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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 12:50 Uhr

Messerstich unter Dusche

vom

Mordversuch oder Affekt - Bargteheider wegen Bluttat vor Gericht

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Bargteheide | War es Mordversuch oder "nur" versuchter Totschlag im Affekt? Ein 68-jähriger Bargteheider hatte seine Ehefrau vergangenen November mit einem Messer schwer verletzt. Sie überlebte vermutlich nur, weil sie sich tot stellte. Dafür muss er sich jetzt vor Gericht verantworten.

Braun gebrannt ist der hagere Angeklagte, obwohl er schon seit der Tat am 13. November in Untersuchungshaft sitzt. Er besitzt ein Appartement auf Mallorca und hat sich meist dort aufgehalten. Am Strand lernte er vor fünf Jahren auch seine spätere Ehefrau kennen. In Bargteheide kauften sie sich eine Zweizimmerwohnung im Neubaugebiet an der Kornmühle. Dort geschah auch die Bluttat.

"Ich bin morgens aus dem Bett direkt in die Dusche gegangen", erzählte das Opfer Sie habe nichts Böses geahnt. Plötzlich sei ihr Mann mit einem Küchenmesser hereingestürmt. Er versetzte ihr einen 31 Zentimeter langen Schnitt in den Unter- und Oberbauch. "Lass mich doch am Leben", flehte sie ihn an. Doch er warf sich auf sie, schlug ihren Kopf auf den Boden und begann, sie zu würgen.

Als sie sich tot stellte, ließ er von ihr ab. Die Frau gelangte noch, bis zur Wohnungstür und konnte um Hilfe rufen. Nachbarn alarmierten die Polizei. Der Anblick, der sich den Beamten bot, muss schlimm gewesen sein. "Dieser Einsatz hat alles übertroffen, was ich bisher erlebt habe", sagte ein Bargteheider Polizist als Zeuge aus. Erst nachdem das Opfer medizinisch versorgt war, wendete er sich dem Angeklagten zu. Dabei entdeckte der Polizist, wie der das Tatmesser mit einem Tuch reinigte. "Lass das Messer los", schrie er ihn an, was auch geschah.

"Er saß auf einem Stuhl, trank aus einem Becher Kaffee und rauchte", erinnerte sich der Beamte. Der Mann habe gleichgültig und apathisch gewirkt. Erst jetzt bemerkten der Ordnungshüter, dass auch der Mann verletzt war. Zwei Stichwunden waren in seiner Brust. Wie sie zustande kamen, konnte bisher noch nicht geklärt werden.

Zu Beginn der Beziehung war alles eitel Sonnenschein. Das Paar verliebte sich auf der Urlaubsinsel, heiratete vor vier Jahren und erwarb die Wohnung in Bargteheide. Es folgten Vorwürfe und Herabsetzungen. "Er sagte, er habe mich aus der Gosse geholt", berichtete die 63-jährige gelernte Zahntechnikerin. Das Verhältnis zu ihrem Mann sei von Angst und Kälte geprägt gewesen. Sie sei von ihm immer wieder gedemütigt worden, zuletzt habe er ihr sogar die Wohnungsschlüssel abgenommen. Wegen des andauernden Psychoterrors habe sie schließlich die Scheidung eingereicht. Zwei Tage vor der Tat präsentierte sie ihrem Mann das Anwaltsschreiben.

Auch sein Mandant habe die Ehe zuletzt als unglücklich empfunden, so Christian Schumacher, einer seiner beiden Anwälte: "Wegen jeder Kleinigkeit ist sie aus der Haut gefahren und war nicht zu beruhigen."

Der Mann auf der Anklagebank weint wiederholt, verbirgt das Gesicht hinter seinen Händen. Mitunter huscht aber auch ein sarkastisches Lächeln kurz über sein Gesicht. Er will zunächst schweigen. Nach Angaben seiner Verteidiger wird er erst nach der Verlesung des psychiatrischen Gutachtens aussagen. Sie plädieren auf eine spontane Affekttat. Die Staatsanwaltschaft geht von Mordversuch aus.

Fünf weitere Verhandlungstermine sind geplant.

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