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„Schiffer-Börse“ : Nach Hochwasser in Lauenburg: Lokal eingestürzt

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Der Besitzer hatte versäumt, das Gebälk zu reparieren. Die „Schiffer-Börse“ war erst seit vier Tagen wieder geöffnet.

Lauenburg/Elbe | Jetzt ist in Lauenburgs von Hochwasser geplagter Altstadt passiert, wovor Experten schon seit Jahren immer wieder warnten: Am beliebten Lokal „Schiffer-Börse“ an der Elbstraße ist am Freitagvormittag ein Teil der Fassade eingestürzt. Auf einer Fläche von mehreren Quadratmetern ist Mauerwerk eingebrochen, weil tragende Balken nicht mehr standsicher waren.

„Es sieht so aus, als könnten weitere Balken brechen, weil die gleichbleibende Last des Hauses natürlich jetzt von weniger Balken als bisher getragen werden muss“, erklärte Lauenburgs Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Die Stadt ordnete deshalb nach Rücksprache mit der Bauaufsicht des Kreises umgehend eine Ersatzvornahme an. Heißt: Die Stadt lässt das Haus durch Experten zunächst notdürftig gegen einen weiteren Einsturz sichern, der Besitzer der Immobilie muss die Aktion bezahlen. Die Elbstraße bleibt in Höhe der Hausnummer 82 vorerst für den Verkehr voll gesperrt, nur Fußgänger können passieren.

Yvonne Langrock und Karsten Neugebauer sind geschockt: Am Freitag stürzten Teile ihres gepachteten Lokals „Schiffer-Börse“ an der Lauenburger Elbstraße ein.
Yvonne Langrock und Karsten Neugebauer sind geschockt: Am Freitag stürzten Teile ihres gepachteten Lokals „Schiffer-Börse“ an der Lauenburger Elbstraße ein. Foto: Timo Jann

Dabei wollten die Pächter der „Schiffer-Börse“, Yvonne Langrock und Karsten Neugebauer, nach der letzten großen Flut vom Juni 2013 gerade wieder voll durchstarten. „Wir hatten nach der Sanierung gerade erst vier Tage wieder geöffnet“, berichtete Neugebauer am Freitag. Seiner Partnerin standen die Tränen in den Augen, sie saß frustriert auf einem Blumenkübel vor dem Eingang. Denn nach dem Teileinsturz sperrte die Stadt das Haus sofort, fünf Bewohner mussten drei Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss verlassen. Nieberg: „Wir müssen hier auf Nummer sicher gehen.“

Während der Flut 2013, die in Lauenburg mit 9,63 Metern den zweithöchsten Wert in der gut 800-jährigen Stadtgeschichte erreicht hatte, war die „Schiffer-Börse“ geflutet worden.

Mittags begutachtete Nieberg gemeinsam mit dem Statiker Siegfried Richter den Schaden. Richter empfahl die sofortige Sicherung, um einen weiteren Einsturz zu verhindern. Der betroffene Giebel zum Nachbarhaus sollte zur Seite und zur Front mit massiven Balken abgestützt werden. Schon 2014 hatte es nach einem Hochwasserschaden an einer Stützmauer des Objekts Ärger gegeben. Monatelang war die Elbuferpromenade nicht passierbar, weil der Besitzer die Mauer nicht umgehend sicherte.

„Der Hausbesitzer hatte ja nun wahrlich genug Zeit, die Schäden hier in Ordnung zu bringen“, ärgerte sich Neugebauer. Denn während die Wirte keinen Cent Wiederaufbauhilfe bekamen – der abschließende Bescheid war gerade in dieser Woche in der Post – soll der Hausbesitzer Geld aus dem Fonds von Bund und Ländern bekommen haben. Neugebauer: „Nur wird leider wohl nicht überprüft, wo dieses Geld bleibt. Zwar ist die Gaststube innen jetzt schön, aber am tragenden Gebälk wurde nichts gemacht.“

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erstellt am 10.Apr.2015 | 16:05 Uhr

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