Moorhusener Problem: Immer mehr junge Leute wandern ab

Will seinen Bürgermeister-Posten abgeben: Holger Dunker. Foto: js
Will seinen Bürgermeister-Posten abgeben: Holger Dunker. Foto: js

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09. Februar 2013, 03:59 Uhr

Moorhusen | Was planen die Gemeinden in 2013? Wo drückt die Kommunen der Schuh? Und wie laufen die Vorbereitungen auf die Kommunalwahl im Mai? In einer Serie beleuchtet unsere Zeitung alle über 100 Gemeinden in der Region. Heute: Moorhusen.

Die Gemeinde Moorhusen am Rande der Wilstermarsch war über Jahrzehnte rein landwirtschaftlich geprägt. Der Strukturwandel in der Agrarwirtschaft und die demografische Entwicklung drohen jetzt dieses historische Bild zu verändern. Von ursprünglich 15 Bauernhöfen, die noch vor wenigen Jahren bestanden, gibt es hier heute nur noch sechs Grünland- und Milchviehbetriebe und einen Pferde haltenden Betrieb. Immer mehr Höfe werden verkauft und die Ländereien verpachtet, manche Bauernhäuser werden von den ehemaligen Landwirten nur noch als Altersruhesitz genutzt.

"Mit unserer Einwohnerzahl geht es immer weiter bergab", bedauert Bürgermeister Holger Dunker. "Die jungen Leute bleiben einfach nicht mehr hier." Auch seine eigenen Söhne haben sich nicht für die elterliche Landwirtschaft entschieden, sondern arbeiten im Kfz-Gewerbe und in der Verwaltung. Die einzige Tochter steht vor dem Abi und wird danach eine duale Ausbildung in der Kreisverwaltung als Inspektorenanwärterin beginnen.

Mit aktuell 73 Einwohnern hat Moorhusen gerade mal die 70er-Grenze überschritten, die gefordert wird, um überhaupt eine Gemeindevertretung wählen zu können. Bislang gibt es im Moorhusener Ortsparlament nur die Wählervereinigung, die Holger Dunker seit 19 Jahren immer wieder zum Bürgermeister gewählt hat. Am 26. Mai will er nicht mehr für dieses Amt kandidieren, aber gern weiter im Gemeinderat mitmachen. Sein Nachfolger wird im Juni von der Gemeindevertretung gewählt. Die neuen Kandidaten der KWV für die sieben Gemeinderatssitze werden auf einer Zusammenkunft am 15. Februar um 19.30 Uhr im "Klever Hof" nominiert.

Aktuelle Probleme gibt es in Moorhusen nicht. Ein Kindergarten wird gemeinsam mit fünf, die Feuerwehr mit vier und die Grundschule in Heiligenstedten sogar mit insgesamt elf Gemeinden betrieben. Allerdings: für Bauwillige hat die Gemeinde keinen einzigen Bauplatz anzubieten. "Fürs Bauen gibt es hier als Außenbereich keine Chance", bedauert der Bürgermeister.

"Mit unseren Finanzen schippern wie so dahin", kann der Bürgermeister keinen finanziellen Spielraum erkennen. Selbst für die Wegeunterhaltung kann kein Cent abgezweigt werden. "Für einen grundlegenden Ausbau haben wir kein Geld, Reparaturen erledigen wir in Eigenleistung", ist er dankbar für die Unterstützung durch die Einwohner. Auf eine Straßenbeleuchtung hat die Gemeinde aus Kostengründen bisher ebenfalls verzichtet. Nachts herrscht hier totale Dunkelheit. Lediglich die beiden Schulbushaltestellen sind morgens beleuchtet.

Obwohl die Gemeinde mit Hebesätzen von 300 Prozent für die Grundsteuer A und B und 350 Prozent für die Gewerbesteuer fast schon die Höchstsätze kassiert, "kommt da nicht viel bei rüber". Bei der Aufstellung des Haushalts gehe man bei vorsichtiger Kalkulation meistens von einem Fehlbetrag aus, doch bei der Jahresrechnung habe sich dieser meist ausgeglichen, zieht Holger Dunker Bilanz.

Seit einigen Jahren kassiert die Gemeinde erste Gewerbesteuereinnahmen aus drei Windkraftanlagen, die als Bürgerwindpark genutzt werden. Aus acht weiteren Anlagen einer auch in anderen Bundesländern tätigen Fondsgesellschaft sei dagegen noch keine Gewerbesteuer geflossen, ärgert sich der Dorfchef. Diese rechne Gewinne des einen mit den Verlusten aus anderen Windparks gegenseitig auf, so dass unterm Strich kein gewerbesteuerpflichtiger Ertrag über bleibe. Die versprochenen Steuerzahlungen habe es bislang nicht gegeben.

Verbesserungen für ein schnelles Internet erhoffen sich die Moorhusener aus den Projekten des Breitband-Zweckverbandes. Schließlich nannte Holger Dunker einen besonderen Grund, weshalb man sich in der Gemeinde wohl fühlen könne: die harmonische Dorfgemeinschaft. "Unser Dorffest ist immer wieder schön." Wenn es in der Maschinenhalle auf dem Seifert-Hof gefeiert werde, dann käme alles, was Beine habe.

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