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Stormarner Wochenschau : Mein und Dein ist immer relativ

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Beobachtung am Rande des Geschehen: Hoffnung, Mammon und meins, meins, meins ...

Hoffnung

: Wer wie was, wieso weshalb warum, wer nicht fragt bleibt dumm. Wer fragt, aber manchmal auch. Weil Siek zwar Kindergarten, Feuerwehr und Bauhof neu bauen muss, sich die Gemeindevertretung aber nicht über die Standorte einig wurde, holte man sich einen Gutachter. Der hat gleich 15 Grundstücke unter seine Lupe genommen, auch solche, die die Eigentümer ohnehin nicht verkaufen wollen. Die nahmen Sieks Gemeindevertreter zwar nicht in die engere Wahl, im Topf sind aber auch wieder die Grundstücke, über die bereits in der Vergangenheit dierksutiert wurde. Die Hoffnung, mit dem Blick von außen eine Lösung für seine Probleme im Inneren zu bekommen, hat sich nicht erfüllt. Konnte sie auch gar nicht. Schließlich kennen die Gemeindevertreter ihre Gemeinde besser als jeder andere. Es ist eine ziemliche verwegene Vorstellung, dass ein Gutachter genau das Grundstück herauspicken könnte, das am besten geeignet ist, während alle anderen irgendwelche Nachteile aufweisen Und dass dieses eine Grundstück dann auch noch der Gemeinde gehört oder ihr günstig angeboten wird. Es sind Entscheidungen , die der Politik niemand abnehmen kann – uind wenn man ehrlioch ist, auch niemand abnehmen sollte, weil man sie dann nicht mehr bräuchte. Wenn in der Juni-Sitzung nicht nur die GrundstücksBewertungen, sondern auch die damit verbundenen Kosten vorliegen, sind zumindest alle Grundlagen vorhanden, um zu einvernehmlichen Beschlüssen zu kommen.

Mammon

: „Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung“ hat Dieter Forte Ende der 1960er Jahre geschrieben. Das schon gefeierte Theaterstück war der Auftakt einer Trilogie über die europäische Zivilisation und den Beginn der Globalisierung. Vor einer Woche war es in Ahrensburg zu sehen. „Das explosive politische Potenzial des Stücks ist wie geschaffen für die Gegenwart, geht es doch um globale Vernetzung, Monopolbildung, Bankenkrisen, Staatsbankrotte und um den jede Solidarität ausschließenden modernen Kapitalismus“, so die Ankündigung. Das Stück spielt in den Jahren 1514 bis 1525. Kaiser, Papst und Fürsten missbrauchen Luthers Lehre für ihre wirtschaftlichen und machtpolitischen Ziele. Jakob Fugger ist der große Drahtzieher im Hintergrund, in dessen Bankgeschäfte alle mehr oder weniger verstrickt sind. Im Schlussbild spricht der kniende Fugger, der einen 1000prozentigen Gewinn gemacht hat, eine zynische Litanei zum Ruhm des Mammons: „O Kapital, du Anfang und Ende aller Dinge.“

Nur war es so, oder war es vielleicht ganz anders? Die Fugger waren das erste große Bankhaus, sie finanzierten Kaiser Karl V. König Heinrich VIII. von England, Ferdinand I. von Böhmen sowie die Könige von Portugal und Dänemark. Und sie verwalteten für den Papst die Abgabe des „Peterspfennigs“ zum Bau des Petersdoms in Rom – den damit verbundenen Ablasshandel kritisierte Martin Luther bekanntlich scharf. 1527 bilanzierten die Fugger tatsächlich einen Gewinnzuwachs von 927 Prozent – allerdings in 17 Jahren. Und das ließ sich auch nicht wiederholen, obwohl das Vermögen erst 1546 seinen Höchststand erreichte. Wie so oft kurz vor dem Absturz. Der erste spanische Staatsbankrott 1557 bedrohte bereits die die Finanzkraft der Bank, 1607 stellte die Spanische Krone ihre Zahlungen ganz ein, 1658 war es aus mit der Fugger-Firma. Hätte sich der Autor diese Jahre ausgesucht, wäre ein gänzlich anderes Theaterstück entstanden: Der Niedergang eines Bankhauses, dass sich mit den Mächtigen dieser Welt einließ. Selbst die These, dass zu den besten Zeiten des Bankhauses Kaiser und Könige von den Fuggern abhängig waren, ist wissenschaftlich kaum haltbar. Es war wohl eher so, dass die Fugger den Mächtigen schon so viel Geld geliehen hatten, dass sie gar nicht anders konnten, als ihnen immer mehr zu geben – bis das ganze System zusammenbrach. Aber tun sich nich auch da unübersehbare und wenig überraschende Analogien zur Gegenwart auf?

Meins, meins, meins

: Da fühlt man sich an den Animationsfilm „Findet Nemo“ erinnert. Da kreisen die Möwen und stürzen sich mit den Worten „meins, meins, meins“ auf die erspähte Beute. So verhält es sich leider seit Jahren bei der Ostereiersuche im Oldesloer Kurpark. An den Organisatoren liegt es freilich nicht – die legen sich mächtig ins Zeug. Es liegt eher an einigen Herrschaften, die denken: „meins, meins, meins“ und dass der Rest der Besucher nur als Zuschauer da ist. Wie die Möwen können Mütter und Väter den Hals nicht voll kriegen, halten zum Abtransport des Schoko-Schatzes gleich Tüten und Taschen auf und stacheln den Nachwuchs überdies gehörig an, weiter auf Eierjagd zu gehen. Doch so ist das gemeinschaftliche Ostervergnügen mitnichten gedacht. Ganz im Gegenteil: Nicht wenige sollen viel abschleppen, sondern viele wenig. Damit jedes Kind sich über ein süßes Häschen oder Ei zum Vernaschen freuen kann, sollte der eine oder die andere die Raffgier daheim lassen. Wären sie betroffen und ihre Kinder leer ausgegangen, wäre das Geschrei garantiert groß. Von der desolaten Vorbildfunktion einmal ganz abgesehen. Bei Uneinsichtigkeit würde sonst wohl nur eine Konzeptänderung helfen, wie sie unsere Karikaturistin zu Papier gebracht hat. Aber das kann niemand wirklich wollen. Bitte den Slogan verinnerlichen: Weniger ist mehr!
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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 23.Apr.2017 | 06:00 Uhr

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