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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 06:37 Uhr

Mit 70 ist endgültig Schluss

vom

Ortwin Jahnke, war 23 Jahre Bürgermeister in Braak und 19 Jahre Amtsvorsteher in Siek

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Braak | Es ist ein guter Zeitpunkt zum Aufhören. "Wir sind für die Zukunft gerüstet", sagt Ortwin Jahnke. Seit 1990 ist er Bürgermeister von Braak, seit 1994 Vorsteher der Amtsverwaltung in Siek. Mit 70 Jahren - den Geburtstag hat er kürzlich gefeiert - wollte er nicht noch mal antreten. "Ich hätte weitermachen können, aber ich habe immer gesagt, dass spätestens mit 70 Schluss ist", sagt Jahnke.

1974 war er nach Braak gezogen, acht Jahre später zog er für die CDU in die Gemeindevertretung ein, ebenso wie Bernd Menzel und sein Stellvertreter Sönke Diekmann von der BBV. "Wir haben zu dritt begonnen und hören zu dritt auf", sagt Jahnke. Damals hatte Braak 550 Einwohner, war arm und allenfalls für eine zerstrittene Gemeindevertretung bekannt. 30 Jahre später sind es 870 Einwohner und "wenn wir uns etwas leisten wollen, können wir es, ohne jemanden zu fragen". Zum Beispiel das Grundstück der ehemaligen Bauernschänke in der Ortsmitte, ein Schandfleck in der Ortsmitte. Jetzt stehen dort drei schmucke Mehrfamilienhäuser.

Auch in Kiel kennt man die kleine Stormarner Gemeinde mittlerweile. Schuld daran sind die Gewerbegebiete. Nachdem Bluda - Blumen durch Abwärme (von der MVA Stapelfeld) - 1998 pleite ging, wurde daraus das erste interkommunale Gewerbegebiet Schleswig-Holsteins. "Wir wollten erst nur ein kleines Gebiet, aber dann hat Kiel gesagt, entweder wird es gleich groß oder nie etwas", erinnert sich Jahnke.

Damals gab es in der Gemeinde durchaus Bedenken, und es war eine knappe Entscheidung. Was damals schnell ging, sollte bei der Erweiterung des Gewerbegebiets lange dauern. "Die Landesplanung hat nur gemauert", sagt Jahnke, "ich wollte schon alles hinschmeißen". Erst als er nach immer neuen Verzögerungen den damaligen Innenminister Klaus Schlie einschaltete, ging es plötzlich.

Damit ist gesichert, dass die Gewerbesteuereinnahmen auch in Zukunft fließen werden. Kanalisation, Gehwege und Straßenbeleuchtung hat Braak auf Vordermann gebracht, die Feuerwehr ist gut ausgerüstet, und zur 750-Jahr-Feier im Jahr 2000 hatte man alle Einwohner eingeladen. "Es waren mehr als 600 Menschen beim Gottesdienst im Zelt und beim Büfett, also das ganze Dorf. Das war eine tolle Sache, ein Bild für die Götter", sagt Jahnke, den der Kreis- oder der Landtag nie gereizt haben: "Kommunalpolitik ist das, was man vor Ort entscheiden kann. Und da bekommt man die Reaktion direkt von den Bürgern."

Die hat er wann immer möglich, möglichst früh informiert und eingebunden, seine Berichte in den Sitzungen oft so ausführlich gehalten, dass die Kollegen schon fast genervt waren. Und vier bis fünf Mal im Jahr meldete er sich per Bürgerbrief bei den Braakern. Da ist es nicht nur ein Spruch, wenn Jahnke sagt: "Bei uns im Dorf weiß jeder Bescheid."

Nur Freude haben ihm die Ehrenämter allerdings nicht gebracht, an die Nieren ging Jahnke die so genannte "Affäre Schwab". Kreis und Staatsanwaltschaft ermittelten 2005 gegen den damaligen Amtsleiter, der zeitweise suspendiert war. Als formal Dienstvorgesetzter musste Jahnke ein Disziplinarverfahren gegen den Mann betreiben, mit dem er viele Jahre eng zusammengearbeitet hatte.

"Ohne die besonnene Herangehensweise der Mehrheit im Amtsausschuss wäre das Amt Siek zerbrochen, aber wir haben die Kurve bekommen", sagt Jahnke, für den das Aufgeben nie eine Alternative war: "Weglaufen ist nicht meine Art. Wer entscheidet, macht Fehler. Das ist aber besser, als keine Entscheidung zu treffen." So kann er auch ohne Zorn zurückblicken: "Uwe Schwab hat viele positive Anstöße im Amt gegeben."

Dass das kleinste Stormarner Amt das erste Bürgerbüro im Land hatte, ist Geschichte. Dass die Verwaltung und Braak gerade ihre Eröffnungsbilanz für die doppische Haushaltsführung genehmigt bekommen haben, kann sich Jahnke noch mit auf die Fahne schreiben, fortführen müssen das andere.

Die konstituierende Sitzung der Amtsausschusses am 20. Juni ist die letzte, die Jahnke leiten wird. Dann ist endlich Zeit, die Bücher zu lesen, die sich bei ihm gestapelt haben, und auf Urlaubsreisen mit seiner Frau gehen. "Die hat mir immer den Rücken freigehalten." Und die Enkeltochter ist mit anderthalb auch schon in dem Alter für Ferien mit den Großeltern. Viel zu tun also. Wenn man ihn um Rat fragt, sagt Jahnke, "werde ich sicherlich helfen", aber einmischen in die Politik will er sich nicht mehr.

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