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Sauberes Bad Oldesloe : Möbelpacker räumt auf

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gerhard Ströhl (93), bekannt als Deutschlands ältester Möbelpacker, ärgert sich über Dreck, Schmierereien und unbepflanzte Beete in Bad Oldesloe – da schafft er notfalls kurzerhand selber Abhilfe. Jetzt hat er drei Bänke saniert.

Oh, das geht ihm mächtig gegen den Strich. „Nur Müll!“, wettert Gerhard Ströhl, „nichts gepflanzt, nichts gemacht. Schrecklich.“ Anlass für Strehls Zorn ist das ungepflegte Beet am Stadthaus an der Flanke zur Hagenstraße, quasi direkt unter dem Büro von Bürgermeister Tassilo von Bary. „Ich verstehe nicht, dass er da nichts macht. Der lebt doch da drin“, schimpft das Oldesloer Urgestein: „Da muss ich wohl erst kommen und da was machen.“

Das ist keine leere Drohung des mittlerweile 93-Jährigen. Andere sitzen in dem Alter längst im Rollstuhl oder können sich nur mit dem Rollator mühsam fortbewegen, doch Ströhl ist noch topfit, packt fest an. Der Mann ist Deutschlands ältester Möbelpacker – aktiver Möbelpacker selbstverständlich!

Beim Gang durch die Fußgängerzone kommt der Ärger in dem ansonsten so fröhlichen Methusalem wieder hoch. „20 mal am Tag bücke ich mich, und sammle auf, was da liegt“, sagt er.

An der Kreuzung Schützen-/Lorentzenstraße hat Ströhl jetzt kurzerhand Nägel mit Köpfen gemacht. „Hier lag alles voll Müll, war versifft und kaputt“, klagt der Unruheständler. Also hat er die Grünfläche gereinigt. Drei Bänke laden dort eigentlich zum Verweilen ein. Ströhl winkt empört ab: „Da konnte man doch nicht sitzen.“ Mit einer Reinigung war es nicht getan. Auch der Austausch morscher Latten reichte dem Senior noch nicht. „Für mich ist das noch nicht gut genug, das muss weiß sein. Ich organisier’ mal einen Pott Farbe. Aber hier in der Innenstadt gibt’s ja keine mehr.“ Also machte er sich auf den Weg, die schlohweiße Mähne quillt dabei unter einem Elbsegler heraus, die schlabberige Jeans zeugt von seinen zahlreichen Aktivitäten und seine Augen blitzen listig.

Die Grünfläche an der Kreuzung ist ihm eine Herzensangelegenheit. Gerhard Ströhl stammt ursprünglich aus Ostpreußen. „Eigentlich bin ich ja Seemann“, erzählt er. Neun Jahre war er auf großer Fahrt über die Weltmeere. Bei einem Bombenangriff auf Hamburg verlor sein Sohn ein Bein. Ihn verschlug es anschließend nach Bad Oldesloe. Als der Krieg vorbei war, zog auch Gerhard Ströhl hier her. „Die Wiese“, dabei zeigt er auf die Grünfläche an der Kreuzung, „war in Parzellen aufgeteilt. Da haben wir Kartoffeln angebaut. Es gab ja nichts.“

Inzwischen strahlen die Bänke in frischem Weiß. Doch Ströhl ist immer noch nicht zufrieden. „Ich werde noch mal Lappen organisieren und die in einer Tüte hier ran hängen“, kündigt er an: „Kostet ja nicht viel.“ Dann kann jeder mal schnell über die Bank wischen wenn Regen und Wind sie verschmutzt haben sollten.

Sein nächstes Betätigungsfeld hat der rüstige Senior auch schon ausgemacht. Ein Stromkasten an der Straßenecke ist mit Grafitti verziert. Das ist so gar nicht nach seinem Geschmack. „Da werde ich mal mit Verdünnung rangehen und das wegmachen. Oder mit das Silberfarbe übersprühen. So kann das jedenfalls nicht bleiben.“ Zwischendurch meldet sich der 93-Jährige allerdings auch mal ab: „Ich muss eben noch Möbel nach Fehmarn bringen.“

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 17.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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