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Stormarner Tageblatt

15. Dezember 2017 | 23:10 Uhr

Bad Oldesloe : Mitbewohner erstochen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein 21-jähriger Afghane tötet einen 22-jährigen Iraker vor einer Obdachlosenunterkunft der Stadt Bad Oldesloe, in der beide einquartiert waren. Zwischen den Männern hatte es schon häufiger Streit gegeben.

Ein Streit zwischen zwei jungen Flüchtlingen, der schon beendet schien, eskalierte am späten Sonntagabend in Bad Oldesloe so sehr, dass am Ende einer von ihnen sein Leben verlor – erstochen von seinem Mitbewohner. Zugetragen hat sich das Drama vor dem Eckhaus Sülzberg/Mommsenstraße. Es gehört der Stadt und wird für die Unterbringung von Obdachlosen genutzt. „Eigentlich ist es nicht angedacht gewesen, dort Flüchtlinge unterzubringen. Doch in diesem Fall ging es nicht anders“, erklärt Bürgermeister Jörg Lembke auf Anfrage.

Der Hintergrund: Das spätere Opfer, ein 22-jähriger Iraker, und der 21-jährige Afghane, sollen sich permanent nicht an die Hausregeln in den städtischen Flüchtlingsunterkünften gehalten haben. „Sie haben dort immer wieder für Unruhe gesorgt. Wir mussten sie im Endeffekt daher aus den Flüchtlingsunterkünften rauswerfen. Es half einfach nichts. Die meisten verhalten sich angemessen und halten sich an die Regeln. Doch unter den zahlreichen, zum Teil ja sehr jungen Männern sind auch welche, die immer wieder über die Stränge schlagen. Das war in diesem Fall so“, erklärte Bürgermeister Jörg Lembke. Dass die beiden untereinander zuvor schon mehrfach in Streit geraten waren, wie es die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst, gestern mitteilte, sei ihm nicht bekannt. „Sie sind unabhängig voneinander aus den Flüchtlingsunterkünften rausgeworfen worden, um dort den häuslichen Frieden nicht weiter zu gefährden“, betonte der Bürgermeister. Dadurch wurden die Männer faktisch obdachlos und mussten entsprechend von der Stadt untergebracht werden.

Polizei und Rettungsdienst waren gegen 21.15 Uhr alarmiert worden. Aber da war schon alles zu spät: Der Iraker lag niedergestochen am Boden, er erlag noch am Abend seinen Verletzungen. Nach ersten Polizeiermittlungen hatte der Streit zu dem Zeitpunkt bereits längere Zeit angedauert. „Die beiden Kontrahenten wurden dabei zunächst noch von Mitbewohnern getrennt. Der Tatverdächtige ging zurück in sein Zimmer und das spätere Opfer wurde aus dem Haus geführt“, so Polizeisprecher Stefan Muhtz. Alles schien gut. Da der 22-Jährige jedoch seine Uhr bei der Auseinandersetzung im Gebäude verloren hatte, kehrte er noch einmal ins Haus zurück. Prompt gerieten die beiden erneut aneinander. Die Auseinandersetzung eskalierte vor dem Haus in Bahnhofsnähe. Als der 22-Jährige einen Schritt nach vorn machte, stach ihm der Afghane in den Hals. Das soll er nach Angaben der Staatsanwaltschaft gestanden haben. Auf Notwehr berufe sich der mutmaßliche Täter nicht.

Was der direkte Auslöser für den Streit gewesen sein könnte, sei noch unklar. Die Vernehmungen und Ermittlungen der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft Lübeck dauern an. Die Staatsanwaltschaft werde gegen den 21-Jährigen einen Haftbefehl wegen Verdachts des Totschlags beantragen.

Ob es für alle anderen im Haus untergebrachten Bewohner ohne weiteres möglich ist, nach dem Erlebten dort weiter zu leben, war Jörg Lembke gestern Abend noch nicht klar. „Ich weiß nicht, wer wie viel davon mitbekommen hat. Die Tat spielte sich ja vor der Tür ab. Ich habe dazu noch nichts weiter gehört“, so der Verwaltungs-Chef.

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