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Miniaturwelten : Mit Playmobil Luthers Welt entdecken

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für das 500. Jahr der Reformation stellt Pastor Erhard Graf eine Stadt aus Spielsachen nach und lässt das Mittelalter wieder aufleben.

Martin Luther schlägt die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg – ein kirchenhistorisches Bild, das Pastor Erhard Graf im Luther-Jubiläumsjahr nachgestellt hat. „Die Lutherfigur von Playmobil hat sich bereits 500  000 Mal verkauft, dabei hat das Jahr gerade erst angefangen“, sagt er. Doch dies ist bei weitem nicht die einzige Szene aus dem Leben Luthers, die der Kirchenmann liebevoll aufgebaut hat. Im Gemeindehaus von Klein Wesenberg steht eine ganze Playmobil-Stadt mit Stadtmauer, Marktplatz, historischen Häusern, einer doppeltürmigen Kirche und einem hochziehbaren Stadttor.

    Überall innerhalb der Stadtmauer tummeln sich Menschen: Juden mit dem charakteristischen spitzen Hut, Nonnen und Mönche, Marktfrauen, Invaliden, Adelige, Handwerker und einfache Leute. „So ähnlich muss es zu Luthers Zeiten in einer kleinen Stadt wie Wittenberg ausgesehen haben“, so Graf.

   Zwischendrin Szenen aus dem Leben des Reformators: Katharina von Bora flüchtet 1523 mit anderen Nonnen aus dem Kloster Marienthron, allerdings nicht hinter Heringsfässern versteckt auf einem Planwagen, wie es historisch überliefert ist, sondern in einer einfachen Kutsche. „Da fehlten mir leider die richtigen Utensilien“, schmunzelt der Pastor. Sogar der Teufel, im Mittelalter personifiziert und allgegenwärtig, steht auf der Stadtmauer. Ein Bischof geht durch die engen Gassen, Adelige feiern ein rauschendes Fest in den Häusern, Bier wird ausgeschenkt, vor den Stadttoren ernten die Bauern ihr Getreide oder wandert ein Hirte mit seinen Schafen auf den Weiden. In einer Dachmansarde malt Lukas Cranach Martin Luther.

   Erhard  Graf: „Das ist eigentlich eine Playmobilfigur von Albrecht Dürer, aber das spielt für die Kinder keine Rolle.“ Denn die Kinder lieben es, mit Playmobil biblische Szenen nachzustellen oder sich „Luthers Welt“, wie es der engagierte Pastor nennt, plastisch anhand der Figuren und Bauten in 3D vorzustellen. „Dies ist nicht wie ein Film über Luther, der an einem vorbeirauscht, vor diesem Modell kann man so lange verweilen, wie man möchte“, so Graf weiter.    Gerade kommt er aus dem Kindergarten Hamberge, wo er mit insgesamt 60 Kindern biblische Geschichten, aber auch die Welt des Reformators nachempfindet – alles anhand von Playmobil-Modellen und Figuren.

    „Das ist sehr eingängig und macht den Kindern viel Spaß“, sagt er. Vor fünf Jahren hat er damit begonnen, inzwischen haben auch die Konfirmanden Gefallen daran gefunden. „Sie befinden sich an der Schwelle zum Erwachsensein und sind noch sehr in ihrer Kindheit verwurzelt. Sie spielen nicht mehr, sondern lernen anhand der Playmobilfiguren“, erklärt Graf, der 30 Konfirmanden aus Klein Wesenberg, Hamberge und den umliegenden Dörfern betreut. Im 500. Jahr der Reformation konfirmiert zu werden, das mache seine jetzigen Konfirmanden schon zur besonderen Generation.

   Erhard Graf, der auch eine religionspädagogische Ausbildung absolvierte, hat Gefallen am Spielzeug Playmobil gefunden, das bereits seit 1974 auf dem Markt ist und schon Generationen von Kindern begleitete.

Seine eigenen Kinder spielten ebenfalls damit, dann kaufte Graf immer mehr Gebäude und Figuren auf dem Flohmarkt oder bei Ebay dazu, kombinierte hier und da, wenn ein Outfit mal nicht passte, bastelte aus einer Rocker-Bande Sargträger oder stattete Nonnen und Mönche mit den passenden Gewändern aus. Graf: „Kaum einer weiß, dass man bei Playmobil auch das kleinste Ersatzteil nachkaufen kann.“
     In einem ausrangierten Lehrmittelschrank verwahrt er weitere Schätze wie ein komplettes Set der Arche Noah, römische Legionäre und ägyptische Pharaonen, Hochzeitspaare, Weihnachtsmänner und ein Krippen-Set. So können die Kinder fast jede Szene aus der Bibel nachstellen.

    Graf: „Das hat einen viel intensiveren pädagogischen und psychologischen Effekt – für Kinder und Jugendliche, die heute die Welt mit ihrem Smartphone erleben.“ Man könne sehr anschaulich alle Feste im Kirchenjahreslauf sowie zahlreiche bekannte biblische Geschichten darstellen. Ostern oder Weihnachten, der barmherzige Samariter oder der Heilige St. Martin – mit Playmobil alles möglich.

     Die Luther-Stadt aus Playmobil bleibt im 500. Jahr der Reformation im Gemeindehaus. Klassen und Gruppen können sich gern für eine Besichtigung anmelden.    Und Erhard Graf hat einen ganz besonderen Bezug zu Martin Luther: „Ich wurde in der Lutherstadt Wittenberg geboren und im gleichen Taufbecken wie Luther und andere Kinder getauft.“

Der Pastor ging unzählige Male an der Thesentür vorbei und hat im Konfirmandenalter das 450. Reformationsbestehen miterlebt. „In Eisenach war ich rund 300 Tage auf dem Predigerseminar und habe dort das zweite Examen gemacht. Danach war ich zehn Jahre Gemeindepfarrer, nicht weit weg vom Lutherstein bei Stotternheim“, erinnert er sich. Auch seine jetzige Gemeinde, in der er seit acht Jahren tätig ist, hat einen Bezug zu Luther: Das Lutherfenster in der Klein Wesenberger Kirche aus dem Jahre 1923. Graf: „Einen so engen persönlichen Bezug zu den wichtigsten Lutherorten weiß ich von keinem anderen Pastor“, so der Gottesmann.










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erstellt am 04.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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