zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

20. November 2017 | 10:46 Uhr

Bad Oldesloe : Mehrkampf der Kandidaten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Stormarner Tageblatt hat die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 5. Juni einem etwas anderen Test unterzogen. An verschiedenen Stationen mussten sie ihre Qualifikation beweisen.

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 21.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Am 5. Juni sind die Oldesloer aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Vier Kandidaten haben ihren Hut für den Kampf um das Spitzenamt in der Oldesloer Verwaltung in den Ring geworfen. Drei Männer und eine Frau. Drei Polizisten und eine Quartiersmanagerin. Zwei Parteikandidaten, zwei Unabhängige.

Die Kandidaten wissen nicht, was beim Tageblatt-Test auf sie zukommt. Zur Begrüßung gibt es noch kurz einen Kaffee, dann drängt Redaktionsleiter Stephan Poost auch schon zum Aufbruch. „Erste Station wird der Travering“, verrät er. „Das kann ja nur Schleuderplatte bedeuten“, mutmaßt Jörg Feldmann. Nein, da irrt er.

Auf Europas kleinster Grand-Prix-Strecke entgleisen den Kandidaten im ersten Moment die Gesichtszüge. Vom Norderstedter Unternehmen „Flashway“ hat das Tageblatt Segways gemietet. Ordentlich aufgereiht stehen die High-Tech-Elektrofahrzeuge bereit. „Auf so einem Ding habe ich ja noch nie gestanden“, gesteht Jörg Lembke. Begeisterung klingt anders, doch das ändert sich schnell. Claus und Bärbel Oppermann geben eine kurze Einweisung. 9500 Euro kostet so ein Gefährt, 20 km/h Höchstgeschwindigkeit, 30 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung. Helme sind Pflicht.

Segways bestehen im Grunde nur aus einer Standfläche mit zwei Rädern und einer Lenkstange. „Umkippen unmöglich“, verspricht Claus Oppermann, dafür sorge die ausgeklügelte Steuerung. Nach vorne beugen beschleunigt den Segway, nach hinten lehnen bremst ihn ab. Da jedes Rad einzeln angetrieben wird, kann der Segway auf der Stelle rotieren.

Es dauert nur wenige Minuten, dann macht die anfängliche Skepsis einem breiten Grinsen Platz. „Das ist genial“, ist die einhellige Meinung. Aus zaghaften Fahrversuchen wird schnell ein munteres Düsen über die Anlage. Travering Geschäftsführer Horst Schwert hat einen Hütchenparcours aufgebaut – ja, die Kandidaten wissen, wo es für zukünftige Bürgermeister lang geht. Jörg Feldmann nimmt eine der Steigungen mit zu wenig Schwung, was sich prompt rächt, aber das soll der einzige Fahrfehler an diesem Tag bleiben.

Mit dem leisen Surren der Segways geht es vom Travering an der Sehmsdorfer Straße entlang zur Schützenhalle. Haben die Kandidaten ihre Ziele sicher im Visier? Der Schießstand wird es zeigen. „Ich habe das zum letzten Mal in der 8. Klasse beim Vogelschießen gemacht“, räumt Jörg Lembke ein. Maria Herrmann gesteht: „Beim Vergleichsschießen der Stadtverordneten hatte meine Nachbarin einen Treffer mehr auf der Karte als sie Schüsse abgegeben hat.“ Schützenmeister Dieter Mewes attestiert ihr dann eine „gewisse Linkstendenz“ bei den Schießergebnissen. Es zeigt sich aber, dass es an der Einstellung des Gewehrs lag.

Sebastian Schulz gelingen auf Anhieb zwei satte Zehnen. Bei den Wertungsschüssen lässt er etwas nach. „Man muss halt wissen, wann es darauf ankommt“, frotzelt Jörg Feldmann. Aber am Ende hat Sebastian Schulz mit 82,7 Ringen doch die Nase vor Jörg Feldmann mit 81,6 und Maria Herrmann mit 73,1. Jörg Lembke schafft 71,3 Ringe.

Weiter geht’s ins Krankenhaus. Asklepios hat einen Operationssaal reserviert! Welchem Kandidaten fangen in schwierigen Situationen die Hände oder Nerven an zu flattern? Hygiene wird bei Asklepios groß geschrieben, gründliche Desinfektion ist Pflicht. So viel kann gesagt werden: Ein Test bringt ans Licht, dass alle vier beim Thema Hände in Unschuld waschen noch Nachholbedarf haben. Alles Reiben, Kneten und Wischen war nicht gründlich genug.

