Wacken Open Air : Mit Zelten, Bier - und sogar Sofas

Umzug à la Wacken: Mit Sack, Pack und Zelt sind diese Fans auf der Suche nach einem geeigneten Liegeplatz. Foto: Kupfer
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Umzug à la Wacken: Mit Sack, Pack und Zelt sind diese Fans auf der Suche nach einem geeigneten Liegeplatz. Foto: Kupfer

Mit Bier und Zelt kamen schon vor dem Wacken-Start tausende Metal-Fans auf das Festival-Gelände. Helfer sprechen von einem "total entspannten" Auftakt .

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05. August 2011, 10:58 Uhr

Wacken | Die Anreise der 75.000 Musikfans lief Polizeiangaben zufolge entspannt ab. Bis zum frühen Abend waren rund drei Viertel der Festivalbesucher auf dem Gelände eingetroffen. Sie wurden lediglich im Bereich der Baustellen und vor allem am Nachmittag innerhalb Wackens von zähfließendem Verkehr aufgehalten. Die Polizei geht davon aus, dass die übrigen Besucher heute problemlos bis zum Gelände fahren können.
Innerhalb des Festivalgeländes wurden laut W:O:A-Wache bis zum späten Nachmittag rund zehn Anzeigen wegen Ticketbetrug aufgegeben. Außerdem kam es zu mehreren kleinen Diebstählen unter anderem aus den Zelten. Körperverletzung wurden am ersten Festivaltag nicht angezeigt.
Bislang fast alles friedlich
Und obwohl 75.000 ausgelassene Metal-Fans den 1900-Seelen-Ort haben zur Stadt anwachsen lassen - alles verlief friedlicher als in der Dorf-Disco. Was allerdings nicht ausschloss, dass die Polizei auch mal eingreifen musste. "Dass jemand auch einmal über die Stränge schlägt und randaliert, ist auf einem Festival nicht ungewöhnlich", sagt Michael Raupach, Leiter der Befehlsstelle der WOA-Polizeistation. "Aber hier auf dem Wacken Open Air ist so etwas deutlich seltener als andernorts." So passiert Mittwoch am frühen Nachmittag in der Nähe der WOA-Fußball-Arena, wo die Beamten "mal" wegen eines Randalierers eingreifen mussten. Und schon verlief das Festival weiter friedlich - auch dank der Präsenz der Sicherheitsdienste, "mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten", so Raupach.
Auch Nils Sahnwaldt, Gesamteinsatzleiter des Sanitätsdienstes, bestätigt einen "total entspannten" Auftakt der Veranstaltung. Die 200 Helfer kümmerten sich um etwa 300 Fälle - vom Insektenstich bis hin zu kleineren Verletzungen. Bis Sonntag rechnet Sahnwaldt mit insgesamt 3000 Versorgungen.
Der ungleiche Kampf mit dem Zeltgestänge
Rund um Wacken wälzten sich Blechlawinen in Schrittgeschwindigkeit Richtung Festivalgelände. Wohin es geht, zeigen die meisten Autos per Klebeband an der Heckscheibe: W:O:A. Menschenschlangen vor dem Eingang. Ihr Standardgepäck: Rucksack, Isomatte, Bier - und längliche, gelbe Pappkartons mit Pavillons zum Selbstaufbauen. Genau so einer soll das Wohnzimmer von ein paar Paderborner Metalheads werden. Sie sind schon am Montag angereist, zur heißen Festivalphase wollen sie es richtig gemütlich haben. Dafür muss der Haufen Metallstangen in ein Gerüst verwandelt werden. Noch hält sich die Verzweiflung der Jungs in Grenzen, doch ihren Gesichtern sieht man bereits an, wie nötig sie ein Dach über dem Kopf haben: Nach drei Tagen "oben ohne" - und ohne Sonnencreme - haben sie Ähnlichkeit mit Flusskrebsen.
Andere machen gleich Nägel mit Köpfen: Eine Gruppe aus dem Rheinland hat ihre eigene Toilette gemietet. Roland aus Düsseldorf darf sie einweihen - unter lauten Anfeuerungsrufen seiner 21 Mitreisenden. "120 Euro für fünf Tage kostet das Klo", sagt Paul. Das mache knapp sechs Euro für jeden - bei 2000 Euro für eine Woche Wacken als Gruppenreise könne man das verschmerzen.
Toiletten sind für Stefan und seine Freunde aus Oberfranken noch kein Thema. Ihren Stammplatz haben sie schon Mittwoch früh um sieben bezogen, drei Jahre lang verbrachten sie ihre Wackener Festivalnächte dort. Dieses Mal aber müssen sie die Zelte in die Hand nehmen und auf einen Platz ein paar Meter weiter tragen. Nicht ohne Protest, schließlich hat man nach jahrelanger W:O:A-Erfahrung seine Gewohnheiten. Einige haben ihren Aufenthalt mittlerweile perfektioniert. Ihre Zeltplätze gleichen Wohnwagengarnituren für Langzeiturlauber: Weihnachtsbäume, Sofas, Kühlschränke und Flaggen von Schweden bis Mexiko.
(shz)

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