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Stormarner Wochenschau : Mehr Bewegung täte allen gut

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Sitzen ist das neue Rauchen“, sagt man. Aber auch in anderen Bereichen kann Bewegung und Flexibilität nicht schaden.

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erstellt am 13.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Sitzfleisch

Trrreeefffer! Beim großen Verzögerungsrad-Drehen im Oldesloer Rathaus hat es jetzt also die Obdachlosenunterkunft an der Lübecker Straße erwischt. In Sachen Radhaus geht es eher rückwärts als voran, am Kurbad tut sich nix, das Skateland steckt irgendwo in Holsteins Herz fest, hätte man zum Beginn der Planungen für den B107 eine Kastanie verbuddelt, stünde da jetzt ein mächtiger Baum, ganz zu schweigen vom Personalnotstand. Wie viele Stellen sind bewilligt, werden aber nicht besetzt? Da ist es ja schon Pipifax aber doch symptomatisch, dass am Exer immer noch ein Schild den Weg zum Amtsgericht weist.

Hatte es nach dem Fiasko mit dem alten Gefängnis nicht so etwas wie einen unausgesprochenen Schwur gegeben: Sowas darf uns nicht noch mal passieren? Und jetzt ist die Stadt auf dem besten Wege ein paar Häuser weiter in die gleiche Falle zu tappen. Alle wissen genau, da besteht Sanierungsbedarf, aber es passiert nichts. Immer wieder wird die Maßnahme verschoben. Irgendwann bricht die Bude zusammen.

Oder das Radhaus am Bahnhof. Vor sieben (7!) Jahren hatten die Grünen den Antrag in diese Richtung gestellt. Autoparkplätze wurden in der Zwischenzeit gebaut, aber für die Radfahrer hat es keine nennenswerte Verbesserung gegeben. Radhaus, eine Alternative oder gar nichts – völlig egal, nur kommt endlich zu Potte! Es würde die Verwaltung vermutlich gehörig entlasten, wenn Themen zügig abgearbeitet würden und dann endgültig vom Tisch wären. Dann würde sich vermutlich auch der Ruf der Oldesloer Politik verbessern. Da wird was entschieden, da geht es voran.

Boris Bouchon, Leiter des städtischen Jugendbereichs und auch Vorgesetzter der Obdachlosen-Fachfrau sagte beim jüngsten Bauausschuss einen denkwürdigen Satz. Er glaube zwar nicht, dass Absicht dahinter stecke, aber: „Mir würde es extrem schwer fallen, die Verzögerungen nicht als Geringschätzung der Arbeit zu empfinden.“ Das sagt viel aus über die Stimmungslage im Rathaus und ist vielleicht auch eine Erklärung für die Personalfluktuation.

Einsicht

Respekt! Das ist selten in der Politik – zu erkennen, dass man einen Fehler gemacht hat und den entsprechenden Beschluss zu korrigieren. So eine 180-Grad-Wende haben wir jetzt im Bauausschuss erlebt.

Gegen den ausdrücklichen Rat der Verwaltung hatten CDU und FBO den für das VHS-Gelände bereits vorbereiteten Wettbewerb gekippt. Jetzt also die Einsicht, dass beim damaligen Beschluss der Kopf nicht ganz frei war. Was dort beschlossen worden war, war nicht nur teilweise widersprüchlich, sondern sogar rechtswidrig. Aber jetzt ist der Weg ja frei. Einzig die Investoren, denen bereits St. Jürgen und die Brandruine gehören, scheinen wenig angetan von dem neuem Beschluss. Das Gesicht von Geschäftsführer Michael Hintz sprach Bände und eine Stellungnahme steht bislang aus. Dabei betonte Uwe Rädisch (CDU) ausdrücklich, dass es auch darum gehe, Rechtssicherheit für die Investoren zu schaffen.

Weitsicht

Das ist schon wahrer Luxus. Im Oldesloer Haushalt wird vermutlich ein mehrere Millionen Euro großes Loch klaffen. Ein beliebtes Mittel, um das Defizit zumindest zu verkleinern, ist, beim Land Fehlbedarfszuweisung zu beantragen. Um diesen Zuschuss zu bekommen, müssten allerdings Grundsteuer B und Gewerbesteuer um 10 Punkte angehoben werden. Mit 14 Millionen an Steuereinnahmen rechnet die Stadt, die Erhöhung würde noch mal 450  000 Euro zusätzlich bringen. Und eben vom Land noch mal bis zu 1,1 Millionen Euro.

Oldesloe will das Geld nicht. Zumindest die Mehrheit von CDU und FBO nicht. Die Argumentation: Eine Anhebung der Gewerbesteuer sei kontraproduktiv, weil das ein Entscheidungskriterium von Unternehmen sei. In der Folge könnten Ansiedlungen ausbleiben oder Firmen sogar abwandern. Ja, theoretisch denkbar.

Gleichzeitig hört man aber auch immer wieder, dass Betriebe auf weiche Faktoren ebenfalls viel Wert legen. Natürlich könnte die Stadt alle freiwilligen Leistungen streichen, um den Haushalt auszugleichen: Weg mit der Kulturförderung, Schwimmbad, VHS und Bibliothek schließen wir, Sozialpädagogen sollen gefälligst andere bezahlen – aber ist so eine Stadt dann noch attraktiv? Die vielbeschworenen Fachkräfte, die nicht nur arbeiten, sondern auch leben wollen, zieht es dann mit Sicherheit woanders hin. Und mit ihnen die Unternehmen.

Prüfnummer

Reden ist Silber, Handeln ist Gold. Im Falle von Lorenz Lunau ist es leider nur Blech. Der 88-Jährige lebt weit draußen im Grünen. Bis vor einem halben Jahr war er noch mit seinem Rollstuhl unterwegs. Seitdem geht das wegen Handgelenks-Arthrose nicht mehr. Die Lösung wäre einfach: Ein zuschaltbarer E-Motor für den Rollstuhl. Die Krankenkasse fand das nicht so logisch, sondern fragte sich stattdessen, ob der Brunsbeker wegen seiner Niereninsuffizienz überhaupt in der Lage zum Führen eines Motorfahrzeugs in der Lage ist, dessen Spitzengeschwindigkeit durchaus an einen Fußgänger heranreicht. So schickten sie den Rentner zum landläufig so genannten Idiotentest. Den bestand Lorenz Lunau, aber dem TÜV lag auch natürlich auch der Arztbericht vor. So lautete das Urteil „Njet“. Zwar habe es noch kein Nierenversagen gegeben, aber das könne man ja auch nicht ausschließen. Und wer weiß, welche Folge dass bei rasanter Fahrt mit sechs km/h auf Wirtschaftswegen hat. Klingt logisch: Je weiter fortgeschritten Alter und Zerfall sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Sterbens. Kann man nicht einfach alle über 80 Jahre zum TÜV schicken? Sicher ist sicher.
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