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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 19:23 Uhr

Bad Oldesloe : „Mehr als nur satt werden“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Inzwischen bietet der Verein „Essen für Alle“ (EfA) nicht nur eine gute Mahlzeit für wenig Geld, sondern auch eine gemütliche Runde zum Klönen und Beisammensitzen, die sich auch gegenseitig hilft.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2015 | 11:01 Uhr

Seit 18 Jahren kümmert sich die Organisation „Essen für Alle“ (EfA) um das leibliche Wohl von Alleinstehenden, Bedürftigen oder all denen, die nicht alleine essen wollen. Mit einem Team aus ungefähr 20 Ehrenamtlichen, jeweils in Zweierteams vertreten, wird jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag Essen verteilt.

Als Gegenleistung werden 50 Cent verlangt. Durch den kleinen Beitrag ist gesichert, dass keiner sich als Almosenempfänger fühlt. Von den Einnahmen werden Kekse und Kaffee für die weiteren gemütlichen Runden im Container an der Peter-Paul-Kirche gekauft. Denn momentan wird das Pastorat renoviert und die ehrenamtliche Organisation musste notgedrungen umziehen. „Aber es ist schon klasse, dass uns die Kirchengemeinde die ganze Zeit beherbergt und jetzt auch noch einen Container für ein halbes Jahr bereitstellt, damit wir weiterhin Essen verteilen können, das macht auch nicht jeder“, sagt Paul Kulms, welcher dienstags mit seinem Kollegen Werner Tyrell die Schicht übernimmt. Die beiden kennen sich schon seit der Schulzeit und arbeiten nun gemeinsam ehrenamtlich für EfA.

Über die Jahre hinweg hat sich das Angebot etabliert und ist immer gut besucht. Manche Besucher sind seit 18 Jahren dabei. „Wir haben hier schon einen richtigen Stamm, der fast immer vollständig da ist“, so Werner Tyrell. „Meistens sind zwischen acht und zwölf Leute zum Essen da, manchmal aber auch 18.“ Die Mahlzeiten werden von umliegenden Altenheimen zubereitet.

Dienstags ist St.-Jürgen-Tag und das Essen der Köchin wird immer hochgelobt, viel Auswahl, frische Produkte und stets pünktlich fertig zum Servieren. Ob Fisch, Fleisch, Kartoffeln oder Nudeln, hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Manchmal sogar mit Nachtisch.

Doch eigentlich geht es inzwischen gar nicht mehr nur darum, satt zu werden. „Wir kennen uns hier schon alle ewig lang, reißen unsere Witze und mit uns Männern kann man auch mal über Fußball reden. Wir sind eine richtige Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt. Man muss nur den Mund aufmachen“, meint Werner Tyrell, der auch schon mal ein Sofa für seine Gäste organisiert.

Jeder, der Hunger oder Lust auf ein wenig Gesellschaft hat, ist immer herzlich eingeladen, ob Stammgast, Durchreisender oder Asylbewerber. „Flüchtlinge waren noch nicht viele da. Ab und zu kommt hier jemand vorbei und schaut nach, meistens ziemlich verschüchtert. Das kann ich aber auch verstehen, schließlich wissen die Meisten gar nicht, wie das hier abläuft und ob sie einfach herkommen können“, so Kulms: „Die Not ist ja momentan nicht mehr nur auf Hunger beschränkt, wie vor ein paar Jahren. Die Flüchtlinge werden in den Auffanglagern versorgt. Was sie dringend benötigen, sind die Kontakte zu ihren Mitmenschen.“ Die EfA wird weiterhin drei Mal die Woche Essen im Container verteilen, bis das Pastorat erfolgreich renoviert wurde. Wie lange das noch dauert, ist fraglich. „Bis Weihnachten wird das, glaube ich, nichts mehr“, sagt Werner Tyrell, doch auch im Container schmeckt das Essen weiterhin so gut wie im Pastorat.

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