"Milchkrise fordert dazu auf, kreativ zu werden"

Landwirt Claus Delfs: 'Wir müssen uns dem Markt stellen.'
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Landwirt Claus Delfs: "Wir müssen uns dem Markt stellen."

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15. Juni 2009, 09:29 Uhr

Reinfeld | 240 prozentige Selbstversorgung mit Milch in Schleswig-Holstein, Milchpreise, die derzeit auf dem Tiefstand von 18 bis 22 Cent angekommen sind, Ersatzstoffe, die die Milch im Käse verdrängen und Kunden, die zur billigen Milch statt zu der der heimischen Erzeuger greifen. Vor diesem Hintergrund lud der Kreislandfrauenverband Stormarn zu einer Podiumsdiskussion nach Reinfeld ein. Und die Fragen, die aus dem Publikum kamen - gut 70 Interessierte hatten sich in der Gaststätte Kalkgraben versammelt - bestätigten, dass es sowohl Informations- als auch Diskussionsbedarf gibt.

Annette Röttger, die als Landfrau und Oecotrophologin im Podium saß, appellierte angesichts der Absatzschwierigkeiten für Milch: "Die Krise fordert dazu auf, kreativ zu werden". So habe Schleswig-Holstein Nachholbedarf, wenn es um die Werbung für heimische Produkte gehe. Um das Konsumverhalten zu ändern, sei es auch nötig, ungewohnte Wege zu gehen. "Warum regen wir nicht an, das Menschen die Patenschaft über eine Kuh übernehmen?" Und Ilse Fischer, Vorsitzende der Verbrauchergemeinschaft Stormarn, verwies unter anderem darauf, dass es eine gute Idee sei, Schulmilch zu verteilen. Erstaunt waren die beiden Frauen, aber auch die Herren im Podium - Peter Lüschow, Milchviehhalter und Vizepräsident des Bauernverbandes, Matthias Görtz, Milchviehhalter und Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Joachim Schulte, stellvertretender Geschäftsführer der Meierei Trittau und Moderator Ernst Walter Meyer - über die Frage, ob es denn Käse aus Schleswig-Holstein gebe. Dazu konnten gleich mehrere Produktnamen aufgezählt werden. Hinzu kam der Hinweis auf die schleswig-holsteinische Käsestraße.

Ganz so leicht fiel die Antwort allerdings nicht auf alle Fragen. Landwirt Friedrich Klose aus Trittau fragte, warum die Meiereien in Schleswig-Holstein noch immer nicht zusammenarbeiteten? Joachim Schulte musste einräumen, dass die Bemühungen dazu bisher gescheitert seien. Peter Lüschow betonte, dass der Bauernverband alle Meiereien in den Milchausschuss eingeladen und aufgefordert habe, enger zusammenzuarbeiten.

Gerda Lohse, Altenteilerin eines Milchviehbetriebes aus Bargteheide, wollte wissen: "Werden Bauernverband und BDM gemeinsam etwas unternehmen, um aus der Krise herauszukommen?"

Die Vertreter der beiden Verbände, Peter Lüschow und Matthias Görtz ließen die unterschiedlichen Standpunkte erkennen. Während Matthias Görtz (BDM) an die Solidarität unter den Milchbauern appellierte und für das gleichmäßig auf alle verteilte "Herunterfahren der Menge" plädierte, stellte Peter Lüschow klar: "Wir wollen als Bauernverband keine Hoffnungen wecken, die niemand erfüllen kann, sondern unseren Mitgliedern reinen Wein einschenken. Wir werden uns dem Markt stellen müssen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, für günstige Rahmenbedingungen wie die Wettbewerbsgleichheit in Europa einzutreten."

Milchviehhalter Claus Delfs aus Timmaspe stimmte Lüschow zu: "Wir wollen den freien Markt ohne Quoten. Dann müssen wir uns dem Markt stellen. Wer zu teuer produziert, wird durch das Sieb fallen. So ist das nun mal."

Für Landwirt Albert Stapelfeldt aus Rethwisch blieb trotzdem der entscheidende Widerspruch: "Wir produzieren zu viel Milch, und die Endverbraucher trinken zu wenig Milch. Und schließlich kann der Verbraucher ja nicht in Milch baden!" Und Peter Lüschow stellte fest: "Wir müssen uns auch als Bauern besser darum kümmern, dass die Milch gut vermarktet wird."

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