Mini-Phänomenta begeistert Groß und Klein

Alles zum Anfassen: Ausstellungsleiter Sven Sommer und Marie (9) untersuchen die Kugelbahn.  Fotos: Schütt
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Alles zum Anfassen: Ausstellungsleiter Sven Sommer und Marie (9) untersuchen die Kugelbahn. Fotos: Schütt

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15. Mai 2009, 04:59 Uhr

Ahrensburg | Das hätten sich viele Eltern schon in ihrer Schulzeit gewünscht: kleine, einfach gebaute Experimente, die spielerisch und anschaulich in die Geheimnisse der Physik einführen. Wie die Wanderausstellung "Mini-Phänomenta", die gerade in der Ahrensburger Grundschule Am Reesenbüttel Schüler und Eltern in ihren Bann zieht - Wissenschaft zum Anfassen.

Das Konzept dahinter stammt von der Universität Flensburg und steht in Kontrast zu allem, was man gemeinhin mit Physik verbindet: komplizierte Formeln und trockene Mathematik. "Nein", sagt Sven Sommer, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Ausstellung betreut und darüber seine Doktorarbeit schreibt, "Physik ist zunächst einmal das Erleben und Beschreiben der Natur". Und genau das kann man hier beobachten: wie sich Schallwellen ausbreiten, welche Kräfte Wasser hat, wie ein Magnet wirkt oder einzelne Bilder durch Bewegung zu einem Film werden.

Solche Beobachtungen anschaulich zu präsentieren, hat in Flensburg schon vor fast 20 Jahren zur Gründung der Phänomenta geführt, einer Ausstellung von 150 interaktiven Experimentierstationen. Dieses erste Science Center in Deutschland ist Prof. Dr. Lutz Fiesser zu verdanken, der auch als Kopf hinter der Mini-Phänomenta steckt. Die Hoffnung, die er mit dieser Wanderausstellung für Lernanfänger verbindet, zielt auf eins der Kernprobleme in Deutschland: Es finden sich zu wenige junge Leute, die Ingenieur werden wollen. In einem Land ohne Rohstoffe ist das ein enormes Handicap im globalen Wettbewerb. Die Mini-Phänomenta soll für die Wunder der Natur begeistern und damit Vorurteile gegen vermeintlich langweilige oder schwierige Naturwissenschaften abbauen. Ganz wesentlich ist dabei der Einfluss der Eltern, denn, wie Lehrerin Hildegard Schön weiß, "wenn die Eltern solche Konzepte mittragen, verstärkt das nachhaltig Lernbereitschaft und Lernerfolg".

Deshalb setzen die Ausstellungsmacher auf die Mitarbeit der Eltern. Immer dort, wo die Mini-Phänomenta Station macht - deutschlandweit inzwischen an über 2500 Schulen - sind die Eltern gefordert, die Exponate in Arbeitsgruppen nachzubauen. Das verlangt keine handwerkliche Meisterschaft und auch der zeitliche Aufwand bleibt überschaubar. Hilfestellung geben drei Lehrer, die wie Hildegard Schön vorab in einem Vorbereitungsseminar in das Konzept der Mini-Phänomenta eingeführt worden waren. Für die Materialbeschaffung stellt der Lions Club Ahrensburg 1000 Euro zur Verfügung.

Wenn die Ausstellung in zwei Wochen weiterzieht, wird der Kontakt zu Sven Sommer jedoch nicht abreißen. Er wird für seine Studie in bestimmten Abständen zurückkehren und Eltern und Schüler befragen, um herauszufinden, ob und wie sich ihre Einstellung zur Physik geändert hat. So begeistert die Kinder am Präsentationsabend die Experimentierstationen umlagerten, wird der Doktorand Superergebnisse aus Ahrensburg mitnehmen.

Nähere Informationen im Internet unter: www.miniphaenomenta.de

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