Bad Oldesloe : Methadon-Vergiftung: Kleinkind in Hamburger Klinik

Ein 19 Monate alter Junge muss mit einer Methadon-Vergiftung in eine Hamburger Klinik eingeliefert werden. Der Vater hatte die Lösung auf dem Küchentisch vergessen.

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20. Januar 2015, 13:03 Uhr

Bad Oldesloe | Mit einer lebensgefährlichen Methadon-Vergiftung musste am Sonnabend ein Kleinkind aus Bad Oldesloe auf die Intensivstation eines Hamburger Kinderkrankenhauses gebracht werden. Der 19 Monate alte Junge hatte den Rest der von seinem Vater angesetzten Mixtur in der Wohnung seiner Mutter am Schanzenbarg getrunken.

Die 37-Jährige reagierte sofort und alarmierte den Rettungswagen, der den Jungen aufgrund von Vergiftungserscheinungen nach Hamburg fuhr. Der Zustand des Anderthalbjährigen ist nach Auskunft von Stormarns Jugendamtsleiter Wilhelm Hegermann stabil. Das Kind sei inzwischen außer Lebensgefahr, werde aber noch immer in der Klinik behandelt, sagte auch eine Polizeisprecherin.

Der 55-jährige Vater des Jungen, der allein lebt, war früher heroinabhängig und wird mit der Ersatzdroge Methadon versorgt.

Bei seinem Besuch in der Wohnung der Mutter hatte er sich eine Methadon-Mischung angesetzt und auf dem Küchentisch stehen lassen. Der Junge trank den Rest offenbar in einem unbeobachteten Moment aus. „Das ist natürlich völlig inakzeptabel“, sagt Hegermann, „anscheinend blieb das Glas mit dem Methadon eine ganze Zeit auf dem Küchentisch stehen.“ Der Kreis hat bereits das Familiengericht angerufen. Hegermann: „Wir sind der Auffassung, dass ein Kontakt des Vaters zu seinem Kind gewandt zurzeit gar nicht stattfinden sollte.“ Gegen die Mutter geht der Kreis nicht vor: „Sie hat umsichtig gehandelt und damit Schlimmeres verhindert.“

Eine Ähnlichkeit mit dem Fall der verstorbenen Chantal aus Hamburg, deren Pflegeeltern regelmäßig Methadon nahmen, sieht Hegermann nicht. „Das war eher ein Unfall, wie er im Haushalt auch mit anderen Substanzen passieren kann. Das ist nie ganz zu verhindern.“

Methadon wird in der Drogentherapie eingesetzt, um die Entzugssymptome zu unterdrücken. Die Wirkung ähnelt der von Morphium. Es wird als Saft getrunken, sodass es keine Ansteckungsgefahr mit Aids oder Hepatitis durch nicht sterile Spritzen gibt. Die vom Arzt verschriebene Ersatzdroge soll Suchtkranken helfen, aus der Beschaffungskriminalität herauszufinden und ein weitgehend normales Leben zu führen.

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