Missbrauch: Die Aufarbeitung geht jetzt erst richtig los

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31. Dezember 2012, 03:59 Uhr

Ahrensburg | Das Thema Missbrauch belastet Ahrensburg weiter. 2012 könnte sich aber als ein Jahr der Wende in der Aufarbeitung der Geschehnisse erweisen. Pastor Helgo Matthias Haak darf vor dem Kirchengericht in Altona über seine Erinnerungen sprechen. Bischöfin Kirsten Fehrs und Bischof Gerhard Ulrich bekannten sich am Palmsonntag in der Schlosskirche zur Mitverantwortung und baten um "Vergebung für das Unrecht, das ein Pastor angerichtet hat".

Sie räumten ein, dass die Dienstaufsicht "auf allen Ebenen versagt" hatte und kündigten das externe Expertengremium an, das das System Missbrauch untersuchen und sich mit der Frage der Opfer-Entschädigung befassen soll.

"Wir müssen den Opfern und Betroffenen nicht nur sagen, dass wir sie um Verzeihung bitten, sondern es auch wirklich zeigen", sagte Bischöfin Kirsten Fehrs bei der Amtseinfühung von Propst Hans-Jürgen Buhl, der in seiner Predigt ebenfalls nichts beschönigte.

Im Oktober legte die Krisen AG der Ahrensburger Kirchengemeinde ihre Zwischenbilanz vor. Seit Juni 2010 hatten sich die Mitglieder, Pastoren und Mitarbeiter getroffen. Der Name war Programm: "Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung des Themas sexueller Missbrauch". Eindeutige Antwort hat man nach zweieinviertel Jahren nicht gefunden, aber es gebe inzwischen eine größere Offenheit, sich dem Thema zu stellen, sagte Pastor Detlev Paschen. Dass sich so etwas auch heute wiederholen könnte, wollte niemand aus der Krisen AG ausschließen.

Überhaupt nicht einverstanden waren Kirche und Opferverein mit dem "Freispruch" im Disziplinarverfahren gegen Pastor i. R. Friedrich H. (71). Ihm wird vorgeworfen, den sexuellen Missbrauch durch seinen Kollegen vertuscht und seinerseits junge Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Das Landeskirchenamt hatte wegen schwerwiegender Amtspflichtverletzungen eine Entfernung aus dem Dienst beantragt. Das Kirchengericht lehnte das aber als unverhältnismäßig ab, weil es auch den Verlust der Pensionsansprüche bedeutet hätte.

Die Einstellung des Verfahren stieß auf breite Ablehung und Unverständnis, auch Bischöfin Kirsten Fehrs und Bischof Gerhard Ulrich zeigten sich verwundert. Als die schriftliche Begründung vorlag, zögerte das Kirchenamt nicht lange. Weil nur der Beschuldigte, aber keine Zeugen gehört worden waren, müsse der Spruch aufgehoben und der Fall erneut verhandelt werden. Und zwar mit anderen Richtern.

Im Dezember hörte sich das externe Expertengremium erstmals Aussagen von Betroffenen und Zeugen in Ahrensburg an. Die Dipl.-Pädagogin Ursula Enders, Gründerin des Vereins "Zartbitter Köln", die Rechtsanwältin Petra Ladenburger aus Köln, die Rechtsanwältin Martina Lörsch aus Bonn sowie Dr. Dirk Bange aus der Hamburger Sozialbehörde wollen auch die Strukturen, die Kommunikations- und Verfahrenswege und das Verhalten der Funktionsträger analysieren.

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