zur Navigation springen

Bargteheide : Tödliche Schüsse auf 28-Jährige: Mordprozess startet neu

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Verfahren beginnt am 2. August vor dem Lübecker Landgericht. Alle Zeugen und Gutachter müssen erneut gehört werden.

shz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Eltern, Angehörige und Freunde der ermordeten Svea T. aus Bargteheide werden auf eine lange Geduldsprobe gestellt. Ein Urteil ist noch lange nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der jungen, beliebten und lebenslustigen Frau wird am Mittwoch, 2. August, am Lübecker Landgericht komplett neu aufgerollt. Alle Zeugen müssen noch einmal gehört, alle Gutachten erneut vorgetragen werden. Mitte Mai wurden die Verhandlungen ausgesetzt. Der Pflichtverteidiger des Angeklagten war krank. Wegen seiner Krankheit wurde die per Strafprozessordnung (StPO) vorgegebene Frist von 21 Tagen überschritten. Erst wenn es bereits mehr als zehn Verhandlungstage gab, kann diese gesetzliche Frist auf einen Monat verlängert werden – auf den Mordprozess gegen Sven S. traf dies jedoch nicht zu.

Die Wiederaufnahme des Mordprozesses ist nicht nur eine Nervenprobe vor allem für die Eltern des Opfers, sondern hat auch einen Beigeschmack. Denn der 36-jährige Angeklagte aus Bargteheide hatte zuvor immer wieder einen anderen Verteidiger gefordert. Seine Anträge wurden jedoch jedes Mal vom Gericht abgelehnt. An einem Verhandlungstag boykottierte er auf der Anklagebank sogar die Gerichtsverhandlung, indem er sich aus Papier gefertigte Stöpsel ins Ohr stopfte, den Kopf zwischen die Knie gebeugt hielt und dem Vorsitzenden Richter Christian Singelmann demonstrativ den Rücken zukehrte. „Ich sitze hier wie ein kleiner Junge. Ich habe keine Verteidigung“, sagte er.

Der ehemalige Bodybuilder und Gerüstbauer bezeichnete seine Tat als „Unfall“. Er habe niemals die Absicht gehabt, seine Ex-Freundin zu töten. Im Gegenteil: Er liebe sie immer noch. Am Tattag habe er vorgehabt, sich das Leben zu nehmen, um Svea T. und alle anderen vor sich zu schützen. Mit der Pistole im Mund habe seine Freundin ihn in seiner Wohnung angetroffen. Es sei zu einem Handgemenge gekommen, bei dem Svea versucht habe, ihm die Waffe abzunehmen. Dabei habe sich ein Schuss gelöst und den Arm des Opfers getroffen. Daraufhin sei er in eine Art Schockzustand geraten und erstarrt, so dass seine Hand verkrampfte und sich zwei weitere Schüsse lösten. Danach habe er einen Filmriss. „Ich hatte niemals vor, sie zu töten. Ich wollte versuchen, andere vor mir zu schützen. Es war eine schreckliche Nacht, in der das in meinem Rausch passiert ist“, schreibt Sven S. in seinem vor Gericht verlesenen Geständnis.

Bestatter holen die Leiche der Ex-Freundin in Bargteheide ab.
Bestatter holen die Leiche der Ex-Freundin in Bargteheide ab. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft sieht dies jedoch anders. Dem mehrfach wegen häuslicher Gewalt und anderer Delikte vorbestraften 35-Jährigen wird vorgeworfen, seine ehemalige Freundin heimtückisch und aus niederen Beweggründen getötet zu haben – beides Merkmale für Mord. Die Tat, die am 12. August vergangenen Jahres in der Wohnung des Angeklagten in einem Mehrfamilienhaus an der Alten Landstraße in Bargteheide geschah, hatte für großes öffentliches Aufsehen und starke Anteilnahme gesorgt. Das Opfer arbeitete im Restaurant des Erdbeerhofs Glantz in Delingsdorf, war nicht nur bei den Gästen sehr beliebt, begeisterte sich für den Reitsport und besaß ein eigenes Pferd gleich nebenan.

Nach den tödlichen Schüssen hatte sich Sven S. in einem Lieferwagen auf einem Campingplatz im acht Kilometer entfernten Ammersbek versteckt, wo ihn das SEK 22 Stunden später im Schlaf überraschte und festnahm. Seitdem sitzt der 35 Jahre alte Mann in Untersuchungshaft.

Warum Sven S. seine Freundin unter Vortäuschung falscher Tatsachen in seine Wohnung lockte und mit drei Schüssen niederstreckte, dann selbst den Notruf wählte und anschließend flüchtete, und woher er die Waffe hatte, für die er keinen Besitzschein besaß, sind Fragen, die das Gericht jetzt erneut klären muss – mit einem neuen Verteidiger an der Seite des Angeklagten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen