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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 16:24 Uhr

Mosaik: Gedanken aus aller Welt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Mosaik-Künstlerin Siobhan Tarr arbeitet mit Frauen aus 35 Ländern an einem außergewöhnlichen Projekt

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 09:32 Uhr

Dieses Projekt ist einmalig in Stormarn, vielleicht sogar weltweit: Mehr als 40 Frauen aus 35 Ländern arbeiten gemeinsam an drei außergewöhnlichen Mosaik-Kunstwerken. Die Initiatorin und Leiterin des Projekts, die renommierte Mosaik-Künstlerin
Siobhan Tarr (Foto) aus Seefeld, ist gebürtige Engländerin und ihre Projektteilnehmerinnen kommen aus fünf Erdteilen, nur eine Australierin fehlt noch. Das Konzept für ihr „Project: in-case“ hat Siobhan Tarr Anfang des Jahres selbst entworfen, anschließend suchte sie einen Projektträger, den sie in der Migrationssozialarbeit des Diakonischen Werkes fand.

Hier wurde sie auch auf der Suche nach Frauen fündig, die ihre Heimatländer aus unterschiedlichen Gründen verlassen haben, sei es Flucht vor Krieg und Vertreibung oder wegen Familiennachzug und Arbeitssuche. „Ich wollte Frauen aus möglichst vielen verschiedenen Ländern, die in Bad Oldesloe und Umgebung eine neue Heimat gefunden haben“, erzählt Siobhan Tarr, die viel in der Welt herum gekommen ist, und seit mehr als 20 Jahren mit ihrer Familie in Seefeld lebt.

Auch sprach sie Frauen einfach in der Fußgängerzone an und fragte in ihrem Bekannten- und Freundeskreis herum. Schließlich kamen d 45 Frauen zusammen, die sich zunächst in Gesprächsrunden miteinander bekannt machten, bevor es an die gemeinsame praktische Umsetzung des Werkes ging. Drei lebensgroße Frauenfiguren, die aus Hartschaumbauplatten gesägt wurden, sollen mit kleinen Mosaiksteinchen und größeren Fliesen gestaltet werden, und jede thematisiert ein bestimmtes Motto. So weit das Konzept, das jetzt von den Frauen in kleinen Gruppen zweimal in der Woche nach und nach umgesetzt wird. Längst nicht alle haben immer Zeit, so dass eigentlich nie mehr als zehn in den Werkraum kommen, den die VHS für die Arbeit zur Verfügung gestellt hat. Zweiter Schritt war die Suche nach Sponsoren. Die Stadt erklärte sich bereit, rund 1000 Euro der Materialkosten zu übernehmen, denn schließlich sollen die fertigen Kunstwerke das Foyer der VHS und später dann des neuen Kultur- und Bildungszentrums (KuB) schmücken. Das Spendenparlament steuerte 300 Euro für die Erstellung einer Informationsbroschüre bei, in der später Fotos und kleine Geschichten der Frauen veröffentlicht werden sollen.

Herzstücke der Mosaike sind persönliche Gegenstände, die die Frauen mit ihrer alten Heimat verbinden.
Siobhan Tarr hat diese Objekte zunächst fotografiert, die Fotos mit einem Laserdrucker ausgedruckt und zu Hause mit Hilfe einer Spezialtechnik in einem Brennofen in die Glasur von Keramik-Fliesen gebrannt. Diese „biographischen“ Fliesen sollen nach und nach in die Mosaike eingefügt werden.

Elena Haupt, die vor 17 Jahren aus Kasachstan nach Bad Oldesloe zog, hat für ihre Fliese eine alte Porzellanpuppe in russischer Tracht ausgesucht, die aus dem Besitz ihrer verstorbenen Schwiegermutter stammt. „Es ist ein Stück alte Heimat“, sagt Elena, die einen Sprachkurs für Migranten an der VHS besucht. Sie „lieh“ einer der Figuren auch ihr Gesicht in Form eines großen Fliesenfotos, ebenso wie Li aus China und Blessing aus Ghana. „In den Objekten spiegeln sich die sehr persönlichen Geschichten wider, die die Frauen aus der Fremde mitbringen, deshalb sollen sie in das Mosaik integriert werden“, sagt Siobhan Tarr.

Habibeh Karimi floh vor zwei Jahren aus Afghanistan. Auf ihrer persönlichen Fliese ist eine Art Visitenkarte zu sehen, die einen typischen Markt ihres Heimatlandes mit Karren und Verkaufsständen zeigt. Die Frauen verständigen sich hauptsächlich in deutsch und englisch, aber auch russisch, spanisch und französisch sind zu hören. „Das Projekt gibt den Frauen die Gelegenheit sich besser kennenzulernen und mit ihrem Kunstwerk ein breites Publikum zu erreichen. Außerdem bekommen sie eine Möglichkeit zum Austausch mit ihren Mitbürgern“, betont Siobhan Tarr. Jeder könne sich anhand der Mosaike mit den Themen Integration und gesellschaftliches Miteinander von Einheimischen und Zugewanderten auseinandersetzen, so die 49-Jährige.



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