Ausbildungskonferenz : Mehr Stellen als Azubis

Erstaunlich: Fast die Hälfte der Stormarner Auszubildenden lernt in Betrieben außerhalb des Kreises.
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Erstaunlich: Fast die Hälfte der Stormarner Auszubildenden lernt in Betrieben außerhalb des Kreises.

In Stormarn sind noch in allen Berufen freie Plätze zu bekommen. Die Arbeitsamts-Chefin rät Bewerbern trotzdem zu mehr Flexibilität. Sie sollten den Blick auch mal nach links und rechts schweifen lassen.

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06. Juni 2014, 06:00 Uhr

Das sind ja rosige Aussichten für Schulabgänger in Stormarn: Den gut 1000 Bewerbern stehen mehr als 1200 Ausbildungsstellen gegenüber. „Wir haben einen ausgeprägten Bewerbermarkt“, stellte Arbeitsamts-Chefin Dr. Heike Grote-Seifert nach der Ausbildungskonferenz für den Kreis Stormarn fest. Und die Schere wird in Zukunft noch weiter auseinander klaffen – immer mehr Alte werden die Betriebe verlassen, aber immer weniger Schüler nachrücken. Im Nachbarkreis Herzogtum Lauenburg sieht die Situation ganz anders aus: 1117 Bewerbern stehen dort nur 707 Stellen gegenüber.

Obendrein ist Stormarn bei den Azubis ein Auspendler-Kreis. Fast die Hälfte der knapp 3500 Lehrlinge aus Stormarn sucht ihr berufliches Glück jenseits der Kreisgrenze. „Für die Betriebe bedeutet das immer mehr Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt aus den Metropolen Hamburg und Lübeck“, so Grote-Seifert: „Die Unternehmen müssen sich gut aufstellen und Werbung für sich machen.“

40 Prozent der Azubis konzentrieren sich auf nur zehn Berufe – diese Hitliste ist seit Jahren weitgehend unverändert. Sehr zum Ärger der Handwerkskammer, denn schließlich könne man in Stormarn rund 100 unterschiedliche Berufe lernen. Arbeitsamts-Chefin Heike Grote-Seifert brachte ein Beispiel: Die medizinische Fachangestellte ist einer der überlaufenen Hit-Berufe. Sie rät Interessenten, auch mal den Blick etwas nach links und rechts schweifen zu lassen. „Zahnarzthelferin ist ein verwandter Beruf. Das will aber keiner werden“, bedauert Grote-Seifert. Das Image sei ein ganz entscheidender Punkt bei der Berufswahl. Oftmals ein völlig irrationaler. Wie Christian Maack von der Handwerkskammer erläuterte: „Als Goldschmied werden Sie quasi nie eine Chance haben, Geld zu verdienen. Trotzdem stehen die Abiturienten Schlange.“ Anlagenbauer hingegen sei ein anspruchsvoller Beruf mit guten Zukunftsaussichten, aber „an Abwasserleitungen zu fummeln ist eben nicht so chic“.

Die Zahl der noch offenen Stellen ist um mehr als 20 Prozent von 544 auf 655 gestiegen. Dem stehen aber trotzdem eine ganze Zahl von noch unversorgten Schulabgängern gegenüber. Deren Zahl ist um 5,9 Prozent knapp 500 gestiegen. Heike Grote-Seifert appellierte in dem Zusammenhang an die Arbeitgeber, „auch der vermeintlich zweiten Wahl eine Chance“ zu geben. Das sei eine gesellschaftspolitische Herausforderung.

Mittel der Wahl sei dabei die Einstiegsqualifizierung – ein gesetzlich geregeltes Praktikum. Der Schüler bekommt die Möglichkeit, einen potenziellen Arbeitgeber durch gute Leistung von sich zu überzeugen, er besucht die Berufsschule, erhält eine Vergütung und eventuell kann diese Zeit auch noch bei einer Lehre angerechnet werden. Oftmals handele es sich bei dem Betroffenenkreis um Jugendliche „teilweise nur einer starken Betreuung bedürfen“. Dr. Grote-Seifert: „Schulsozialpädagogen sind sicher ein Schritt in die richtige Richtung.“

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