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Ahrensburg : Missbrauch: Wie ein Neuanfang gelingen kann

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bei einer Diskussion im Peter-Rantzau-Haus über sexuellen Missbrauch und den Bericht der Untersuchungskommission wurden mögliche Wege aufgezeigt.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Ein gemeinsamer Neuanfang für die evangelische Kirchengemeinde Ahrensburg rückt näher. Das ist zumindest der Wunsch aller Teilnehmer einer Diskussion im Peter-Rantzau-Haus. Hintergrund war der kürzlich vorgelegte Untersuchungsbericht über sexuellen Missbrauch in der Kirchengemeinde.

Bei der Präsentation am 16. Oktober hätten die Kirchenvertreter klare Vorteile durch ihren Wissensvorsprung gehabt, kritisierte Anselm Kohn von der Initiative gegen Missbrauch: „Wir hatten nur zwei Tage Zeit, um diese 500 Seiten zu lesen.“Er setzt sich für die weitere Aufarbeitung ein: „Das wird sich noch lange hinziehen“, aber nur so sei ein Neuanfang möglich, für auch die Kirchenleitung gefordert sei.

„Sie muss lernen, mit uns zu reden“, sagte ein Teilnehmer, weiterer Veranstaltungen müssten folgen. „Die Strukturen sind nicht so demokratisch, wie man uns weismachen will“, sagte Dr. Klaus Tuch. Der Umgang mit den Missbrauchsopfern sei noch immer nicht ausreichend, kritisierte Hans-Peter Hansen: „Die Kirchengemeinde muss stärker eingebunden werden.“ Das eigentliche Problem sei, dass die Leitung die Verbindung zum Kirchenvolk verloren habe.

Der Graben zwischen Gemeinde und Kirchenleitung auf der einen und den Aktivisten der Mahnwache auf der anderen Seite sei nach wie vor tief. „Wir wurden als aggressive Gruppe bezeichnet, dabei haben wir immer nur das sachliche Gespräch gesucht“, sagte Wolfgang Meichßner. Diese „Wand“ müsse endlich durchbrochen werden.

1999 war im Kirchenvorstand bekannt geworden, dass Missbrauchsvorwürfe aus der Vergangenheit geben. An die Öffentlichkeit drang nichts. Sigrid Steinweg war damals dabei und hatte die Sitzung protokolliert. „Ich bin immer wieder abgewimmelt worden“, sagt sie. Weil es um strafbare Handlungen ging, habe eine anwesende Polizistin die Sitzung zeitweise verlassen. „Alle haben lange dichtgehalten“, so eine Teilnehmerin.

Die Empfehlungen des Untersuchungsberichts müssten abgearbeitet werden, fordert Tuch: „Dazu gehört das Auswechseln des Personals, die Initiative dafür muss von der Gemeinde ausgehen.“ Die schotte sich aber bisher ab. „Das muss im Bewusstsein dieser Stadt bleiben.“

Das Wir-Gefühl in der Gemeinde sei noch nicht ausreichend, so Hansen. Sie müsse als Kontrollgremium für die Umsetzung der Empfehlungen fungieren und den Finger in die Wunde legen. „Es wäre super, wenn wir uns alle wieder zusammenfinden und Spaltungen vermeiden“, resümierte Kohn, der auch sagte, dass sich noch immer weitere Betroffene meldeten.

Die Vorschläge, Wünsche und Anregungen der zu Beginn nur 20 Veranstaltungsteilnehmer wurden notiert und sollen im Internet zugänglich gemacht werden. Auch den gesamten Bericht will die Initiative veröffentlichen.

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