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Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 05:24 Uhr

Mit der Schlackegabel mehrfach zugestoßen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine unfassbare Tat: Am Freitag begann der Prozess gegen Jasmin A. Der 23-Jährige mit kosovarischem Pass und Wohnsitz in Lüneburg ist wegen schweren Raubes, räuberischer Erpressung, Brandstiftung und versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung angeklagt.

Während der Angeklagte – dunkle Haare, lange Koteletten, rote Brille und grünes T-Shirt – ruhig auf der Anklagebank sitzt und keinerlei Regung zeigt, verliest Staatsanwältin Ulla Hingst die Anklage: In der Müllverbrennungsanlage Stapelfeld (MVA) waren der Angeklagte und das Opfer, ein 59-jähriger Kollege aus Niedersachsen, am 17. Juni 2015 für eine Fremdfirma mit Reinigungsarbeiten beschäftigt und gerieten dabei in heftigen Streit. Laut Staatsanwältin ging es um Überstunden, die der Angeklagte nicht ableisten wollte. Das Opfer informierte per Telefon seinen Vorgesetzten. Der Angeklagte soll sich währenddessen dem Opfer genähert und aus dem Hinterhalt mit einer langen Schlackegabel – einer Art vierzackigen Forke – mindestens fünf Mal auf den Kopf eingeschlagen haben. Brustkorb und Arme, aber vor allem das Gesicht und der Kopf des Opfers wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Zehn Zentimeter drangen die Forken in das Gehirn des 59-Jährigen ein. Das Opfer erlitt Verletzungen an der Basis des Hirnschädels und am Mittelhirn und konnte nur durch eine Not-Operation, bei der die im Kopf steckenden Zacken entfernt werden mussten, gerettet werden. Er hat schwere, bleibende Hirnschäden davongetragen. Nach der Tat habe der 23-Jährige das Opfer hilflos am Boden liegen lassen. Auf der Flucht habe er eine Autofahrerin, die vor der MVA stand, mit einer Gartenschere und einer Sielhacke bedroht und gegen den Kopf geschlagen und sie mit den Worten „Gib mir dein Auto, sonst töte ich dich“ zur Herausgabe ihres Fahrzeugs gezwungen. Dies sprang aber nicht an. Nächstes Opfer sei eine weitere Autofahrerin gewesen. Die Sielhacke habe Jasmin A. hinter dem Rücken gehalten, so dass die Frau davon ausgegangen sei, es handele sich um eine Schusswaffe. Mit den Worten „Steig aus, du Schlampe, sonst erschieße ich dich!“ habe er die Frau aus dem Auto geholt und war mit diesem nach Rahlstedt geflüchtet, wo die Polizei den Täter stellen konnte. Seit der Tat sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft in der JVA Lübeck, wo er versucht haben soll, mittels eines brennenden Buches seine Zelle in Brand zu stecken.

Wie der Gesundheitszustand des Opfer zur Zeit ist, will Florian Steinmüller, Vertreter der Nebenklage, nicht preisgeben. Das werde noch Gegenstand der weiteren Prozesstage sein, sagte er. Das Opfer könne nicht selbst zum Gerichtstermin erscheinen. Vertreten wird es durch seine beiden Töchter.

>Termin: Mitte Januar wird die Verhandlung fortgesetzt.



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erstellt am 18.Dez.2015 | 12:03 Uhr

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