Eingemummelt in OP-Kittel, Haube, Mundschutz und Handschuhe müssen die Bewerber ihre Fingerfertigkeit als Chirurgen unter Beweis stellen. Dr. Gerd Aschmotat führt launig in die Bedienung des Simulators ein. Durch eine Gummidecke müssen die Probanden mit speziellen Geräten in den Bauchraum einer Puppe vorstoßen. Was sie tun, können sie nicht direkt sehen, sondern nur über einen Bildschirm verfolgen. „Playstation-Nutzer sind eindeutig im Vorteil“, erklärt Chirurg Aschmotat. Von Jörg Feldmann kommt prompt Protest: „Ich bin Schachspieler.“ Für den Chefarzt eine klare Angelegenheit: „Dann müssten Sie Internist werden.“

Mit dieser minimalinvasiven Technik werden normalerweise Blinddärme und Gallenblasen operiert. Die angehenden Bürgermeister müssen eine Gummibärchentüte öffnen und deren Inhalt auf kleine Behälter verteilen. Da gibt es den filigranen Techniker (Feldmann), der den kleinen Beutel säuberlich aufschneidet und die Süßigkeiten einzeln transportiert, und den Grobmotoriker, der kurzerhand die Zange zum Aufreißen der Tüte nutzt und diese dann über dem Behältnis entleert (Lembke). Dr. Aschmotat assistiert und gibt Auskunft: „In der Geschichte der Chirurgie ist das eine neue Technik. Seit 20 Jahren ist sie Routine.“ Nach drei Jahren Ausbildung dürfe ein Arzt erstmals alleine operieren. Aschmotat: „Sicher ist man sich nie, man lernt immer dazu. Es ist ein dorniger Weg.“ Das gilt für Bürgermeister vermutlich auch.

Können die auch mit Geld umgehen? Angesichts der Haushaltslage eine der Schlüsselqualifikationen für den angehenden Verwaltungs-Chef. Bei der Sparkasse muss dafür der Beweis angetreten werden. Filialleiter Oliver Ruddigkeit und sein Team haben sich da etwas ausgedacht: Spardose leeren, Inhalt zählen und säuberlich rollen. Mit geübtem Blick hat Jörg Lembke als erster den passenden Schlüssel im Bund identifiziert. Jörg Feldmanns Augen erblicken etwas anderes: „Da ist ja noch ein alter Pfennig dazwischen.“ Oliver Ruddigkeit ist beeindruckt: „Das war maschinengeprüftes Geld. Das hätte eigentlich nicht sein dürfen.“ Maria Herrmann hat bei dieser Übung die Nase vorne. Deutlich vor den Mitbewerbern hat sie die kleinen Münzen gerollt. „Ich habe früher nach dem Gottesdienst immer die Kollekte gezählt. Wer hätte gedacht, dass mir das mal einen Vorteil verschafft“, sagt sie. Sebastian Schulz hat für seine Fingerfertigkeit eine andere Erklärung: „ Ich habe mal meine Zigaretten selber gedreht.“

Die Förderung von Handel und Gewerbe hat natürlich jeder in seinem Wahlprogramm. Also auf in den Rögen – zu den Stormarner Werkstätten. Die Behinderteneinrichtung ist Systempartner von Hako und fertigt den „Streetmaster M  600“. 128 Arbeitsschritte sind dafür nötig. „Das klappt wunderbar“, erläutert Leiter Stephan Bruns. Mehr als 100  000 dieser Kehrmaschinen wurden schon hergestellt. Der Ausschuss liegt unter 0,5 Prozent. Neben Polsterei, Malerei und der Fahrradwerkstatt ist das nur eines von vielen Aktivitätsfeldern der Stormarner Werkstätten.

Die Kandidaten sind beeindruckt und interessiert. Mitten im Gespräch kommt eine SMS aus der Stadtschule. Mit den Worten „Die Kinder verhungern“, weist Rektorin Sabine Prinz auf Verzug im Zeitplan hin. Da auch die Klienten der Werkstätten viel lieber in die Mittagspause gehen würden, als den potenziellen Bürgermeistern den Zusammenbau des Streetmasters beizubringen, geht es weiter zur Schlussstation.

Bildung ist ein Themenschwerpunkt, das Mensa-Essen hat viel Staub aufgewirbelt, und zuhören sollte der zukünftige Bürgermeister auch können. Mal sehen, wie das in der Stadtschule gelingt. Zu Nudeln mit Hacksoße haben Viertklässler einen bunten Fragencocktail zusammengestellt. Die Kinder sind informiert und haben klare Vorstellungen. „Ich habe gehört, Sie wollen den Exer zu machen. Warum?“, wird Jörg Lembke gefragt. „Das stimmt nicht“, stellt der klar: „Ich will nur einen Zaun ziehen lassen, damit die Fußballer vor dem Training keine Scherben mehr einsammeln müssen.“

Wer auch immer die Wahl gewinnt, von den Stadtschulkindern gab es schon mal klare Wünsche mit: Auf dem Exer fehlen Tore, im Schwimmbad werden Wasserrutsche und Außenbecken gewünscht, Wände für Graffiti und mehr Rasen statt Sand auf Spielplätzen. Wenn Maria Herrmann das Rennen macht, hat sie versprochen persönlich zu kommen, um den Asphalt auf dem Schulhof wegzuhacken. Jörg Feldmann kündigt an, Spenden für Spielgeräte sammeln zu wollen , und Sebastian Schulz lobt: „Hier höre ich mal aus erster Quelle, was gewünscht ist.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen