es schon, als Johannes Spallek 1980 Kreiskulturreferent in Stormarn wurde. Das war aber auch fast das Einzige, was der 32-Jährige damals vorfand. 30 Jahre später hat Stormarn seine Geschichte so gut aufgearbeitet wie kein anderer Kreis im nördlichsten Bundesland. Aus den Heften sind dicke Bücher geworden, es gibt regelmäßige anspruchsvolle Kunstreihen und mit dem Marstall, der Trittauer Wassermühle oder dem Atelierhaus besondere Räume für Kunst, Kultur und Stipendiaten.

"Arnesvelde, Stegen, Wohldorf" hieß das 7. Stormarner Heft über Burgen, das erste in der Ära Spallek. "Da wurde mir klar, dass uns alles fehlte - von den Namen der Landräte bis zur Infrastruktur." Natürlich gab es auch kein Kreisarchiv, und so begann die Pionierarbeit: Der Einzelkämpfer musste dicke Bretter bohren. "Das ging aber nur, weil von Anfang an bei allen Beteiligten die Gemeinsamkeit in der Zielsetzung vorhanden war", sagt Spallek. Trotzdem sollte es 17 Jahre dauern, bis das Kreisarchiv 1997 in eigene Räume ziehen konnte. Obwohl mit der "kleinsten arbeitsfähigen Einheit" bislang gerade mal fünf Prozent der kommunalen Akten erschlossen sind, "sind wir heute das beste Kreisarchiv im Land".

Etwas schneller ging es in der Bildenden Kunst los. 1981 gab es die erste Ausstellungsreihe mit regionalen Künstlern und Gästen. Ein Prinzip, das bis heute beibehalten und zum Markenzeichen wurde. Der Kunstsommer Stormarn 1992 "war der Knaller und der Auslöser dafür, dass sich die Kulturstiftung der Sparkasse engagierte".

Noch so ein Job von Johannes Spallek, ehrenamtlich und auf Handschlag. Seit der Gründung 1983 ist er der kulturelle Geschäftsführer der Stiftung, die mit 100 000 Euro gestartet ist und heute über ein Kapital von weit über 50 Millionen verfügt. Ohne die Stiftung gäbe es weder den Marstall, noch das Atelierhaus oder die Stipendiaten, denen man seit 1992 Quartier in der Trittauer Wassermühle bietet. Spallek: "Ich kenne bundesweit nichts Vergleichbares."

Zu den ausgewiesenen Kunsträumen gehört auch der 1992 eröffnete Ahrensburger Marstall. 2006 kam die renovierte Reithalle dazu, die mit "Ritter Jonny" von und mit Jonathan Meese eingeweiht wurde. Mit dem "kennfaden kunst" zog die Kulturstiftung im vergangenen Jahr eine Zwischenbilanz zum 25-jährigen Bestehen: Mehr als 150 Künstler wurden seit 1983 gefördert, es gab fast genau so viele Ausstellungen. "Ich habe aufgehört zu zählen", sagt Dr. Spallek.

Die Zahl der Publikationen, an denen er mitgeschrieben und -gewirkt hat, liegt bei über 150. Hinzu kommen rund 50 Ausstellungskataloge, die Stormarner Hefte und die Stormarner Jahrbücher, fast alles mit Unterstützung der Stiftung. "Eine der ersten war die Broschüre zu 25 Jahre-Patenschaft mit dem Kreis Kolberg-Körlin. Das Heft zu 50 Jahren war nun eins meiner letzten", sagt Spallek. Er hat über Wappen, Museen, die Stormarner Kreisbahn, Künstler und Kunst, Mühlen und Schlösser geschrieben. Zu den herausragenden Veröffentlichungen unter seiner Ägide gehören die drei Bände über Stormarns Geschichte von Preußen bis in die 1980er Jahre von Dr. Hans-Jürgen Perrey und Prof. Dr. Norbert Fischer, sowie das Stormarn-Lexikon.

"Ich wollte Trittauer zum Sprechen bringen", sagt Spallek, der 1948 als Flüchtlingskind in Reinfeld geboren wurde und in Glinde aufwuchs. Sein Abitur machte er auf einem Dominikaner-Internat in Vechta mit Latein als erster und Alt-Griechisch als vierter Fremdsprache. Für das Kunstgeschichte-Studium kam er aber wieder nach Hamburg zurück und fing nach der Dissertation 1978 gleich in Glinde an, wo die 750-Jahr-Feier organisiert werden musste. "Da habe ich die kommunale Kulturarbeit kennen gelernt, was von Vorteil bei meiner Bewerbung als Kreiskulturreferent war."

Ende des Jahres geht Dr.Johannes Spallek in den Ruhestand, am Freitag wird er in der Trittauer Wassermühle feierlich verabschiedet. Nach einem Unfall 2003 hatten ihm Ärzte wegen der Folgeschäden nahe gelegt, mit der Arbeit aufzuhören, "aber ich wollte die 30 Jahre unbedingt voll machen", sagt der noch 61-Jährige. "Ich habe immer für zwei gearbeitet, jeden Tag und am Wochenende. Jetzt freue ich mich auf meine freie Zeit danach." Wobei der Übergang fließend sein wird. Die von ihm mit Joachim Wergin 1983 gegründeten Stormarner Jahrbücher hat er bereits an Oliver Mesch und Burkhard von Hennigs abgegeben. Als kultureller Geschäftsführer der Stiftung und als Redaktionsleiter der Stormarner Hefte bleibt Spallek weiter tätig - vorerst: "Mit ist nur wichtig, dass die Arbeit auch in Zukunft gesichert ist."

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