Trittau : Mili: Schluss mit der (M)eierei

Wie die Ökomilch in die Tüte kommt, erklärte Heinz Elfenkämper-Rayman (r.)  auch Besuchern.
Wie die Ökomilch in die Tüte kommt, erklärte Heinz Elfenkämper-Rayman (r.) auch Besuchern.

Das Ende der traditionsreichen Mili-Meierei in Trittau ist besiegelt. "In diesem Jahr wird das Gelände verkauft", sagt Geschäftsführer Heiko Maschmann. An wen, ist noch unklar.

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06. Januar 2011, 08:16 Uhr

Trittau | Das Ende der 1893 gegründeten Genossenschaftsmeierei Meierei Mili in Trittau ist besiegelt. "In diesem Jahr wird das Gelände verkauft", sagt Geschäftsführer Heiko Maschmann. An wen, ist noch unklar. Interesse an dem Grundstück in der Trittauer Ortsmitte haben viele. Neben der Famila Handelsmarkt Kiel GmbH, die bei Schekahn Invest GmbH & Co. KG eingestiegen ist, sind das auch die 36 Bio-Bauern unter den rund 120 Mili-Genossen.
Sie wollen mit ihrer erfolgreichen Marke "Hamfelder Hof" gerne unabhängig bleiben und eine eigene Meierei bauen. Möglichst in Hamfelde, aber die Öko-Bauern haben sich vorsorglich auch einen Standort in Trittau im Gewerbegebiet reservieren lassen. Bis die eigene Meierei steht, könnte man übergangsweise die Trittauer Meierei nutzen, so die Überlegungen von Heinz Elfenkämper-Rayman vom Hamfelder Hof: "Wir werden ein Kaufangebot machen, können es aber auch pachten. Das muss man in den Verhandlungen sehen."
"Größe allein hilft niemanden"
Heinz Elfenkämper-Rayman rechnet mit einer Übergangszeit von zwei Jahren. Die Pläne von Famila würde das kaum behindern. "Zwei Jahre sind auch eine Zeit, die wir für die Planung brauchen", sagt Trittaus Bürgermeister Walter Nussel. Die Mili-Anlagen dort sind auf dem aktuellen Stand und könnten 50 Millionen Liter im Jahr produzieren. Mehr als 16 Millionen Liter verlassen aber schon länger nicht mehr die Meierei. Die 36 Bio-Bauern liefern gerade mal sechs Millionen Liter an.
Hat in Zeiten, in denen Hansano mit dem skandinavischen Arla-Konzern zusammengehen möchte und Supermärkte immer mehr Bio-Produkte anbieten, eine Mini-Molkerei überhaupt ein Chance? "Größe allein hilft niemanden, weder den Landwirten, noch den Angestellten oder den Verbrauchern", sagt Heinz Elfenkämper-Rayman, "und Bio ohne Herkunft ist etwas ganz anderes. Wir sind in einer Nische und wollen auch gar nicht so groß werden".
"Mili hätte eine Chance gehabt, wenn man sich um die Märkte gekümmert hätte"
36 Biobauern aus einem Gebiet 120 Kilometer um Trittau liefern für die Hamfelder Milch, und "fast alle wollen mitmachen" beim Bau einer eigenen Meierei mit einer Kapazität von zehn Millionen Litern. Die Unternehmensform solle eine GmbH sein, von einer Genossenschaft will Heinz Elfenkämper-Rayman nichts mehr wissen: "Mili hätte eine Chance gehabt, wenn man sich um die Märkte gekümmert hätte. Aber in einer Genossenschaft sind die Entscheidungswege viel zu lang." Vor einem Jahr hatte Hansano die Meierei Trittau übernommen. Von den ehemals 50 Mitarbeitern hatten Ende 2009 bereits 30 gehen müssen. Mit dem Einstieg verschwand auch die Mili-Milch vom Markt. Sie wurde mit der Maxifrischen von Hansano zur "Weidemilch".
Das absehbare Ende der Meierei-Geschichte auf einem großen, zentralen Grundstück mitten in Trittau hatte natürlich auch die Fantasie der Investoren beflügelte. 2009 hat sich Manfred Schekahn für 1,5 Hektar des Mili-Geländes Richtung Schützenplatz ein Ankaufsrecht gesichert. Damals mit der procom, nach deren Ausstieg nun Familia eingestiegen ist. Wirklich verkauft, so Bürgermeister Walter Nussel, sei allerdings noch nichts.
Die Famila-Handelsgesellschaft plant, in der Trittauer Ortsmitte einen Fachmarkt oder ein Einkaufszentrum zu eröffnen. Was dann aus dem Markt in der Nikolaus-Otto-Straße werden soll, ist offen.

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