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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 20:36 Uhr

Mehr als Tischkultur und Etikette

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Knigge Agenten“ lernen an der Grundschule Mollhagen mit Begeisterung perfekte Umgangsformen.

von
erstellt am 14.Feb.2014 | 14:17 Uhr

Die Eins im Zeugnis scheint sicher. Seit Wochen schon lernen einige Viertklässler der Grundschule Mollhagen bei Yasmine von Rumohr die wichtigsten Benimm-Regeln für das Leben. „Knigge-Agenten“ nennen sich die zehnjährigen Schüler. Wenn man ihnen zuschaut, wird sofort klar: Alle sind mit Spaß, mit Ehrgeiz und mit einem unglaublichen Eifer bei der Sache. „Da fällt es leicht, den Kindern etwas beizubringen über Etikette, über Tischmanieren und insbesondere über Umgangsformen“, sagt Yasmine von Rumohr aus Wentorf bei Sandesneben, die solche Kurse anbietet und von der Grundschule Mollhagen für diesen Kurs engagiert wurde.

„Ich bin der Meinung , dass Zehnjährige noch nicht wissen müssen, wie man einen Hummer verspeist. Es ist aber wichtig, dass sie im Supermarkt alten Menschen und Frauen mit kleinen Kindern die Tür aufhalten und auch vielleicht den Vortritt lassen. Und eine Kassiererin ist keine Maschine sondern ein Mensch. Sie hat es verdient, dass man mindestens ‚Hallo‘ sagt, also freundlich grüßt“, sagt Yasmine von Rumohr. Mit ihren Knigge-Agenten hat sie das im örtlichen Supermarkt geübt. Es gehe ihr eben nicht nur um Tischkultur und schon gar nicht um steife Etikette, so die Wentorferin. Vielmehr bringe sie den Kindern näher, dass Umgangsformen heute Gesten der Verständigung seien, die „beschwichtigen und friedliche Absichten signalisieren“. Sie dienten dazu, anderen Menschen in der Öffentlichkeit sicher und entspannt zu begegnen und sich auch Fremden nähern zu können. „Wer sich freundlich, höflich, rücksichtsvoll und zuvorkommend benimmt, kommt mit seinen Mitmenschen besser aus, kann Streit leichter vermeiden und Konflikte besser lösen.“

Heute sind gute Umgangsformen wichtiger als je zuvor. Wer im Beruf wirklich Erfolg haben will, der muss außer fachlichem Können auch soziale Kompetenzen vorweisen können, da sind sich alle einig. Und diese Fähigkeiten sollte man schon im Kindesalter lernen. Frei nach dem Spruch: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Zu den sozialen Fähigkeiten zählen Umgangsformen und Tischmanieren. Für die Schülerinnen und Schüler dieses Kurses gibt es nebenher aber ein besonderes Thema, bei dem sie putzmunter werden und besonders aufmerksam mitmachen: Gewalt. „Das ist inzwischen das Lieblingsthema meiner Knigge-Agenten“, sagt Yasmine von Rumohr. Und der zehnjährige Lasse hat gelernt: „Im Wort ‚Gewalt‘ steckt das Wort ‚walten‘. Das bedeutet stark sein, beherrschen. Wer Gewalt ausübt, macht einen Mitmenschen zum Opfer, beherrscht ihn, fühlt sich ihm überlegen, mächtig.“ Hannes meldet sich und ergänzt: „Es gibt körperliche Gewalt, psychische Gewalt und verbale Gewalt.“

Knigge-Agenten in Mollhagen wissen auch, wie man mit Gewalt umgeht, wie man ihr begegnet. Lars erklärt: „Es ist wichtig, dass man gelassen bleibt. Böse Worte und körperliche Gewalt soll man vermeiden.“ Yasmine von Rumohr vergleicht die Umgangsformen mit Verkehrsregeln. Damit könnten die Kinder mehr anfangen, könnten es so leichter begreifen. „Wenn man Verkehrsregeln missachtet, knallt es. Manchmal gibt es sogar einen Totalschaden“, erklärt Emily. „Missachten wir die Umgangsformen mit unseren Mitmenschen, knallt es auch“, sagt die Zehnjährige. Von Rumohr hat den Kindern auf einfache Art und Weise beigebracht, dass Umgangsformen Niemanden in einen besseren Menschen verwandeln, dass sie aber durchaus helfen, den Alltag ein klein bisschen friedlicher und angenehmer zu gestalten.

Zum Schluss sitzen alle Kinder gemeinsam an einem gedeckten Tisch. Die Schüler haben angedeckt: Geschirr, Besteck sowie Gläser. Es gibt Salat, mehr geht in der Schulstunde nicht. Für den korrekten Umgang mit Messer und Gabel sowie Servietten ist das aber völlig ausreichend.

Am Kursende haben die Knigge-Agenten um Yasmine von Rumohr geplant, in ein Restaurant zu gehen und zu zeigen, was sie gelernt haben. „Es ist wichtig, dass man solchen Unterricht locker gestaltet und dabei auch selbst locker bleibt. Ich erzähle den Kindern auch, dass ich schon mal eine Pizza im Bett esse“, so von Rumohr.

Zum Abschied reichen mir die Kinder die Hand, bedanken sich höflich für meinen Besuch. Klar, dass sie mir dabei in die Augen schauen, wenn sie mit mir reden. Das ist Anstand und den haben sie schließlich gelernt.

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