Bad Oldesloe : Mordprozess: Angeklagter beteuert seine Unschuld

Das Feuer am 31. Mai 2017 in Bad Oldesloe zerstörte einen Wintergarten und beschädigte das Haus.
Das Feuer am 31. Mai 2017 in Bad Oldesloe zerstörte einen Wintergarten und beschädigte das Haus.

Dritter Verhandlungstag gegen einen 29-Jährigen, der in Bad Oldesloe Feuer gelegt haben soll.

shz.de von
09. Januar 2018, 06:00 Uhr

Der dritte Prozesstag gegen Oli W. (Name geändert) beginnt mit einer Erklärung des Angeklagten. Mit brüchiger Stimme beteuert der 29-Jährige seine Unschuld. „Ich bin nicht der Mensch, für den sie mich halten“, sagt er zu Richtern und Schöffen des Lübecker Landgerichts. Vor der I. Großen Strafkammer muss er sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Er soll in den frühen Morgenstunden das 31. Mai vergangenen Jahres einen Brand im Haus gelegt haben, in dem seine schwangere Ex-Lebensgefährtin und deren siebenjähriger Sohn wohnten. Sie bemerkten den Brand rechtzeitig und konnten sich retten (wir berichteten). Oli W. gibt seine Mitschuld an Streitereien mit seiner Partnerin zu: „Ich entschuldige mich für meine verbalen Entgleisungen.“ Er habe sie aber nicht töten oder verletzen wollen. „Ich wünsche selbst eine Aufklärung dieser schwer wiegenden Vorwürfe.“ Er werde sich seiner Verantwortung stellen.

Dann sagen vier Polizeibeamte aus. „Als Brandursache ist ein technischer Defekt in der Elektrik nicht auszuschließen“, sagt der Ermittler, der die Brandstelle untersucht hat. Ein Spürhund habe nur wenig Hinweise auf etwaige Brandbeschleuniger gegeben. „Es gab kein gezieltes Anzeigeverhalten.“ Ein weiterer Beamter hatte den Fahrtenschreiber des Lkw ausgewertet, den der Angeklagte fuhr. Dass er kurz vor dem Brand noch am Haus war, hatte W. schon zuvor zugegeben. Er habe dort eine Zigarette geraucht und die Kippe auf den Tisch des Wintergartens geschnippt, wo das Feuer ausbrach.

Danach kommt der vernehmende Beamte zu Wort. Das Paar habe sich auseinandergelebt, habe W. dabei zugegeben. „In der zweiten Vernehmung hat W. zugegeben, dass er eine Viertelstunde vor dem Brand beim Haus war, eine Tasche und einen Kindersitz mitnahm und eine Zigarette rauchte.“

Nach der Vernehmung habe sich W. sogar für die höfliche Behandlung bedankt, hatte er notiert. Das sorgt für Konfusion im Gericht. Denn W. schüttelt den Kopf: „Das wurde diktiert und mir in den Mund gelegt.“ W. habe schon sehr geweint, bevor ihm der Tatvorwurf eröffnet wurde, so der Zeuge. W. habe weiter seine Zukunft in dieser Beziehung gesehen. Sein vernehmender Kollege habe das aber in Zweifel gestellt. „Er sprach von einer unheilvollen Beziehung“, wirft der Angeklagte ein. Das Thema wird ohne diesen Zeugen vertieft. „Es kann sein, dass ich sagte, die Vernehmung sei ok gewesen“, sagt der Angeklagte. Der zweite Beamte habe ihn an seinen Stiefvater erinnert, der ihn sexuell missbraucht hatte. „Der hat mir gesagt, sie stehe nicht mehr zu mir, ich wollte mich aus dieser Situation lösen.“ Woher er den Optimismus nehme, die Beziehung fortsetzen zu können?, fragt der Sachverständige W. „Sorgen habe ich mir schon gemacht. Schockiert hat mich, dass sie mir diese Tat zugetraut hat“, lautet die Antwort. Die Briefe seiner Partnerin hätten ihm aber gezeigt, dass es Grund zu dieser Hoffnung gebe.

Der Vernehmer wird wieder in den Gerichtssaal gerufen und bleibt bei seiner Aussage: „Ich habe alles so aufgenommen, wie es mir gesagt wurde“, betonte er. Auf Nachfrage der Staatsanwältin erinnert er sich aber nicht mehr an eine Vernehmungssituation mit W. beim Haftrichter.

Der Mordprozess vor dem Lübecker Landgericht wird am Dienstag, 30. Januar, fortgesetzt.


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