Wieder eine Hofmeierei im Kreis Stormarn : Milch – so wie sie früher allen schmeckte

Maike Hinsch füllt die frische Seefelder Landmilch in spezielle Pfandflaschen ab.
Foto:
1 von 2
Maike Hinsch füllt die frische Seefelder Landmilch in spezielle Pfandflaschen ab.

In Seefeld wird Milch abgefüllt, zu Joghurt verarbeitet und auch verkauft. Dirk und Maike Hinsch haben im Oldesloer Ortsteil ihr Zukunftsprojekt in die Tat umgesetzt.

Andreas Olbertz. von
17. Mai 2015, 16:00 Uhr

„Jetzt ist die Sache runder geworden“, befindet Landwirt Dirk Hinsch: „Drüben wird gemolken und hier veredelt. Jetzt schwimmen wir nicht mehr so mit der Masse.“ Zusammen mit seiner Frau hat Hinsch in Seefeld eine eigene Hofmeierei eröffnet. Dort wird Milch abgefüllt, zu Joghurt verarbeitet und auch verkauft.

Treibende Kraft hinter dem Projekt war Maike Hinsch. „Man macht sich viele Gedanken über die Zukunft“, erzählt sie. Der Hinsch-Hof in Seefeld wird in der dritten Generation betrieben. Maike Hinsch: „Wachstum über Masse war für uns nie das Ziel.“ Zu Zeiten der Milchquote war das auch schwierig. Bei deren Einführung vor rund 30 Jahren bekam der Betrieb 200  000 Liter zugesprochen. „Die Produktion wird staatlich begrenzt, aber alle Kosten orientieren sich an den Marktpreisen“, schildert sich die Probleme. Wer mehr will muss Land und Quote zukaufen. Für Ehepaar Hinsch keine echte Option. „Wir bleiben Familienbetrieb und können das nicht mitmachen“, so Maike Hinsch. „In Krisenzeiten haben wir für den Liter Milch nur 20 Cent bekommen. Das mit der Quote hat nix gebracht“, ergänzt ihr Mann. Jetzt ist die Milchquote weg und der freie Markt regiert.

Für ihre Zukunftsüberlegungen stellte Maike Hinsch drei Kriterien auf: Der Betrieb soll erhalten werden, es soll mindestens ein Arbeitsplatz für sie entstehen und am Ende mehr Wertschöpfung erfolgen. Sehr schnell kommt man dann zu der Frage: „Was können wir mit unserem Rohstoff machen?“, so Maike Hinsch, die privat schon lange selber Joghurt herstellt. Eine eigene Hofmeierei, die erste in Stormarn, ist dann der logische nächste Schritt.

Drei Jahre Vorbereitung stecken in dem Projekt – in erster Linie war das viel Recherche bei Kollegen in anderen Regionen. Aber dabei beließ es Maike Hinsch nicht. Sie stammt zwar aus der Landwirtschaft, hat aber Pharmazeutisch-Technische-Assistentin (PTA) gelernt. Zwei Jahre bildete sie sich zur Wirtschaftsfachwirtin fort und kam im Rahmen der Ausbildung zu der Erkenntnis: „Wir können das umsetzen!“ Was folgte war der Milchsachkunde-Nachweis und ein zusätzlicher Joghurtkursus beim Dachverband, dem Verein für handwerkliche Milchverarbeitung.

Aber auch die baulichen Voraussetzungen mussten geschaffen werden. Dirk Hinsch stapelt tief: „Im Prinzip ist das nur eine Holzhalle, die wir drinnen ausgebaut haben.“ Ganz problemlos lief das aber nicht. „Wir mussten Lehrgeld zahlen“, räumt die Bauersfrau ein: „Hinterher ist man halt immer schlauer.“ In einer Meierei ist Hygiene extrem wichtig. Da kommt den Fußboden eine besondere Bedeutung zu. „Der muss akurat gearbeitet werden. Wir sind leider an eine Firma geraten, die es nicht konnte“, sagt die Milchexpertin. Die behördliche Zulassung ließ ebenfalls länger auf sich warten als ursprünglich gedacht. Doch jetzt geht der Betrieb richtig los.

Die „Seefelder Landmilch“ wird im mobilen Behälter von der Melkkammer direkt zur Meierei gerollt. Bei 72,5 Grad wird die Rohmilch 20 Sekunden pasteurisiert, gleich wieder heruntergekühlt und abgefüllt. „Wir verzichten bewusst auf eine weitere Behandlung, um den ursprünglichen Geschmack zu behalten. Unsere Milch schmeckt dadurch noch wie früher.“ Auch der Fettgehalt bleibt naturbelassen. 3,8 Prozent kann Maike Hinsch garantieren, momentan hat sie vier – „das macht den rahmigen Geschmack aus.“

Neben der Milch gibt es Joghurt aus eigener Herstellung: Natur oder mit Fruchtgeschmack. Die benötigten Fruchtzubereitungen stellt Maike Hinsch nicht selber her. Sie geht davon aus, dass die Kunden einen gleichbleibenden Geschmack erwarten und vor allem eine ganzjährige Verfügbarkeit. Das kann sie allein nicht gewährleisten. Deshalb machte sie sich auf die Suche nach einem guten Lieferanten für Fruchtzubereitungen, die keine Zusätze enthalten, „nicht totgekocht sind und trotzdem lecker schmecken“. Geplant ist, sechs Stamm- sowie jeweils eine Überraschungsorte im Angebot zu haben. Für die Zukunft ist geplant, eventuell auch würzige Dips herzustellen oder Desserts auf Joghurtbasis. Quark könnte ebenfalls produziert werden. Käse allerdings nicht, dafür wäre ein zusätzlicher Reiferaum notwendig. Maike Hinsch überlegt, ihre Milch von einer mobilen Käserei verarbeiten zu lassen – Zukunftspläne.

Um die Frische garantieren zu können und möglichst wenig abgelaufene Ware entsorgen zu müssen, werden die Produkte fast ausschließlich auf Bestellung produziert. Das Angebot im eigenen Hofladen ist deshalb bei Spontankäufen unter Umständen begrenzt. Einzelbestellungen oder Abos können über den Online-Shop aufgegeben werden. In einem 15-Kilometer-Radius liefert Maike Hinsch die Bestellungen dann im Kühlwagen aus. Außerdem ist geplant, Gastronomiebetrieben zu versorgen, ausgesuchte Hofläden und spezielle Wiederverkäufer.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen