zur Navigation springen

Bad Oldesloe : Mehr als nur eine Schönfärberei

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Oldesloer Heimatmuseum präsentiert Ergebnisse und Grundlagen einer fast vergessenen Handwerkskunst.

Blau, das weiß die Leiterin des Oldesloer Heimatmuseums, Petra-Maria Schark, zu berichten, ist die Lieblingsfarbe vieler Menschen. Und das aus gutem Grund. Denn schließlich erinnere die Farbe an den Himmel oder auch an das Meer und hat beruhigende Wirkung.

Die Farbe Blau steht auch im Zentrum einer aktuellen Ausstellung im Heimatmuseum der Kreisstadt, wo an ein seit einigen Jahrzehnten vergessenes Handwerk erinnert wird: den „Blaudruck“. Im 17. Jahrhundert wurden in Europa erste Blaudrucke erstellt. Der Ursprung liegt allerdings in Asien und Afrika, von wo aus das Reservedruckverfahren mit anschließender Blaufärbung importiert wurde und schließlich auch in Bad Oldesloe landete. In der heutigen Kreisstadt war damals der Schönfärber Albert Dernehl auch für die Blaudrucke zuständig. Über Generationen wurde das Handwerk der Färberei weitergegeben.

Jürgen Böttche lernte in den Jahren von 1954 bis 1957 dieses Handwerk noch bei Dernehl. Doch der Blaudruck war schon damals etwas, dass man nur als historische Technik kannte. Allgemein wurde die Färberei mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Firmen spezialisierten sich mehr auf das Thema chemische Reinigung. Und so war es auch im Fall von Dernehl, der damals der große Konkurrent zur noch heute bestehenden Reinigung Buchholz war. „Der Konkurrenzkampf ging so weit, dass wir nicht mal Kontakt mit den Mädchen haben durften, die bei Buchholz arbeiteten“, weiß Böttche.

Reimer Möller vom Heimatmuseum recherchierte aufwendig rund um die Firma Dernehl. „Es ist spannend, was dabei alles zutage kommt“, weiß er zu berichten. So fand er in den Unterlagen zum Beispiel einen Hinweis darauf, dass ein Pastor der in Zusammenhang mit den Dernehls auftaucht, ein direkter Verwandter des Troja-Ausgräbers Heinrich Schliemann war. „Die Welt ist halt klein“, lacht Möller und solche Erkenntnisse machten die Faszination an der Lokalhistorie aus. Ausgestellt werden im Heimatmuseum neben fertigen Blaudrucken auch die „Model“ getauften Stempel, mit denen die Muster in die Farbe gedrückt wurden. Sie stammen aus dem Besitz der Dernehls. „Das sind echte kleine Schätze, die in liebevoller Kleinarbeit hergestellt wurden“, so Schark.

Neben den „Models“ gibt es auch einen historischen Webstuhl aus dem 17. oder 18 Jahrhundert zu sehen, an dem man live erleben kann, wie aus Flachs Leinen wurde, der dann gefärbt und bedruckt werden konnte. Mit historischen Geräten wie dem Spinnrad und der Handbrake wird die Herstellung greifbar.

Handweberin Almut Lembke half dem Museumsteam beim Einrichten und Aufbauen des Webstuhls. „Wenn die große Bibelausstellung kommt, werden wir ihn erstmal wieder einlagern müssen. Aber wir hoffen ihn noch häufiger zeigen zu können“, so Schark.

Interessierte können sich auf den 25. Februar freuen, denn dann eröffnet die Ausstellung unter dem Motto „Zwei Farben blau“.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen