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Bad Oldesloe : Messerstecher muss sieben Jahre hinter Gitter

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Flüchtling aus Bad Oldesloe, der einen Mitbewohner erstochen hatte, ist wegen Totschlags verurteilt worden. Er muss für sieben Jahre ins Gefängnis.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 06:00 Uhr

Beim Strafmaß für die tödliche Messerattacke vor dem Obdachlosenheim in der Oldesloer Mommsenstraße bleibt das Gericht nah an der Forderung von Staatsanwältin Ann-Sofie Portius, die in ihrem Plädoyer sieben Jahre und sechs Monate wegen Totschlags gefordert hatte. Die Strafkammer sieht ein bedingtes Tötungsdelikt als erwiesen an und verurteilt den aus Afghanistan stammenden und im Iran aufgewachsenen Angeklagten Mahmod K. zu sieben Jahren Haft wegen Totschlags. Während der Vorsitzende Richter Christian Singelmann die Urteilsbegründung vorliest, hält der 22-jährige Täter den Kopf gesenkt, bleibt ruhig. Erst am Ende des Prozesstages bricht er in Tränen aus. Sein Dolmetscher übersetzt ihm simultan Wort für Wort ins Persische.

Zwei Zeugen hatten die Tat beobachtet und konnten genaue Angaben zum Tathergang machen. Auf ihre Aussagen stützt sich der Richter in seiner Urteilsverkündung. Täter und Opfer bewohnten ein Zimmer im Obdachlosenheim. Das spätere Opfer, ein 22-jähriger Flüchtling aus dem Irak, und der Angeklagte hätten sich nicht leiden können, so dass der Iraker nur noch sporadisch dort aufgetaucht sei, um seine Post zu holen. Am Tattag im Februar sei es wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Ein Zimmernachbar habe von „ständigem Halligalli“ und einer enormen Lautstärke im Zimmer des Angeklagten gesprochen. Auch am 19. Februar sei es extrem laut gewesen, er habe nachgeschaut und die beiden Streithähne ineinander verkeilt vorgefunden. Er habe sie getrennt, doch der Angeklagte habe sich weiter an der Kleidung des Irakers festgehalten, mit einem Aschenbecher und einer Bratpfanne nach ihm geworfen. Schließlich habe der Bewohner ihn festgehalten, so dass der Iraker aus dem Haus flüchten konnte. Der Angeklagte habe sich jedoch nicht beruhigt und sich wie von Sinnen losgerissen, habe ein 20 Zentimeter langes Steakmesser gegriffen und ihn verfolgt. Vor dem Haus habe die im Auto wartende Betreuerin beobachtet, wie Mahmod K. sich noch im Laufen mit dem Messer vor sich „förmlich auf den Gestolperten raufgeschmissen“ habe. Es habe wie eine Flucht (nur mit Boxershorts bekleidet) gewirkt. Eine der beiden ihm zugefügten Stichwunden in die Nähe der Halsschlagader sei tödlich gewesen.

Das Gericht ist sich sicher: Es war kein Unfall, sondern ein zielgerichtetes Agieren. Der Richter kann keine spezifische Vorgeschichte der beiden Kontrahenten feststellen. „Sie mochten sich einfach nicht und kannten sich kaum“, sagt er. Das spätere Opfer sei in einem „unpassenden Moment“ aufgetaucht, der Angeklagte habe sich bei seinen Ausreisevorbereitungen gestört gefühlt. Für eine Affekthandlung läge keine typische Ausgangslage vor. Der Angeklagte habe weder Drogen genommen, noch habe er Erinnerungslücken oder gar einen Filmriss. Er habe auch nicht fassungslos nach der Tat gewirkt, sondern die Rettungsversuche von weitem beobachtet. Für den Angeklagten spreche, dass es sich um eine „eher spontane als geplante“ Tat handele, dass er teilgeständig sei, seine Tat bereue und diese ihn sehr belaste. Der „abgeschwächten Variante“ des Angeklagten, er sei über sein Opfer gestolpert und könne sich die tödliche Stichverletzung nicht erklären, schenkt das Gericht keinen Glauben. Es sei schon auffällig, dass sich Mahmod K. an alles bis auf die tödliche Verletzung erinnere. Er habe sich rächen wollen, habe jedoch nicht aus Vorsatz getötet, so Singelmann.

Ann-Sofie Portius geht nach diesem Urteil nicht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel einlegen wird. Verteidiger Ralf Wassermeyer zeigt sich ebenfalls nicht überrascht. Er hatte ein Strafmaß unter sechs Jahren gefordert. Seine Strafe wird Mahmod K. in Deutschland absitzen. Sein Verteidiger rechnet aber damit, dass er nach knapp über der Hälfte der Haftzeit – wie am Lübecker Landgericht üblich – in sein Heimatland Afghanistan abgeschoben wird.



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