Stormarn : Mehr Unfälle und Verletzte

Auf der Landstraße 83 zwischen Schlamersdorf und Sühlen kam im September ein 28-jähriger Motorradfahrer ums Leben, der mit seiner Maschine in ein Treckergespann gekracht war.
Auf der Landstraße 83 zwischen Schlamersdorf und Sühlen kam im September ein 28-jähriger Motorradfahrer ums Leben, der mit seiner Maschine in ein Treckergespann gekracht war.

Verkehrsstatistik: Vor allem außerorts krachte es 2016 häufiger. Die Polizei will deshalb mehr kontrollieren.

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06. März 2017, 18:09 Uhr

Deutlich mehr Unfälle, mehr Schwerverletzte und mehr Tote: 2016 war kein gutes Jahr auf Stormarns Straßen. Besonders stark stiegen die Zahlen außerorts (plus 10,9 Prozent) und auf den Autobahnen (plus 23,Prozent). Auch Alkohol am Steuer spielte wesentlich häufiger eine Rolle als im Vorjahr.

Insgesamt krachte es 6120 Mal auf Landstraßen . Das ist ein Plus von 4,8 Prozent und die höchste Zahl der vergangenen zehn Jahre. 2007 waren es 3628 Unfälle. In mehr als drei Viertel der Fälle handelt es sich aber um Karambolagen mit Blechschäden, die von der Polizei nicht aufgenommen werden. Bei 795 schwereren Unfällen wurden aber 981 Menschen verletzt, eine Zunahme um 2,9 Prozent. Bei den Schwerverletzten schoss die Zahl um 23,5 Prozent auf 126 nach oben.

Für Holger Meincke, stellv. Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg, ist das eine Konsequenz aus der Zunahme der Unfälle außerorts um 10,9 Prozent auf 1729. „Wenn die Geschwindigkeit höher ist, sind die Folgen meistens auch schlimmer. Deshalb werden wir wieder verstärkt außerhalb der Ortschaften kontrollieren.“

Dass sich die Zahl der Getöteten mit neun fast verdoppelt hat, hat aber auch andere Ursachen. Am Kreisel in Trittau war ein Radfahrer von einem Lkw, in Großhansdorf ein Tramper von einem Pkw erfasst worden, und in Ahrensburg hatte ein Rentner seine Frau beim Ausparken rückwärts überrollt. Drei der Toten waren Motorradfahrer. Zwei Mal gelten die Kradfahrer als Verursacher, der dritte war der Unfall an der Ammersbeker Kreuzung.

Bei zwei der tödlichen Unfälle war Alkohol im Spiel. Das hatte es 2015 überhaupt nicht gegeben. Um fast 40 Prozent auf 98 stieg die Zahl der Alkoholunfälle. 54 Personen wurden dabei verletzt, ein Plus von mehr als 40 Prozent. Rückläufig war der Trend bei Drogen am Steuer, auch wenn es bei sieben Unfällen (Vorjahr zwölf) mehr Verletzte gab: acht statt fünf.

Bei den Autobahnen wertet die Direktion die Zahlen für Stormarn und das Herzogtum Lauenburg aus. Mit A  1, A  20, A  21, A  24 und A  25 stehen die beiden Kreise für fast ein Viertel aller Autobahnkilometer im Land. Die auf 1541 gestiegene Zahl der Unfälle führt Meincke auch auf die Baustellen zurück. Trotz mehr Karambolagen ging die Zahl der Verletzten minimal auf 361 zurück, und nur ein Mensch kam auf der Autobahn ums Leben. Das sieht Meincke trotz sicher werdender Fahrzeuge aber nicht als Trend, sondern eher als Zufall: „In den ersten beiden Monaten dieses Jahres hatten wir allein auf der A1 drei Verkehrstote.“

Ebenso wie auf den Landstraßen stellte die Polizei auch auf den Autobahnen mehr Unfälle unter Alkoholeinfluss fest, 27 gegenüber 16 im Vorjahr. Drogen am Steuer wurden in sechs Fällen festgestellt, 2015 waren es sieben. An jedem achten Autobahn-Unfall ist mittlerweile ein Lkw beteiligt. „Wir sind eine Transit-Direktion“, sagt Meincke, und das zeigt sich auch bei Schwerlast-Kontrollen. 9498 Lkw, 29,8 Prozent aller in Schleswig-Holstein kontrollierten Fahrzeuge, wurden hier gezielt rausgewinkt. Bei fast jedem zweiten (44 Prozent) gab es Beanstandungen, in vielen Fällen handelte es sich um Verstöße gegen die Lenkzeiten. 654 Lkw wurde die Weiterfahrt untersagt.

Ihr Augenmerk will die Polizei aber nicht nur auf motorisierte, sondern auch auf radelnde Verkehrsteilnehmer richten. Deren Zahl nimmt zu, und zu 56 Prozent sind die Radler auch die Verursacher. „Die Beachtung der Verkehrsregeln hat bei Radfahrern oft nicht die höchste Priorität“, sagt Kay-Uwe Güsmer, der in der Direktion für Verkehrssicherheit zuständig ist. Zweiradfahrer würden sich mehr als Fußgänger und weniger als Autofahrer verstehen und rote Ampeln missachten.

Gemeldet werden Radunfälle nur, wenn es Folgen hat. Deshalb wurden bei den statistisch erfassten 283 Unfällen 275 Verletzte gezählt. Ähnliches gilt für Fußgänger: Bei 99 Unfällen im vergangenen Jahr gab es 107 Verletzte, ein Plus von 39,4 bzw. 55 Prozent.

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