Mit der Konservendose auf Fotopirsch

Dosen aller Art wurden im Workshop zur Camera Obscura umgebaut.  Fotos: Schütt
1 von 2
Dosen aller Art wurden im Workshop zur Camera Obscura umgebaut. Fotos: Schütt

Workshop mit Fotograf Ilan Wolff aus israelischer Patenstadt

shz.de von
16. April 2018, 06:00 Uhr

Wozu eine leere Keksdose doch noch gut ist – zum Beispiel zum Fotografieren. In einem Workshop im Oldesloer Jugendfreizeit-Zentrum (Juze) mit dem israelischen Foto-Künstler Ilan Wolff stand am Wochenende die einfache Technik der Camera Obscura im Mittelpunkt. Nachdem die 20 Teilnehmer ihre Dosen zusammengebaut hatten, schickte sie der in ganz Europa gefragte Fotograf nach draußen, wo sie ihre individuellen Fotos gestalten sollten.

Es ist das zweite Mal, dass Wolff in Oldesloe einen Foto-Workshop anbot, 26 Jahre nach der Premiere. Die Bekanntschaft stammt aus den Anfangstagen der Städtepartnerschaft zwischen Bad Oldesloe und Beer Yaacov in Israel. Wolff , dessen Eltern in der Stadt im Großraum Tel Aviv lebten, fertigte 1991 eine Fotoserie aus beiden Städten an, die von der Sparkassen-Kulturstiftung erworben und im vergangenen Jahr zum 30. Jubiläum der Partnerschaft noch einmal gezeigt wurde.

Die Besonderheit der Fotos liegt in der „Technik“ der Camera Obscura (oder Lochkamera). In einem lichtdichten raum, wird Filmmaterial in einer Dose befestigt. Belichtet wird durch ein kleines Loch, das mit Klebeband verschlossen wird – kein Objektiv, kein Verschluss.

Die faszinierenden Möglichkeiten und Effekte dieser Belichtungstechnik ließen damals die Idee eines Workshops mit Wolff aufkommen, die nun im Jubiläumsjahr eine Neuauflage erlebte. Wieder dabei war die damalige Bürgerworthalterin Ilse Siebel, die mit dem 63-jährigen Fotografen das Treffen am Wochenende organisierte.

Was die Workshop-Teilnehmer im Zeitalter digitaler Vollautomatik an der Lochkamera fasziniert, ist die „Ursprünglichkeit“ des technischen Vorgangs. Allerdings folgt der Aufnahme ein mühsamer Entwicklungsprozess, bevor man weiß, ob eine Belichtungszeit von mehreren Minuten zum gewünschten Ergebnis führt. Wenn ja, dann folgt als abschließender Arbeitsschritt die Umwandlung des Negativs in einen positiven Abzug.

Wolff, der auch Fotogramme erstellt – die ganz ohne technischen Apparat nur mit Fotopapier und Licht auskommt –, hat mehr als 300 Cameras Obscura in seinem Atelier. Die kleinste ist eine Cola-Dose, die größte sein Auto: ein Sprinter, in den er verschiedene Löcher eingearbeitet hat, um unterwegs jederzeit spontan Aufnahmen anfertigen zu können.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen