Glinde : Mit Haus- und Fachärzten ist Stormarn überversorgt

Bei Augenärzten ist Stormarn mit 110 Prozent versorgt – allerdings nur theoretisch.
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Bei Augenärzten ist Stormarn mit 110 Prozent versorgt – allerdings nur theoretisch.

Die Quote bei Kinderärzten liegt sogar bei 136 Prozent. Aber Glinde hat weder einen Kinder- noch einen Augenarzt.

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14. Mai 2018, 05:27 Uhr

Seit dem 31. März gibt es für Kassenpatienten in Glinde keine Möglichkeit mehr, zum Augenarzt zu gehen. Und die einzige Kinderarztpraxis der Stadt ist seit geraumer Zeit wegen Krankheit geschlossen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat nahm das zum Anlass, sich direkt bei der Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) in Bad Segeberg über die Fachärzteversorgung in Stormarn zu informieren.

Gesprächspartner waren André Zwaka, der stellvertretende Leiter der Zulassungsabteilung, und Delf Kröger, Leiter Gesundheitspolitik der KVSH. Habersaat: „Vieles hängt an der Gesetzgebung, manches soll reformiert werden. Mir ging es im Gespräch vor allem darum auszuloten, ob es Handlungsmöglichkeiten für das Land oder die Stadt gibt.“

In Stormarn gibt es aktuell 163 Hausärzte und 173 Fachärzte. Reicht das? Der Gesetzgeber macht grundsätzliche Vorgaben, Bundesgremien und die gemeinsame Selbstverwaltung haben die Aufgabe, diese zu konkretisieren. Im Hamburger Umland beträgt die Zahl für die Bedarfsplanung 1815 Einwohner pro Hausarzt.

„In Stormarn kommt ein Hausarzt auf 1638 Einwohner. Auf dem Papier ist der Kreis also gut versorgt. Das sagt aber nichts über die räumliche Verteilung der Hausärzte im Kreis oder die Auslastungssituation der Praxis nebenan“, so Zwaka. Ähnlich verhält es sich bei den Fachärzten. Ab 110 Prozent gilt ein Kreis als überversorgt. In Stormarn bedeuten 14 Augenärzte eine Quote von 110 Prozent, und 16 Kinderärzte sogar eine Überversorgung von 136,5 Prozent. Deshalb gilt eine Zulassungssperre für neue Kassenärzte. Unter bestimmten Bedingungen sind aber trotzdem weitere Zulassungen möglich.

Für die Statistik wird auch die Kinderarztpraxis in Glinde erfasst, auch wenn sie zurzeit geschlossen ist. Wenn Mediziner länger nicht praktizieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Eine Vertretung für die eigene Praxis oder durch umliegende Ärzte. Habersaat: „Da die Kosten für Praxisräume und Sprechstundenhilfen weiterlaufen, versuchen viele Ärzte, eine Vertretung in der eigenen Praxis zu finden.“

In Glinde ist das nicht gelungen, deshalb springen Kinderärzte in der Nähe ein, wobei eine Fahrtzeit bis zu 25 Minuten als zumutbar gilt. „Stadt und Land können hier leider nichts tun“, sagt Habersaat, aber Kinderärzte und Patienten könnten das: „Wenn Eltern keine Termine bekommen, müssen sie sich an ihre Krankenkasse werden. Und wenn Ärzte die Vertretung nicht leisten können, könnten sie sich an die KVSH Vereinigung wenden.

Anders gelagert ist der Fall bei der Augenarztpraxis. Gibt ein Augenarzt seine kassenärztliche Zulassung zurück, ist auch rechnerischer Überversorgung eine Nachfolge möglich. Wenn eine Übergabe der Praxis nicht klappt, kann eine komplett neue Vergabe erfolgen. Wegen der guten Auslastung der Praxis sei eine neue Zulassung grundsätzlich möglich, erläuterte Zwaka.

„Der Umstand, dass eine Hamburger Firma die Augenarztpraxis betreiben will, ist für die KVSH nicht das Problem“, so Habersaat. Wegen der allgemeinen Versorgungsproblematik in einer älter werdenden Gesellschaft blicke er „gespannt auf die Reformbemühungen des Bundes.“

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