Mit dem Drahtesel durchstarten

Auf geht’s: (v.l.) Henuk und Mike Tsigoy aus Eritrea freuen sich über die Fahrräder, mit denen sie in die Werkstatt zu Sven Höper und Torsten Harders kamen, die weitere Räder fit machten.
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Auf geht’s: (v.l.) Henuk und Mike Tsigoy aus Eritrea freuen sich über die Fahrräder, mit denen sie in die Werkstatt zu Sven Höper und Torsten Harders kamen, die weitere Räder fit machten.

„Freundeskreis Flüchtlinge“ in Trittau arbeitet Fahrräder auf für Menschen, die hier Zuflucht gefunden haben

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01. Dezember 2014, 12:22 Uhr

Immer dienstags wird in der Fahrradwerkstatt gewerkelt: Reparaturen, Sattel höher stellen und das Licht kontrollieren, sind einige der Aufgaben. Sven Höper und Torsten Harders engagieren sich im Rahmen des vom Amt Trittau ins Leben gerufenen „Freundeskreis Flüchtlinge“, in dem sie Fundstücke oder gespendete Räder für die Flüchtlinge fit machen und ausleihen. Dabei bleiben die Räder immer Eigentum des Amtes, und könnten irgendwann auch verkauft werden. Tatsächlich aber werden sie von einer Generation zur nächsten weiter gegeben.

„Wenn die Flüchtlinge anerkannt sind, den Führerschein machen, in ihr neues Leben starten, werden die Räder weiter gegeben“, so Höper, der immer den Überblick hat. Dazu dienen auch Metallstempel, mit dem AT – für Amt Trittau – die ins Blech geschlagen werden.

Die beiden Männer wollten sich engagieren und stellten fest, dass die Flüchtlinge zum Deutschunterricht, der ebenfalls ehrenamtlich angeboten wird, teilweise zu Fuß aus Lütjensee oder Grönwohld kamen. „Die Menschen bekommen den Sozialhilfesatz, da überlegt man sich, ob man Geld für den Bus ausgibt“, so Höper, der Frührentner ist. So kam ihm die Idee mit den Rädern, in dem früheren Kfz-Mechaniker und Groß- und Außenhandelskaufmann Harders, derzeit arbeitslos, bekam er fachkundige Unterstützung.

Auch die Flüchtlinge helfen manchmal mit, die Räder fit zu machen, wie Mike Tsigoy aus Eritrea, der mit seinem Sohn Henuk aus Lütjensee zur Werkstatt geradelt war. Und zur weiteren Kontaktpflege wird ab und zu auch mal gemeinsam Kaffee getrunken oder ein Burger gegessen. Am letzten Tag vor der Winterpause gab es selbst gebackene Muffins. Die Fahrradwerkstatt ist ein Teil der ehrenamtlichen Arbeit des Freundeskreises Flüchtlinge. Im Gymnasium hat eine ehemalige Lehrerin Räume organisiert und gibt mit einer weiteren Dame Deutschunterricht. 15 Helfer kümmern sich zudem um einzelne Personen oder Familien, helfen im Alltag.

„Die Ehrenamtlichen leisten eine tolle Arbeit, zeigen den Flüchtlingen, wie man einkauft, wo es Ärzte gibt, wo man Sport machen oder Deutsch lernen kann“, lobt Sabine Rutsch vom Fachdienst Soziale Hilfen, die von Amt her zuständig ist. Das Amt organisiert den Schulbesuch in Glinde oder Reinbek, wo es Förderklassen für die Neulinge gibt, die erstmal Deutsch lernen müssen. Mit Bussen oder Taxis werden die Kinder zur Schule gebracht, bis sie nach ein bis zwei Jahren die Regelschulen in Trittau besuchen können.

Derzeit werden 65 Personen im Amt Trittau betreut. Im nächsten Jahr werden 92 Neuzugänge erwartet. „Wir brauchen dringend Wohnraum“, appelliert Rutsch an alle Bürger, „und auch noch mehr Helfer“. Ebenso freut sich die Fahrradwerkstatt über weitere Drahtesel, aber auch über Schutzhelme. Die Fahrradwerkstatt nimmt ihre Arbeit im April wieder auf.

>Auskünfte erteilt Sabine Rutsch unter 04154/807945.

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