Ahrensburg : Melancholie in Schwarz-Weiß

Digital gezeichnet: Der Hamburger Künstler Achim Hoops vor seinem Bild eines menschenleeren Gartens.  Fotos: niemeier
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Digital gezeichnet: Der Hamburger Künstler Achim Hoops vor seinem Bild eines menschenleeren Gartens. Fotos: niemeier

Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn präsentiert Ausstellung „Display von Achim Hoops.

shz.de von
09. Juni 2018, 05:00 Uhr

Dunkel scheint es im ersten Moment in der Galerie im Marstall zu sein, wenn der Besucher aus dem Tageslicht heraus in die Ausstellung „Display“ von Achim Hoops eintritt. Wenn sich das Auge an die Lichtverhältnisse gewöhnt hat, sind großflächige Bilder, im Schummerlicht an der Wand zu erkennen. Ein Flugzeug im Landeanflug, ein leerer Wartebereich, ein Gitter vor einer Wäscherei, ein menschenleerer Garten. Sind es Fotografien? Zeichnungen?

Im ersten Moment ist das nicht klar. „Es sind digital gezeichnete Bilder“, erklärt der Künstler. Als Vorlagen habe er Standbilder aus Fernsehnachrichten ausgesucht und diese digital am PC nachgezeichnet. „Welche Berichterstattung das war, zu welchem Thema und an welchem Tag – das ist nicht wichtig“, erklärt der Künstler aus Hamburg, der seit vielen Jahren auch an der Hochschule für bildende Künste lehrt. Längst sind die Bilder aus ihrem eigentlichen Kontext gelöst. So wirken die schwarz-weißen UV-Drucke ein wenig wie Backdrops bei einem Bandkonzert oder auf einer Theaterbühne – leere Kulissen in denen etwas inszeniert und gespielt werden könnte.

Die großen Formate scheinen es bei langer Betrachtung fast zu ermöglichen, in sie hineinzuwandern. Möglicherweise – je nach Besucher – sind es auch Erinnerungsräume aus dem eigenen oder dem kollektiven Gedächtnis, die bei dem Betrachter Assoziation aus der erlebten Welt wachrufen. Aus den eigentlich dokumentarischen Bildern einer Nachrichtensendung, die im Zweifel über Ereignisse berichtete, die einen gar nicht direkt betreffen, können so Kunstwerke werden, die komplett andere persönliche Zusammenhänge herstellen lassen. Die Fantasie des Betrachters ist es, die neue Kontexte erstellt, die die so ausgebreitete virtuelle Bühne bespielt. „Jeder kennt viele dieser Bilder in den Nachrichten. Sie scheinen sich auch immer wieder zu ähneln. Schaltet man den Ton in den Sendungen aus, erscheint es einem oft, als hätte man das alles schon mehrfach gesehen“, so Hoops. Und so werden die durch ihn abgebildeten Orte zu Orten, die nicht genau lokalisiert werden können, die aber trotzdem abstrakt verortbar sind „Wir wissen ja auch nicht genau, wie jemand anderes die Realität wahrnimmt“, so Hoops.

Seine Bilder – gefiltert aus dem scheinbar nicht enden wollenden Strom an visuellen Eindrücken in den traditionellen und modernen Medien – sind wie eingefroren und herausgelöst aus der Realität. Abgetrennt von ihrem dokumentarischen Charakter werden die digitalen Zeichnungen zu Orten, die überall sein könnten und in denen die individuellen Geschichten projeziert werden können. Alle ausgestellten Kunstwerke vereint, dass sie schwarz-weiß sind, dass ihnen etwas Melancholisches anhaftet und dass sie menschenleer sind. Ob es nun das Warten auf einen möglichen Ansturm ist oder ob die Personen – deren spätere Anwesenheit beim Gartenbild zum Beispiel durch die aufgestellten Stühle möglich erscheint – die Szenerie gerade verlassen haben, bleibt der Fantasie überlassen. Genau genommen sind es Kulissen, vor denen die Besucher ihre eigene Inszenierung leben können.

„Die Ausstellung passt gut zu unserem Jahresthema Linie-Netz-Verbindung“, so Katharina Schlüter von der Sparkassen-Kulturstiftung, die „Display“ präsentiert. Am 10. Juni eröffnet Landrat Henning Görtz die Ausstellung. Im Juli findet ein Künstlergespräch statt. Jeden Mittwoch gibt es eine Führung um 16 Uhr. „Display“ endet am 22. Juli.

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