Mobil in die neue Zukunft

Gern gesehene Unterstützung: (v.l.) Hannelore Grimme, Bürgermeisterin Ulrike Stentzler sowie die Spender Annegret und Uwe Kickbusch freuen sich mit Familie Adeberhan über das neue Fahrrad.
Gern gesehene Unterstützung: (v.l.) Hannelore Grimme, Bürgermeisterin Ulrike Stentzler sowie die Spender Annegret und Uwe Kickbusch freuen sich mit Familie Adeberhan über das neue Fahrrad.

Familie Andeberhan aus Eritrea erfährt in Lütjensee Unterstützung / Gemeinde erlebt Widerstand bei Suche nach Unterkunft

shz.de von
12. Mai 2015, 13:07 Uhr

Familie Andeberhan aus Eritrea hat sich in Lütjensee schon gut eingelebt. Seit einem halben Jahr lebt die Familie hier, wird ehrenamtlich betreut von Hannelore Grimme (76) aus Grönwohld. „Ich war Sozialarbeiterin, helfe gerne“, sagt sie. Bei Behördengängen und Einkaufen ist ihre Unterstützung gefragt. Vater Mikel und Sohn Henok (8) fahren oft mit dem Rad nach Trittau, zum Beispiel zum Deutschunterricht. Von der dortigen ehrenamtlichen Fahrradwerkstatt haben beide schon ein Fahrrad bekommen.

Henok geht auch gern zum Fußballspielen im Verein. Mutter Elsa war erstmal mit dem jüngsten Familienmitglied beschäftigt. Die kleine Helen (sechs Monate) wurde in Lütjensee geboren. „Trotzdem gibt es noch keine Geburtsurkunde, da die Herkunft der Familie aufgrund fehlender Papiere noch ungeklärt ist“, erläutert Grimme.

Jetzt kann sich auch die Mutter über ein neues Fahrrad freuen: Uwe und Annegret Kickbusch vom Zweiradhaus Michaelis schenkten der Familie ein Damenfahrrad, das Bürgermeisterin Ulrike Stentzler eigentlich kaufen wollte. Einziges Problem: Elsa kann noch nicht Fahrrad fahren, probte erstmal mit Unterstützung von Hannelore Grimme und ihrem Mann den richtigen Sitz. Bis Helena in einem Kindersitz Platz nehmen kann, will sie es gelernt haben. Für Henok gab es noch einen Fahrradhelm dazu.

Bürgermeisterin Ulrike Stentzler freut sich über das vielfältige Engagement: „Es melden sich immer mehr Interessierte, die die Flüchtlinge unterstützen wollen“, berichtet sie. Jeder Flüchtling beziehungsweise jede Familie, die im Amt aufgenommen wurde, hat einen ehrenamtlichen Betreuer an die Seite gestellt. Derzeit leben 93 Flüchtlinge mit laufendem Asylverfahren im Amt Trittau, verteilt auf Trittau, Grönwohld, Großensee, Hamfelde und Lütjensee.

Aber es gibt auch Gegenwind: Die Gemeinde Lütjensee hat verschiedene gemeindeeigene Grundstücke für den Fall geprüft, dass nicht genug Wohnraum angemietet werden kann. Bei den Gemeindewohnungen in der Hamburger Straße 65 und 67 sowie auf dem Gelände des Sportplatzes könnten Container aufgestellt werden. Mit dem Sportverein , der das Gelände gepachtet hat, ist eine Vereinbarung getroffen worden. In der Hamburger Straße regt sich Widerstand in Form einer Unterschriftensammlung. „Für manche Argumente schäme ich mich“, sagt Stentzler entrüstet. „Wir bemühen uns, Wohnungen anzumieten, nur bei einem plötzlichen Andrang kommen die vom Amt gekauften Container zum Einsatz“, betont sie. Derzeit werden sie in einem Zwischenlager aufbewahrt.

Bürgermeisterin Ulrike Stentzler setzt auf Aufklärung, plant daher im Juni eine Einwohnerversammlung. Gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der Diakonie sollen an diesem Abend Herkunftsländer der Flüchtlinge, deren Sitten und Gebräuche vorgestellt werden. Es werden Fluchtgeschichten erzählt und der Grundstein für einen Freundeskreis Flüchtlinge in Lütjensee gelegt. „Im Moment werden unnütze Ängste geschürt, durch Aufklärung möchten wir die Leute mitnehmen“, erklärt die Bürgermeisterin.



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